Home » Allgemein, Bildung, Infrastruktur

Wer sind die Ver­trau­ens­per­so­nen der Volks­in­itia­ti­ve “Unse­re Schu­len”?

11 Oktober 2018

Gemein­gut in Bür­ge­rIn­nen­hand am 3. Janu­ar die Volks­in­itia­ti­ve “Unse­re Schu­len” gestar­tet. Am 3. Juli konn­ten wir dem Prä­si­den­ten des Ber­li­ner Abge­ord­ne­ten­hau­ses 30.402 Unter­schrif­ten über­ge­ben. Dan­ke an alle, die Unter­schrif­ten gesam­melt und unter­schrie­ben haben! Mit Schrei­ben vom 6. August hat der Prä­si­dent des Ber­li­ner Abge­ord­ne­ten­hau­ses die Recht­mä­ßig­keit der Volks­in­itia­ti­ve “Unse­re Schu­len” bestä­tigt. 28.070 Unter­schrif­ten wur­den als gül­tig aner­kannt. Jetzt müs­sen wir in den für unser Anlie­gen zustän­di­gen Aus­schüs­sen gehört wer­den. Eine wich­ti­ge Rol­le bei der Anhö­rung spie­len die Ver­trau­ens­per­so­nen der Volks­in­itia­ti­ve.

Das Ber­li­ner Gesetz über Volks­in­itia­ti­ve, Volks­be­geh­ren und Volks­ent­scheid (Abstim­mungs­ge­setz — AbstG) vom 11. Juni 1997 sieht in § 6 (Ver­trau­ens­per­so­nen) vor:

(1) Die Trä­ge­rin einer Volks­in­itia­ti­ve bestimmt fünf Ver­trau­ens­per­so­nen zu den Ver­tre­tern der Volks­in­itia­ti­ve. Die Ver­trau­ens­per­so­nen sind berech­tigt, im Namen der Unter­zeich­ner im Rah­men die­ses Geset­zes ver­bind­li­che Erklä­run­gen für die Trä­ge­rin abzu­ge­ben und ent­ge­gen­zu­neh­men. Erklä­run­gen der Ver­trau­ens­per­so­nen sind nur ver­bind­lich, wenn sie von min­des­tens drei Ver­trau­ens­per­so­nen abge­ge­ben wer­den.

Die Ver­trau­ens­per­so­nen der von Gemein­gut in Bür­ge­rIn­nen­hand e.V (GiB) initi­ier­ten Volks­in­itia­ti­ve “Unse­re Schu­len” sind:

Sie­grun Bofin­ger

Sie­grun Bofin­ger, © Foto Kat­rin Kusche

Als ich mich 1990 durch den Bei­tritt der DDR zur Bun­des­re­pu­blik in einem markt­wirt­schaft­lich geführ­ten Land wie­der­fand, wur­de ich in den ers­ten bei­den Legis­la­tur­pe­ri­oden Bezirks­ver­ord­ne­te, um bes­ser die Struk­tu­ren zu ver­ste­hen, und es war der Ver­such zu gestal­ten. Der immer grö­ßer wer­den­de neo­li­be­ra­le Ein­fluss auf allen Gebie­ten war besorg­nis­er­re­gend. So war ich froh, als sich attac Deutsch­land grün­de­te. Aktiv mit­ar­bei­ten konn­te ich erst nach Been­di­gung mei­ner Berufs­tä­tig­keit. Da ein Schwer­punkt mei­nes Inter­es­ses die Daseins­vor­sor­ge ist, habe ich natür­lich am Volks­ent­scheid zur Rekom­mu­na­li­sie­rung der Ber­li­ner Was­ser­be­trie­be teil­ge­nom­men, arbei­te bei GiB mit, hät­te ger­ne die Pri­va­ti­sie­rung der Auto­bah­nen ver­hin­dert und wer­de mich immer für demo­kra­ti­sche Teil­ha­be ein­set­zen.

Zitat: „Im Jahr 2009 wur­de mit 2/3-Mehr­heit sowohl des Bun­des­ta­ges als auch des Bun­des­ra­tes die Schul­den­brem­se in die Ver­fas­sung auf­ge­nom­men. Ver­tre­ter die­ser Par­tei­en ver­su­chen jetzt, die­se Schul­den­brem­se zu umge­hen. Um ihre urei­gens­ten Auf­ga­ben, die Bereit­stel­lung der Daseins­vor­sor­ge, zu erfül­len, geben sie die­se Auf­ga­be sogar ganz oder teil­wei­se in pri­va­te Hän­de. Gera­de bei der Sanie­rung und dem Neu­bau von Schu­len muss demo­kra­ti­sche Mit­be­stim­mung der spä­te­ren Nutz­nie­ßer gewähr­leis­tet sein! Es ist längst Zeit für eine öffent­li­che Debat­te über die Schul­den­brem­se! Die Ver­fas­sung ist nicht unan­tast­bar! Als im Jahr 2017 Anla­ge­mög­lich­kei­ten für Ban­ken und Ver­si­che­run­gen gene­riert wer­den soll­ten, ging die Ver­fas­sungs­än­de­rung zuguns­ten der Schaf­fung einer Infra­struk­tur­ge­sell­schaft für Auto­bah­nen sehr schnell über die poli­ti­sche Büh­ne.“

