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Kurz­stu­die zur Ent­wick­lung der Aus­ga­ben für Schul­bau und -sanie­rung in Ber­lin 2012 bis 2017

7 November 2017

Ulrich Scholz

Carl Waß­muth

Die kom­plet­te Stu­die zum Down­load

Inhalt

Auf­ga­ben­stel­lung

Rech­ne­ri­scher Sanie­rungs­stau

Sanie­rungs­stau gemäß Gebäu­de­scan

Sum­me Sanie­rungs­stau und erfor­der­li­che Mit­tel zum Abbau

Inves­ti­tio­nen in den Schul­bau Ber­lin 2012 bis 2017

Inves­ti­ti­ons­wachs­tum

Quel­len, Annah­men und Metho­dik

Annah­men zum bau­li­chen Unter­halt

Annah­men zu den berufs­bil­den­den Schu­len

Annah­men zur Ent­wick­lung 2017

Zusam­men­fas­sung

Abkür­zun­gen

BENEBer­li­ner Pro­gramm für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung: Fonds für Bei­trä­ge zu einem umwelt­freund­li­chen und kli­ma­neu­tra­len Ber­lin

Bil­dung im Quar­tier –  Pro­gramm­be­stand­teil der Ber­li­ner Zukunfts­in­itia­ti­ve Stadt­teil, bei dem Mit­tel des Euro­päi­schen Fonds für regio­na­le Ent­wick­lung für bil­dungs­na­he Ange­bo­te zur Sta­bi­li­sie­rung von Stadt­tei­len genutzt wer­den (seit 2007)

BIMBer­li­ner Immo­bi­li­en­ma­nage­ment GmbH: lan­des­ei­ge­ner Kon­zern, der u.a. 67 berufs­bil­den­de Schu­len unter­hält

GEW Gewerk­schaft Erzie­hung und Wis­sen­schaft: Bil­dungs­ge­werk­schaft im Deut­schen Gewerk­schafts­bund

MEBModu­la­re Ergän­zungs­bau­ten: Unter­richts­ge­bäu­de mit bis zu 24 Unter­richts­räu­men, Errich­tung im stan­dar­di­sier­ten Leicht­bau an schon vor­han­de­nen Schul­stand­or­ten

Modell­bau­vor­ha­ben – Ver­wal­tungs­ver­fah­ren zur schnel­le­ren Umset­zung von Neu­bau­vor­ha­ben von Schu­len. Am 31.08.2017 waren acht in die­sem Ver­fah­ren geplan­te Schul­neu­bau­ten in der aktu­el­len Inves­ti­ti­ons­pla­nung berück­sich­tigt, drei wei­te­re soll­ten fol­gen.[1]

RIQReinves­ti­ti­ons­quo­te: jähr­li­che Aus­ga­ben zum Ersatz des Ver­schlei­ßes in Pro­zent des Gebäu­de­wer­tes

SaniP – Sani­tär­sa­nie­rungs­pro­gramm: Fonds zur Erset­zung alter Sani­tär­an­la­gen in Schu­len durch neue

SILB Son­der­ver­mö­gen Immo­bi­len des Lan­des Ber­lin bei der Ber­li­ner Immo­bi­li­en­ma­nage­ment GmbH

SIWASon­der­ver­mö­gen Infra­struk­tur der wach­sen­den Stadt, seit 2017 unter dem Namen SIWA­NA

SIWA­NA Son­der­ver­mö­gen Infra­struk­tur der wach­sen­den Stadt und Errich­tung eines Nach­hal­tig­keits­fonds

SSP Schul­an­la­gen­sa­nie­rungs­pro­gramm: seit 2009 bestehen­der Fonds, über des­sen Ver­wen­dung im Bezirk zu 70 % jeder Bezirk ent­schei­det, wäh­rend die Ver­wen­dung von 30 % der bezirk­li­chen Mit­tel von der Senats­ver­wal­tung für Bil­dung, Jugend und Fami­lie vor­ge­schrie­ben wird

Stadt­um­bau – För­der­pro­gramm zur Vor­be­rei­tung, Durch­füh­rung und Abrech­nung städ­te­bau­li­cher Gesamt­maß­nah­men (gesetz­li­che Grund­la­ge seit 2014). Hier wer­den u.a. Mit­tel des Euro­päi­schen Fonds für regio­na­le Ent­wick­lung ver­plant.

