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Senat lässt die Kat­ze aus dem Sack – Schul­pri­va­ti­sie­rung hin­ter ver­schlos­se­nen Türen beschlos­sen!

7 November 2017

Pres­se­mit­tei­lung von Gemein­gut in Bür­ge­rIn­nen­hand (GiB), Wei­den­weg 37, 10249 Ber­lin

GiB: Schul­pri­va­ti­sie­rung in Ber­lin stop­pen!

Ber­lin, den 07.11.2017: Wie befürch­tet will der Senat die soge­nann­te Schul­bau­of­fen­si­ve in gro­ßen Tei­len über die pri­vat­recht­lich orga­ni­sier­te Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft HOWO­GE abwi­ckeln. Das ist der Start­schuss für die Pri­va­ti­sie­rung von Schu­len und Schul­bau in Ber­lin. Nur die klei­ne­ren Vor­ha­ben, die etwa ein Vier­tel der für die Schul­bau­of­fen­si­ve ins­ge­samt ver­an­schlag­ten 5,5 Mil­li­ar­den Euro aus­ma­chen, sol­len noch in Eigen­re­gie der Bezir­ke erfol­gen.

Der Tages­spie­gel zitiert die Bezirks­bür­ger­meis­ter dazu: “Die Schu­len müss­ten gegen einen Wei­ter­ver­kauf an Drit­te “abge­schirmt” wer­den. Auch im Fal­le einer Insol­venz der Howo­ge müs­se sicher­ge­stellt sein, dass das Eigen­tums­recht an den Schu­len an die Bezir­ke zurück­ge­he.” Das bedeu­tet im Umkehr­schluss: Der Senat plant, das Eigen­tum an zahl­rei­chen bestehen­den Schu­len und von Schul­neu­bau­ten in eine pri­vat­recht­li­che GmbH aus­zu­la­gern — und die Bezir­ke wol­len dem zustim­men. Dabei machen sie sich damit zu Mie­tern in den (bis­her) eige­nen Gebäu­den.

Mit die­sem Vor­gang wer­den die Schu­len aber vor allem erst­mals ver­kaufs­fä­hig gemacht. Ob sie spä­ter wirk­lich ver­kauft oder in Öffent­lich-Pri­va­te Part­ner­schaf­ten (ÖPP) über­führt wer­den — dar­über ent­schei­det das Manage­ment der GmbH. Und dar­über ent­schei­det eine künf­ti­ge Regie­rung — die Zau­ber­lehr­lin­ge von Rot-Rot-Grün haben das dann nicht mehr im Griff.

Das Absur­de ist: Woll­te heu­te eine schwarz-gelb-blaue Regie­rung die Schu­len ver­kau­fen, sie wür­de zwangs­läu­fig schei­tern. Dafür gäbe es die Zustim­mung der Bezir­ke nie. Durch die ges­tern bekannt gewor­de­ne Vor­be­rei­tung von Rot-Rot-Grün wird es aber mög­lich, das Schwarz-Gelb-Blau oder wer auch immer so einen Ver­kauf künf­tig ein­fach vor­neh­men kann.

Her­vor­ge­ho­ben wird, dass es sich um eine Öffent­lich-Öffent­li­che Part­ner­schaft han­de­le, weil die HOWO­GE ein kom­mu­na­les Unter­neh­men ist. Das aber ist eine Schum­mel­pa­ckung: Die HOWO­GE ist zwar ein kom­mu­na­les Unter­neh­men, aber ihre Rechts­form ist pri­vat­recht­lich, sie ist eine GmbH. Die Erfah­rung zeigt, dass die öffent­li­che Kon­trol­le pri­vat­recht­li­cher Unter­neh­men, selbst wenn sie im Besitz der öffent­li­chen Hand sind, nicht aus­rei­chend gege­ben ist (erin­nert sei an die Ber­li­ner Was­ser­be­trie­be oder die Ber­li­ner Bank­ge­sell­schaft).