Doro­thea Här­lin

Doro­thea Här­lin, © Foto pri­vat

Doro­thea Här­lin ist pen­sio­nier­te Stu­di­en­rä­tin, enga­giert sich seit lan­gem gegen die Pri­va­ti­sie­rung der öffent­li­chen  Daseins­vor­sor­ge. Als Mit­glied von attac schaut sie auch über den loka­len Tel­ler­rand in glo­ba­le Zusam­men­hän­ge. Sie war Mit­be­grün­de­rin des Ber­li­ner Was­ser­tischs, des­sen erfolg­rei­cher Volks­ent­scheid die Rekom­mu­na­li­sie­rung der Ber­li­ner Was­ser­be­trie­be bewirk­te. Im Rück­zug der öffent­li­chen Hand aus der Ver­ant­wor­tung aus ori­gi­nä­ren öffent­li­chen Auf­ga­ben sieht sie eine Gefahr für den gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halt und damit der Demo­kra­tie gene­rell. 2010 hat sie des­halb GiB (Gemein­gut in Bür­ge­rIn­nen­hand) mit gegrün­det, ist im Vor­stand von GiB.

Zitat: „Als Leh­re­rin, eine Insi­de­rin sozu­sa­gen, weiß ich, dass die Räum­lich­kei­ten den Schul­all­tag stark beein­flus­sen. Durch die  Kre­dit­auf­nah­me auf Schul­ge­bäu­de für min­des­tens 30 Jah­re wer­den in die­sen soge­nann­ten Howo­ge-Schu­len finanz­po­li­ti­sche Aspek­te statt päd­ago­gi­scher im Vor­der­grund ste­hen. Das ist ein gefähr­li­cher Para­dig­men­wech­sel, mit dem sich der Staat aus sei­ner Ver­ant­wor­tung  stiehlt.

Ger­lin­de Scher­mer

Ger­lin­de Scher­mer, © Foto Klaus Ihlau

MdA a.D.; Pri­va­ti­sie­rungs­kri­ti­ke­rin, Dipl.-Betriebswirtin, frei­be­ruf­lich tätig

Zitat: „Ich habe mich als Ver­trau­ens­per­son für die Volks­in­itia­ti­ve ‚Unse­re Schu­le‘ zur Ver­fü­gung gestellt, weil ich will, dass die Gegen­wehr gegen Pri­va­ti­sie­rung der Daseins­vor­sor­ge und für das Gemein­wohl Fahrt auf­nimmt.

Es gibt kei­nen ande­ren Weg: Die ‚Schul­den­brem­se‘ muss weg!

Demo­kra­tie hat dann wie­der den zen­tra­len Stel­len­wert in unse­rer Gesell­schaft, den sie haben muss, um Aus­gren­zung und finan­zi­el­le Ungleich­hei­ten aus­zu­glei­chen. Kapi­tal­in­ter­es­sen haben in der Daseins­vor­sor­ge kei­nen Platz. Das Modell des Senats, Schul­den für die Schul­sa­nie­rung aus­zu­la­gern, um so die ‚Schul­den­brem­se‘ zu umge­hen, ist in Wahr­heit der Beginn der Schaf­fung eines Orga­ni­sa­ti­ons­rah­mens für pri­vat-finan­zier­te-Infra­struk­tur­in­ves­ti­tio­nen. Wer nicht will, dass alles was der Mensch zum Leben braucht, der Gewinn­ma­xi­mie­rung unter­wor­fen wird, der muss sich jetzt da, wo die Ent­schei­dun­gen fal­len, ein­mi­schen. Spa­ren, egal was es kos­tet, das muss der Ver­gan­gen­heit ange­hö­ren, gera­de weil wir in den letz­ten zwei Jahr­zehn­ten welt­weit viel über die Logik des Kaputt­spa­rens gelernt haben. Öffent­li­che Auf­ga­ben müs­sen öffent­lich finan­ziert wer­den.“

Im offe­nen Kanal Kai­sers­lau­tern sprach Geno­ve­va Bran­den­bur­ger in der Sen­dung “gesell­schafts­ba­ro­me­ter” mit Ger­lin­de Scher­mer über die Pro­ble­me, die sich aus der in Ber­lin geplan­ten Pri­va­ti­sie­rung von Schul­bau, -sanie­rung, -grund­stü­cken und -gebäu­den im Zusam­men­hang mit dem Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz erge­ben. Mehr dazu gibt es hier.