 

1.     Auf­ga­ben­stel­lung

Der Ber­li­ner Senat schlägt vor, in einer „Ber­li­ner Schul­bau­of­fen­si­ve“ die Inves­ti­tio­nen im Schul­bau mas­siv zu erhö­hen. Damit soll unter ande­ren ein Sanie­rungs­stau im Bereich der Schul­ge­bäu­de abge­baut wer­den. Antei­lig wur­den die zuge­hö­ri­gen Gel­der bereits im Dop­pel­haus­halt 2017/2018 bereit­ge­stellt. Aller­dings sind die geplan­ten Aus­ga­ben­stei­ge­run­gen unter Umstän­den gar nicht zu rea­li­sie­ren, bereit­ge­stell­te Mit­tel könn­ten dann nicht abge­ru­fen wer­den. Es soll nach­fol­gend unter­sucht wer­den, wel­che Mit­tel das Land Ber­lin im Schul­bau bis­her aus­ge­ge­ben hat. Davon aus­ge­hend soll bewer­tet wer­den, ob die in der „Ber­li­ner Schul­bau­of­fen­si­ve“ vor­ge­se­he­nen Aus­ga­ben­stei­ge­run­gen rea­lis­tisch sind.

2.     Rech­ne­ri­scher Sanie­rungs­stau

Das Abge­ord­ne­ten­haus von Ber­lin geht von 1,2 Mrd. €. Sanie­rungs­stau für die bezirk­li­chen Schul­ge­bäu­de aus: „Der rech­ne­ri­sche Sanie­rungs­stau (= Nach­hol­be­darf für den Bau­un­ter­halt der bezirk­li­chen Schul­ge­bäu­de der ver­gan­ge­nen 20 Jah­re) beläuft sich auf bis zu 1,2 Mrd. €. Hier­bei wur­de berück­sich­tigt, dass sich in eini­gen Fäl­len die Kos­ten allein dadurch erhöht haben, dass durch die ver­säum­te Instand­hal­tung grö­ße­re Schä­den erfolgt sind.“[2] Dem­zu­fol­ge sind jähr­lich im Durch­schnitt 60 Mio. € an Erhal­tungs­in­ves­ti­tio­nen nicht erfolgt.

Böhning/Schneider stell­ten dar, dass der geplan­te jähr­li­che bau­li­che Unter­halt zuletzt bei 0,7 Pro­zent des Wie­der­be­schaf­fungs­wer­tes der Schul­ge­bäu­de lag (Reinves­ti­ti­ons­quo­te RIQ 0,7 Pro­zent)[3]. Die tat­säch­lich ver­bau­te Reinves­ti­ti­ons­quo­te war nach Böhning/Schneider sogar noch gerin­ger, sie lag bei 0,5 Pro­zent. Das ent­spricht einem kom­plet­ten Ersatz nur alle 200 Jah­re. Gemäß der Kom­mu­na­len Geschäfts­stel­le für Ver­wal­tungs­ma­nage­ment (KGSt) wird für den bezirk­li­chen Gebäu­de­be­stand ein RIQ-Wert von 1,2 gefor­dert. Dem­ge­gen­über schlägt die „AG Schu­le“ der SPD Ber­lin vor, für Schul­ge­bäu­de wegen eines erhöh­ten Ver­schlei­ßes einen RIQ-Wert von 1,32 Pro­zent bau­lich umzu­set­zen. Das ent­spricht einem kom­plet­ten Ersatz alle 75 Jah­re und erscheint schon eher ange­mes­sen als die bis­he­ri­ge Ersatz­quo­te, ins­be­son­de­re wenn man in Betracht zieht, dass vom not­wen­di­gen Bau­tei­l­er­satz im Zuge des bau­li­chen Unter­halts nicht nur lang­le­bi­ge Bau­tei­le wie Wän­de, Decken und Dächer betrof­fen sind, son­dern auch Sani­tär­an­la­gen, Elek­tro­in­stal­la­tio­nen, Fas­sa­den und Fens­ter, die nur eine Lebens­dau­er zwi­schen 10 und 30 Jah­ren haben.. Dem­nach wäre bei einem tat­säch­lich gefor­der­ten RIQ-Wert von 1,2 Pro­zent in 20 Jah­ren ein Sanie­rungs­stau in Höhe von 1,63 Mrd. € auf­ge­lau­fen, bei einem RIQ-Wert 1,32 Pro­zent 1,91 sogar Mrd. €.

Die Dimen­si­on des Sanie­rungs­staus der berufs­bil­den­den Schu­len beträgt etwa ein Vier­tel des­je­ni­gen bei den all­ge­mein­bil­den­den Schu­len: „An den beruf­li­chen und zen­tral ver­wal­te­ten Schu­len beläuft sich der Sanie­rungs­stau lt. BIM auf ins­ge­samt ca. 326 Mio. €.“[4]

3.     Sanie­rungs­stau gemäß Gebäu­de­scan

Bezirks­bür­ger­meis­ter Hel­mut Klee­bank stell­te am 12.10.2017 in einem Vor­trag die Inves­ti­ti­ons­be­dar­fe bis 2026 dar.[5] Dar­in waren auch Anga­ben zum Sanie­rungs­stau der Ber­li­ner Schu­len ent­hal­ten, die sich aus einem Gebäu­de­scan aus den Jah­ren 2015/2016 erge­ben sol­len. Die auf­ge­lau­fe­nen, noch nicht abge­ar­bei­te­ten Sanie­run­gen belau­fen sich dem­nach auf 1,79 Mrd. €.