Auf­grund des Volu­mens und feh­len­der Erfah­run­gen im Schul­bau ist zu befürch­ten, dass sich die Schul­bau­of­fen­si­ve ent­we­der wei­ter ver­zö­gert, weil die HOWO­GE mas­sen­haft neu­es Per­so­nal für die­se Auf­ga­be anheu­ern oder – schlim­mer noch – auf Fremd­ex­per­ti­se von Gene­ral- oder Total­un­ter­neh­mern zurück­grei­fen muss, zum Bei­spiel durch das Ein­ge­hen von Part­ner­schaf­ten mit gro­ßen pri­va­ten Bau­kon­zer­nen. So kämen Öffent­lich-Pri­va­te Part­ner­schaf­ten, die von der Mehr­zahl der Bevöl­ke­rung abge­lehnt wer­den, durch die Hin­ter­tür an die Schu­len her­an.

Schon die Ent­schei­dung zur Aus­la­ge­rung von Schul­ge­bäu­den und -grund­stü­cken in die HOWO­GE wur­de hin­ter ver­schlos­se­nen Türen getrof­fen. Kann man unter die­sen Umstän­den dar­auf ver­trau­en, dass noch unpo­pu­lä­re­re Ent­schei­dun­gen offen dis­ku­tiert wer­den? Künf­tig gilt für alle Ent­schei­dun­gen das Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis. Wie wird in fünf oder zehn Jah­ren über die Sach­la­ge gedacht? Heu­te sind unse­re Schu­len noch 100 Pro­zent öffent­lich und somit unver­käuf­lich. Mit der geplan­ten Reform kann man sie erst­mals in Finanz­pro­duk­te umwan­deln. Dabei han­delt es sich um Ein­rich­tun­gen der Daseins­vor­sor­ge, die aus Steu­er­gel­dern bezahlt wur­den und wer­den!

2 Kommentare »

  • Benjamin Zibble sagt:

    Ein Bei­spiel aus Zürich ist die Kunst­hoch­schu­le die aus einer alten Milch­fa­brik (Toni Are­al) umge­baut wur­de. Die Gebäu­de sind nicht in Besitz der öffent­li­chen Hand son­dern bei Inves­to­ren. Eben­so sind die gan­zen Haus­diens­te an pri­va­te Unter­neh­men aus­ge­la­gert wor­den. Es sind zum Bie­spiel um die 60 Sicher­heits­leu­te beschäf­tigt und hun­der­te Über­wa­chungs­ka­me­ras instal­liert. Die Haus­or­dung sichert pri­mär das Eigen­tum der Inves­to­ren anstatt freie Kunst zu ermög­li­chen. Die pri­va­ten Eigen­tü­mer haben mit der öffent­li­chen Hand einen 30 jäh­ri­gen Miet­ver­trag abge­schlos­sen so das qua­si mit der Sicher­heit und recht­li­chen Ver­bind­lich­keit der öffent­li­chen Hand bzw. des Staa­tes über die­sen Zeit­raum siche­re Ren­di­ten für das inves­tier­te Kapi­tal vor­han­den sind. Pri­va­ti­sie­ren kann man auch in dem alle Pro­zes­se auf Pro­fi­te unter­sucht wer­den. Das erfas­sen der dafür nöti­gen Daten wird den Mit­ar­bei­tern zusätz­lich zur nor­ma­len Arbeit auf­ge­zwun­gen was zu chro­ni­scher Über­las­tung führt. Pro­fi­ta­ble Pro­zes­se wer­den dann Stück für Stück aus­ge­la­gert (pri­va­ti­siert) wärend die Ver­lus­te­pro­zes­se bei der öffent­li­chen Hand blei­ben…

  • GiB-Infobrief: Kein Freifahrtschein für Schulprivatisierung | Gemeingut sagt:

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