Carl Waß­muth

Carl Waß­muth, © Foto Klaus Ihlau

Carl Waß­muth ist Bera­ten­der Inge­nieur für das Bau­we­sen und Inha­ber eines Inge­nieur­bü­ros für Trag­werks­pla­nung mit Schwer­punkt „Tür­me und Mas­te aus Stahl“. Seit 2001 ist er bei attac aktiv und hat sich dort an zahl­rei­chen Kam­pa­gnen betei­ligt. Er ist Mit­be­grün­der von Gemein­gut in Bür­ge­rIn­nen­hand und dort im Vor­stand, als Spre­cher sowie als Sach­ver­stän­di­ger für Infra­struk­tur tätig. Seit 15 Jah­ren enga­giert sich Carl Waß­muth gegen Pri­va­ti­sie­rung und für den Erhalt und die Demo­kra­ti­sie­rung der Daseins­vor­sor­ge. Carl Waß­muth ist ver­hei­ra­tet, hat zwei schul­pflich­ti­ge Kin­der und enga­giert sich auch als Eltern­spre­cher.

Zitat: „Pri­va­ti­sie­rung ist ein Loch in unse­rer Gesell­schaft, durch das Demo­kra­tie und sozia­ler Zusam­men­halt abflie­ßen. Aktu­ell sind unse­re Schu­len bedroht: Unter dem Vor­wand, die Schul­den­brem­se wür­de das erfor­dern, wird ein gewal­ti­ger Umbau des Sys­tems Schu­le ver­sucht. Ins­be­son­de­re Ver­si­che­rungs­kon­zer­ne haben dabei ein gro­ßes Inter­es­se, dass Schu­len zu Geld­an­la­ge­pro­duk­ten wer­den und Ren­di­ten abwer­fen. Es ist ein Skan­dal, dass aus­ge­rech­net Rot-Rot-Grün in Ber­lin ver­sucht, dafür den Weg zu berei­ten.”

Carl Waß­muth ist Autor ver­schie­de­ner Schrif­ten zu Infra­struk­tu­ren, u.a.:

Jana Mat­tert / Lau­ra Valen­tu­ke­vici­u­te / Carl Waß­muth (2017): „Gemein­wohl als Zukunfts­auf­ga­be – Öffent­li­che Infra­struk­tu­ren zwi­schen Daseins­vor­sor­ge und Finanz­märk­ten“, Stu­die von GiB in Koope­ra­ti­on mit der Hein­rich-Böll-Stif­tung, 144 Sei­ten, 7 Tabel­len, 25 far­bi­ge Abbil­dun­gen, ISBN 978–3–86928–163–6, online

Dr. Bern­hard Knie­rim / Lud­wig Lind­ner / Karl-Heinz Lude­wig / Carl Waß­muth (2017): „Aus­wir­kun­gen der geplan­ten Auto­bahn­re­form auf die künf­ti­ge Höhe der Pkw-Maut in Deutsch­land“, Stu­die im Auf­trag von GiB, online

Kat­ja Thie­le / Carl Waß­muth (2016): „Aktu­el­le Ent­wick­lun­gen bei der Pri­va­ti­sie­rung der Daseins­vor­sor­ge in Deutsch­land mit beson­de­rem Fokus auf Bun­des­fern­stra­ßen“, Stu­die im Auf­trag von ver.di und der Rosa-Luxem­burg-Stif­tung, online

Han­ne­lo­re Wei­mar

Han­ne­lo­re Wei­mar ist Leh­re­rin und Diplom-Päd­ago­gin und war bis zu ihrer Pen­sio­nie­rung im Jahr 2016 zwölf Jah­re als Schul­lei­te­rin im Ber­li­ner Schul­dienst tätig. Lan­ge Jah­re war sie Vor­sit­zen­de des über­re­gio­na­len Ver­bun­des Selbst­wirk­sa­mer Schu­len e.V. Sie ist eines der Grün­dungs­mit­glie­der der Arbeits­ge­mein­schaft Bil­dung von GiB.

Zitat: „Als ehe­ma­li­ge Schul­lei­te­rin kann ich – wie alle, die sich mit der The­ma­tik beschäf­ti­gen – die Sanie­rung der Schu­len nur begrü­ßen, denn sie ist über­fäl­lig. Den­noch muss dabei auch das ‚Wie‘ berück­sich­tigt wer­den und dür­fen Trans­pa­renz und Par­ti­zi­pa­ti­on nicht ver­lo­ren gehen.“

Inter­view­an­fra­gen bit­te ver­ab­re­den über: info[at]gemeingut.org.

Kommentar hinterlassen:

Hinterlasse dein Kommentar. Du kannst die Kommentare auch via RSS abonnieren.

Sei freundlich. Bleib beim Thema. Kein Spam.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.