Abbil­dung 1: Schul­aus­ga­ben nach Maß­nah­me­ty­pen in Mio. € (unbe­rei­nigt)

 

4.     Sum­me Sanie­rungs­stau und erfor­der­li­che Mit­tel zum Abbau

Unter den genann­ten Sum­men ergibt sich ins­ge­samt ein Sanie­rungs­stau von all­ge­mein­bil­den­den (bezirk­li­chen) und berufs­bil­den­den (mit­tel­bar lan­des­ei­ge­nen) Schu­len von 2,12 Mrd. €. Soll die­ser Sanie­rungs­stau inner­halb von 10 Jah­ren abge­baut wer­den, so sind dafür (ohne Zin­sen für eine even­tu­el­le Kapi­tal­be­reit­stel­lung) jähr­lich 212 Mio. € ein­zu­set­zen. Wie wei­ter unten gezeigt wird, wur­de die­se Sum­me schon für die bis­he­ri­ge Bau­tä­tig­keit auch in 2016 nicht erreicht. Es ist also allein für den Abbau des Sanie­rungs­staus von mehr als einer Ver­dop­pe­lung der Aus­ga­ben im Schul­bau die Rede.

5.     Inves­ti­tio­nen in den Schul­bau Ber­lin 2012 bis 2017

Die geplan­ten (und im Haus­halt berück­sich­tig­ten) Inves­ti­tio­nen in den Schul­bau Ber­lin unter­schie­den sich schon in der Ver­gan­gen­heit. Die tat­säch­li­chen Inves­ti­tio­nen in den Schul­bau Ber­lin stie­gen von 119,7 Mio. € in 2012 auf 162,2 Mio. € in 2016. In 2017 wer­den bei opti­mis­ti­scher Schät­zung 246,6 Mio. € erreicht. Gemäß „Schul­bau­of­fen­si­ve“ sind aber 830 Mio. € für 2017 vor­ge­se­hen. Die Zah­len set­zen sich dabei wie folgt zusam­men:

2012 – 119,7 Mio. €

Bau: 49,3 Mio. €

Bau­li­che Unter­hal­tung: 64 Mio. €

Bau­li­che Unter­hal­tung durch die BIM: 6,4 Mio. €

2013 – 125,4 Mio. €

Bau: 54,5 Mio. €

Bau­li­che Unter­hal­tung: 64 Mio. €

Bau­li­che Unter­hal­tung durch die BIM: 6,9 Mio. €

2014 – 144,5 Mio. €

Bau: 73 Mio. €

Bau­li­che Unter­hal­tung : 64 Mio. €

Bau­li­che Unter­hal­tung durch die BIM: 7,5 Mio. €

2015 – 158,8 Mio. €

Bau: 85,66 Mio. €

Bau­li­che Unter­hal­tung : 65 Mio. €

Bau­li­che Unter­hal­tung durch die BIM: 8,1 Mio. €

2016 – 162,2 Mio. €

Bau: 88,5 Mio. € (davon 6,75 Mio. € am 15. 08. 2016 noch ohne Bau­pla­nungs­un­ter­la­gen)

Bau­li­che Unter­hal­tung: 65 Mio. €

Bau­li­che Unter­hal­tung durch die BIM: 8,7 Mio. €

2017 – 246,6 Mio. €

Bau 121,3 Mio. € (davon am 10. 08. 2017 noch ohne Bau­pla­nungs­un­ter­la­gen: 15,1 Mio. €)

Bau­li­che Unter­hal­tung: 66 Mio. €

Bau­li­che Unter­hal­tung durch die BIM: 9,3 Mio. €

Bau von zehn Schu­len im Modell­bau­vor­ha­ben: 50 Mio. €

6.     Inves­ti­ti­ons­wachs­tum

Obwohl die Senats­ver­wal­tung für Finan­zen ihren Berech­nun­gen für 2016 mit 245,3 Mio. € deut­lich grö­ße­re Bau­sum­men zugrun­de gelegt hat, als gemäß der oben dar­ge­stell­ten Berech­nun­gen haus­hal­te­risch nach­weis­bar sind (Abbil­dung 2[6]), und das auf die­ser Basis ange­nom­me­ne Wachs­tum bis auf 417,4 Mio. € in 2017 auch nicht erreich­bar erscheint, stellt die­se Sum­me immer noch nur die Hälf­te der für 2017 von der Schul­se­na­to­rin ver­spro­che­nen Sum­me von 830 Mio. € dar. Ein sol­ches Miss­ver­hält­nis zwi­schen ver­füg­ba­ren Gel­dern und tatsäch­lichen Bau­vo­lu­mi­na ist aus der (Fast-Nicht-) Ver­wen­dung des schul­bau­be­zo­ge­nen Anteils der SIWA/­SI­WA­NA-Mit­tel seit 2015 bekannt. Aller­dings ist jetzt die Dimen­si­on eine ande­re. Das war womög­lich auch dem Senat bewusst, als er am 27.06.2017 fest­stell­te: „Die Umset­zung der Schul­bau­of­fen­si­ve erfor­dert daher Pro­duk­ti­vi­täts­stei­ge­rung im Per­so­nal­ein­satz bei der Umset­zung der Bau­vo­lu­mi­na (kon­sum­ti­ver und inves­ti­ver Bereich).“ Die anvi­sier­te Produktivitäts­steigerung muss in Anbe­tracht des Mach­ba­ren geplant wer­den. Was mach­bar ist, deu­tet die Wachs­tums­rate der ver­gan­ge­nen Jah­re an (Tabel­le 1). Dabei müss­te aller­dings die hohe Investitions­steigerung, die wir auf­grund der Anga­ben der Bil­dungs­se­na­to­rin zu den Schu­len im Modell­bauvorhaben ange­nom­me­nen haben, erst noch haus­hal­te­risch nach­ge­wie­sen wer­den. Die aktu­ell beleg­ba­re Wachs­tums­ra­te beträgt nur 8 % im Durch­schnitt der ver­gan­ge­nen vier Jah­re.

Tabelle1: Inves­ti­ti­ons­wachs­tum im Schul­bau Ber­lin 2013 – 2017

Jahr 2013 2014 2015 2016 Ø 2013–2016 2017 Ø 2013–2017
Mehr­aus­ga­ben gegen­über dem Vor­jahr (Mio. €) 5,7 19,1 14,3 3,4 10,6 84,4 25,4
Wachs­tums­ra­te 4,8 % 15 % 9,9 % 2,1 % 8 % 52 % 16,76 %

Abbil­dung 2: Schul­bau­of­fen­si­ve, geplan­te Aus­ga­ben 2016 bis 2021 (Bild: SenFin)

7.     Quel­len, Annah­men und Metho­dik

Die Berech­nung der Inves­ti­tio­nen im Schul­bau basiert auf den jewei­li­gen Inves­ti­ti­ons­plä­nen des Lan­des Ber­lin für den Bau und die bau­li­che Unter­hal­tung der all­ge­mein­bil­den­den Schu­len sowie eini­ger weni­ger berufs­bil­den­der Schu­len, für die Mit­tel aus der Senats­ver­wal­tung für Bil­dung, Jugend und Fami­lie resp. Wis­sen­schaft ver­wen­det wur­den. Die Dimen­si­on der Aus­ga­ben bis 2015 wird durch Zah­len­an­ga­ben des Senats zu den tat­säch­lich in Schu­len ver­bau­ten Mit­teln[7] und zur bau­li­chen Unter­hal­tung der Schu­len[8] bestä­tigt.

Annah­men zum bau­li­chen Unter­halt

2012 wur­den für den Schul­bau 49,3 Mio. (Haus­halts­plan für die Haus­halts­jah­re 2012/13 Band 1[9]) aus­ge­ge­ben, obwohl dafür im Inves­ti­ti­ons­pro­gramm des Lan­des Ber­lin 2013–2017[10] 80,8 Mio. vor­ge­se­hen waren. 2013 wur­den für den Schul­bau 54,5 Mio. (Haus­halts­plan für die Haus­halts­jah­re 2012/13 Band 1[11]) ver­wen­det. Die Vor­ga­be laut Inves­ti­ti­ons­pro­gramm des Lan­des Ber­lin 2013–2017 waren 58,3 Mio. €. In den Inves­ti­ti­ons­plä­nen sind die Bau­aus­ga­ben für eini­ge Schu­len (Fla­tow-Ober­schu­le, Poel­chau-Ober­schu­le, Wer­ner-See­len­bin­der-Schu­le, Schul­farm Insel Schar­fen­berg, OSZ Stand­ort Drie­se­ner Stra­ße, OSZ Kon­struk­ti­ons­bau­tech­nik, OSZ Sozi­al­we­sen, …) bei der Senats­ver­wal­tung für Bil­dung, Jugend und Wis­sen­schaft, zum größ­ten Teil aber bei den Ein­zel­plä­nen der Bezir­ke als Schul­trä­gern auf­ge­führt. Nicht berück­sich­tigt wur­den hier Sanie­rungs­mit­tel der Senats­ver­wal­tung für Stadt­ent­wick­lung und Umwelt, die zum sehr gerin­gen Teil auch für die Sanie­rung schu­li­scher Außen­flä­chen ver­wen­det wor­den sein mögen. Wei­te­re Anga­ben zu berufs­bil­den­den Schu­len sie­he unten.

Die Inves­ti­ti­ons­plä­ne füh­ren geson­dert sol­che Pro­jek­te auf, für die bei der Erstel­lung noch kei­ne Bau­pla­nungs­un­ter­la­gen vor­la­gen (Inves­ti­ti­ons­plan für die Jah­re 2017–2021). Daher kann davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass die ansons­ten dort genann­ten Sum­men auch tat­säch­lich ver­baut wor­den sind. Die Anga­ben für die Jah­re 2014 und 2015 wur­den daher aus dem Inves­ti­ti­ons­plan 2014–2018[12] über­nom­men.

Außer­dem stan­den 2014 und 2015 jeweils 64 Mrd. € für das Schul­an­la­gen­sa­nie­rungs­pro­gramm zur Ver­fü­gung. Hin­zu kamen aus dem Son­der­ver­mö­gen SIWA (spä­ter SIWA­NA) seit 2015 jähr­lich 108 Mio. € für die bau­li­che Unter­hal­tung in den Bezir­ken, die bis zu 70 % = 76 Mio. € für Schu­len hät­ten aus­ge­ge­ben wer­den sol­len.[13]

Die­ses Geld ist aber nur zum klei­nen Teil wirk­lich ver­baut wor­den. Der Tages­spie­gel ging für 2015 von nur einer Mil­li­on € aus.[14] 2016 wur­den zum Bei­spiel in Mar­zahn-Hel­lers­dorf 0,8 Mio. € für die bau­li­che Unter­hal­tung aus­ge­ge­ben, der Rest wur­de ander­wei­tig oder gar nicht ver­wen­det[15]. Dem­ge­gen­über gab Neu­kölln 2016 für die bau­li­che Unter­hal­tung der Schu­len 7 Mio. € aus. Auch 2016 dürf­te also der größ­te Teil die­ser Mit­tel nicht aus­ge­schöpft wor­den sein. Die hier geschätz­te Dimen­si­on der tat­säch­li­chen bau­li­chen Unter­hal­tungs­maß­nah­men bestä­tigt auch der Senats­be­schluss „Schul­bau in Ber­lin kurz-, mit­tel- und lang­fris­tig (Pha­se I und Pha­se II)“ vom 27. 06. 2017[16]: „In den zurück­lie­gen­den drei Jah­ren haben die Bezir­ke im Durch­schnitt bau­li­che Unter­hal­tungs­maß­nah­men über 10.000 € mit einem Gesamt­aus­ga­ben­mit­tel­wert von 61,6 Mio. € p.a. bewäl­tigt. Es ste­hen dem­nach 2,5-mal so viel Mit­tel wie bis­her zur Ver­fü­gung; somit kön­nen im Mit­tel mehr als dop­pelt so viel Vor­ha­ben wie zuvor umge­setzt wer­den“ (Her­vor­he­bung: U.S., Feh­ler im Ori­gi­nal). Um den­noch eine gewis­se Inan­spruch­nah­me der SIWA/­SI­WA­NA-Mit­tel abzu­bil­den, haben wir ange­nom­men, dass die­se Mit­tel zweck­ent­spre­chend im Umfang von 2 Mil­lio­nen pro Jahr für die bau­li­che Unter­hal­tung ver­wen­det wor­den sind.

Annah­men zu den berufs­bil­den­den Schu­len

Die berufs­bil­den­den Schu­len befin­den sich mit 65 Wirt­schafts­ein­hei­ten im Eigen­tum der Ber­li­ner Immo­bi­li­en­ma­nage­ment GmbH BIM und gehö­ren dort zum Son­der­ver­mö­gen Immo­bi­li­en des Lan­des Ber­lin SILB. Mit einem Anteil von 834.211 m2 an der gesam­ten Net­to­raum­flä­che des SILB von 4.243.652 m2 haben die­se Schu­len einen Anteil von 19,6 % an der Gesamt­net­to­raum­flä­che des Son­der­ver­mö­gens. Die­sem Anteil ent­spre­chen 8.694.168 € an den gesam­ten Bau­un­ter­halts­kos­ten des SILB in Höhe von 44.358.000 €.[17] Da uns nicht bekannt ist, ob der Bau­un­ter­halt der beruf­li­chen Schu­len durch die BIM in beson­de­rer Wei­se ver­nach­läs­sigt oder geför­dert wor­den ist, set­zen wir die­se Sum­me für das Jahr 2016 an. Gemäß den Anga­ben zu 2015[18] war die­ser Wert ein Jahr zuvor 8.079.512 €. Ver­nach­läs­sigt wird dabei der bau­li­che Unter­halt von zwei beruf­li­chen Schu­len (Net­to­raum­flä­che 3333 m2), die von der BIM ange­mie­tet sind. Die Wer­te für die drei vor­an­ge­hen­den Jah­re und für das Jahr 2017 schrei­ben wir ent­spre­chend der 2016 gege­be­nen Wachs­tums­ra­te von 7,4 % wei­ter bzw. zurück.

Annah­men zur Ent­wick­lung 2017

Da das Jahr 2017 zum Zeit­punkt der Abfas­sung der vor­lie­gen­den Kurz­stu­die noch nicht abge­schlos­sen ist, wur­den für die Inves­ti­ti­ons­sum­me Annah­men getrof­fen. Zunächst wur­den die ver­füg­ba­ren Mit­tel betrach­tet. Der Senat hat dem Abge­ord­ne­ten­haus Inves­ti­tio­nen von 830 Mio. € (davon im Haus­halt und Nach­trags­haus­halt 2017: 526,8 Mio. €) für 2017 ange­kün­digt und einen Teil die­ser Sum­me den Aus­ga­ben­grup­pen zuge­ord­net:

  • Regu­lä­re Inves­ti­ti­ons­pla­nung: 113,3 Mio. €
  • SIWA­NA: 200 Mio. €
  • Bau­li­cher Unter­halt Schu­len Bezir­ke (um 42 % auf­ge­stockt): 112 Mio. €
  • SSP/SaniP: 96,3 Mio. €
  • SIWA I und II: 83,4 Mio. €
  • SIWA I und II MEBS: 80,4 Mio. €
  • Bau­vor­be­rei­tung / Beschleu­ni­gung: 5,2 Mio. €
  • För­der­pro­gram­me Stadt­um­bau, Bil­dung im Quar­tier, BENE u.a.: x €[19]

Hier han­delt es sich jedoch nicht um bereits ver­plan­te oder sogar ver­bau­te Gel­der. Der Anteil, der 2017 in Anspruch genom­men wer­den kann, beläuft sich nach unse­ren Berech­nun­gen auf ledig­lich 246,6 Mio. € und ist auch nur des­we­gen so hoch, weil inzwi­schen mit dem Bau von zehn Schu­len „im Modell­bau­vor­ha­ben“ begon­nen wor­den ist.[20] In die­sen ers­ten Bau­pha­sen kön­nen 2017 pro Schu­le maxi­mal 5 Mio. € ver­baut wor­den sein, sodass wir eine Sum­me von 50 Mio. € bei den Aus­ga­ben 2017 berück­sich­tigt haben. Die­se Annah­me wird von uns als opti­mis­tisch ange­se­hen.

8.     Zusam­men­fas­sung

Das vom Senat vor­ge­stell­te Inves­ti­ti­ons­pro­gramm kann vor­aus­sicht­lich nicht umge­setzt wer­den. Die geplan­ten Stei­ge­run­gen sind zu hoch, sie kön­nen nicht ver­baut wer­den, ver­mut­lich, weil das weder das Fach­per­so­nal im Bereich Ver­ga­be schafft[21] noch die aus­füh­ren­den Fir­men die Umset­zung. Letz­te­re geben teil­wei­se gar kei­ne Ange­bo­te mehr ab.[22]

Die Unwahr­schein­lich­keit der Inves­ti­ti­ons­stei­ge­rung ergibt sich aus dem Ver­lauf der bis­he­ri­gen tat­säch­li­chen Inves­ti­ti­ons­stei­ge­run­gen. Dazu könn­ten wei­te­re Über­le­gun­gen ange­stellt wer­den zu den (Wachstums-)Grenzen von Fach­per­so­nal, Bau­ma­schi­nen, Werk­zeu­gen etc.

Anders als vom Senat in sei­ner „Schul­bau­of­fen­si­ve“ unter­stellt, wur­den 2016 nicht 245,3 Mio. € ver­baut, son­dern nur 153,5 Mio. €. In 2017 sind maxi­mal 246,6 Mio. € zu errei­chen. Ins­ge­samt sol­len aber in den kom­men­den 10 Jah­ren 5,5 Mrd. € aus­ge­ge­ben wer­den. Schreibt man die Senats­zah­len von 2018 bis 2021 fort, sähe das so aus:

Abbil­dung 3: tat­säch­li­che und geplan­te Aus­ga­ben im Schul­bau Ber­lin 2012 bis 2027

Der dar­ge­stell­te Inves­ti­ti­ons­sprung zu 2018 ist wie ersicht­lich unrea­lis­tisch, eben­so wie die anschlie­ßen­de wei­te­re Stei­ge­rung bis 2021. Die zum Start der „Schul­bau­of­fen­si­ve“ für 2017 ange­ge­be­nen 830 Mio. € wären sogar mehr als fünf Mal höher, als 2016 tat­säch­lich aus­ge­ge­ben wur­de. Aber letzt­lich ist es uner­heb­lich, wie viel Mal höher die bereit­ge­stell­ten Mit­tel sind als die tat­säch­lich ver­bau­ten – zwi­schen den bei­den Zah­len­rei­hen besteht offen­sicht­lich nur ein begrenz­ter Zusam­men­hang. Ab einer gewis­sen (aus­rei­chen­den) Höhe der Mit­tel begren­zen ver­mut­lich die Fak­to­ren Per­so­nal, Mate­ri­al und Gerä­te die tat­säch­li­chen Aus­ga­ben.

 

Fuß­no­ten

[1] Pres­se­mit­tei­lung der Senats­ver­wal­tung für Bil­dung, Jugend und Fami­lie vom 31.08.2917: https://www.berlin.de/sen/bjf/service/presse/pressearchiv-2017/pressemitteilung.626180.php

[2] Abge­ord­ne­ten­haus Ber­lin (2017):, Druck­sa­che 18/0351, 12.05.2017

[3] Björn Böh­ning, Tors­ten Schnei­der (2016):  Abschluss­be­richt der AG Schu­le der SPD Ber­lin. „Die Wie­der­be­schaf­fungs­wer­te der bezirk­li­chen Schu­len sum­mie­ren sich (in aktu­el­len Prei­sen) auf rd. 11,65 Mrd. € (S. 16)“.

[4] Abge­ord­ne­ten­haus Ber­lin 2017, a.a.O.

[5] Hel­mut Klee­bank (2017): Prä­sen­ta­ti­on „Ber­li­ner Schul­bau­of­fen­si­ve und die Rol­le der Bezir­ke“ bei der GEW Ber­lin am 12.10.2017, Folie 3

[6] Abbil­dung 2: Senats­ver­wal­tung für Finan­zen am 27.06.2017, Zugriff am 29.10.2017: https://www.berlin.de/sen/finanzen/haushalt/schulbauoffensive/artikel.613867.php

[7] Abge­ord­ne­ten­haus Ber­lin 2017: „Die „Ber­li­ner Schul­bau­of­fen­si­ve“ star­tet in 2017 mit einem Volu­men von ca. 830 Mio. €. Davon ent­fal­len 526,8 Mio. € auf den Haus­halt und Nach­trags­haus­halt 2017 (mit SSP/SaniP 96,3 Mio. €; bau­li­cher Unter­halt Schu­len Bezir­ke neu 112 Mio. €; Bauvorbereitung/ Beschleu­ni­gung 5,2 Mio. €; SIWA­NA 200 Mio. € und 113,3 Mio. € aus der regu­lä­ren Inves­ti­ti­ons­pla­nung. Dar­über hin­aus ste­hen wei­te­re, 83,4 Mio. € SIWA I & II sowie 80,4 Mio. € MEBs aus SIWA I & II sowie Mit­tel aus sons­ti­gen För­der­pro­gram­men (Stadt­um­bau, Bil­dung im Quar­tier, BENE etc.) in sub­stan­zi­el­ler Höhe zur Ver­fü­gung und vor­aus­sicht­lich ab 2018 wei­te­re Mit­tel aus dem Kom­mu­na­len Infra­struk­tur­pro­gramm II.“ (Her­vor­he­bung: U.S., Feh­ler im Ori­gi­nal): https://www.parlament-berlin.de/ados/18/IIIPlen/vorgang/d18-0351.pdf, Zugriff am 29.10.2017, 16.35 Uhr

[8] Senats­be­schluss „Schul­bau in Ber­lin kurz-, mit­tel- und lang­fris­tig (Pha­se I und Pha­se II)“ vom 27. 06. 2017. „In den zurück­lie­gen­den drei Jah­ren haben die Bezir­ke im Durch­schnitt bau­li­che Unter­hal­tungs­maß­nah­men über 10.000 Euro mit einem Gesamt­aus­ga­ben­mit­tel­wert von 61,6 Mio. Euro p.a. bewäl­tigt“ (Her­vor­he­bun­gen: U.S.). Der Beschluss wur­de inzwi­schen aus dem Netz genom­men, liegt uns aber als PDF vor. Auf der ent­spre­chen­den Inter­net­sei­te fin­det sich aktu­ell die Pres­se­mit­tei­lung des Senats vom sel­ben Tag, Zugriff am 29.10.17 um 16.05 Uhr: https://www.berlin.de/rbmskzl/aktuelles/pressemitteilungen/2017/pressemitteilung.606182.php

[9] https://www.berlin.de/sen/finanzen/haushalt/downloads/haushaltsplan-archiv/artikel.80897.php

[10] Inves­ti­ti­ons­pro­gramm des Lan­des Ber­lin für die Jah­re 2013–2017

[11] https://www.berlin.de/sen/finanzen/haushalt/downloads/haushaltsplan-archiv/artikel.80897.php

[12] https://www.berlin.de/sen/finanzen/haushalt/downloads/artikel.6296.php

[13] Schul­ent­wick­lungsplan 02.07.15: „Schul­an­la­gen­sa­nie­rungs­pro­gramm (SSP) Zusätz­lich zu den Mit­teln für die Hoch­bau­un­ter­hal­tung wer­den zweck­ge­bun­den für die Sanie­rung und Qua­li­fi­zie­rung von Schul­stand­or­ten umfang­rei­che finan­zi­el­le Mit­tel zur Ver­fü­gung gestellt. Die­ser Betrag beläuft sich im Dop­pel­haus­halt 2014/2015 auf rd. 64 Mio. € p.a. Die Ver­tei­lung der Mit­tel erfolgt zu 70% auf Basis der Prio­ri­tä­ten­set­zung der Bezir­ke und zu 30% nach gesamt­städ­ti­schen Kri­te­ri­en (z.B. beson­de­re inhalt­li­che Pro­gramm­zie­le, ener­ge­ti­sche Sanie­rung, Arbeits­schutz — Akus­tik). Der Prio­ri­tä­ten­set­zung der Bezir­ke wird erst nach Über­prü­fung der För­der­fä­hig­keit, ins­be­son­de­re der Lang­fris­tig­keit der Stand­or­te unter Berück­sich­ti­gung der Ent­wick­lung der Zahl der Schü­le­rin­nen und Schü­ler durch die Senats­ver­wal­tung für Bil­dung, Jugend und Wis­sen­schaft zuge­stimmt.“

[14] bbz Ber­li­ner Bil­dungs-Zei­tung 05/2016: Land gibt SIWA-Geld nicht aus

[15] Bericht­erstat­tung im Rah­men des Kon­so­li­die­rungs­kon­zep­tes Bezirk Mar­zahn-Hel­lers­dorf, Jah­res­be­richt 2016: https://www.parlament-berlin.de/adosservice/18/Haupt/vorgang/h18-0685-v.pdf

[16] Der Beschluss wur­de inzwi­schen aus dem Netz genom­men. Sie­he Fuß­no­te 7

[17] BIM – Zah­len und Daten 2016, https://www.bim-berlin.de/fileadmin/user_upload/pdf/Kennzahlenreport2016_Einzelseitenpdf_Webversion_6.9.2016.pdf, Zugriff am 30.10.2017, 10.42 Uhr

[18] BIM – Zah­len und Daten 2015, https://www.bim-berlin.de/fileadmin/user_upload/160620_BIM-in_Zahlen-2015_FINAL.pdf, Zugriff 30.10.2017, 10.12 Uhr

[19] Sie­he Abge­ord­ne­ten­haus von Ber­lin 2017, a.a.O.

[20] Pres­se­mit­tei­lung der Senats­ver­wal­tung für Jugend, Bil­dung und Fami­lie am 31.08.2017: https://www.berlin.de/sen/bjf/service/presse/pressearchiv-2017/pressemitteilung.626180.php, Zugriff am 29.10.2017, 17.08 Uhr

[21] Neben den zu knap­pen Aus­schrei­bungs­fris­ten gebe es für die Bau­wirt­schaft noch ein zwei­tes Pro­blem. “Lei­der ist der Per­so­nal­man­gel in der öffent­li­chen Ver­wal­tung immer noch ein Fla­schen­hals, der die Umset­zung von Maß­nah­men ver­hin­dert. Wenn die zur Ver­fü­gung gestell­ten Mit­tel ver­baut wer­den sol­len, müs­sen die Bezir­ke für die­se Aus­ga­ben dau­er­haft mehr Per­so­nal ein­stel­len.” sie­he https://www.morgenpost.de/berlin/article211717323/Berliner-Bauverband-kritisiert-Schulsanierungskonzept.html, zuletzt abge­ru­fen am 29.10.2017

[22] „Der Bezirk Char­lot­ten­burg-Wil­mers­dorf habe […] gro­ße Pro­ble­me, Fach­fir­men über­haupt zur Ange­bots­ab­ga­be zu bewe­gen. “Ins­be­son­de­re in den Berei­chen Elek­tro­tech­nik und Sani­tär”, ebd.

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