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Volks­in­itia­ti­ve setzt Frist für die Fort­set­zung der Anhö­rung

20 November 2018

An den Prä­si­den­ten des Abge­ord­ne­ten­hau­ses von Ber­lin
Herrn Ralf Wie­land
Nie­der­kirch­ner­stra­ße 5
10117 Ber­lin

Volks­in­itia­ti­ve „Unse­re Schu­len“
Antrag auf Fort­set­zung der Anhö­rung in den zustän­di­gen Aus­schüs­sen

Thorben Wengert / pixelio.de

Thor­ben Wen­gert / pixelio.de

Ber­lin, den 20. Novem­ber 2018

Sehr geehr­ter Herr Prä­si­dent,

sehr geehr­te Damen und Her­ren Abge­ord­ne­te,

als aner­kann­te Volks­in­itia­ti­ve waren am wir 7. Novem­ber 2018 zur Anhö­rung im Haupt­aus­schuss des Abge­ord­ne­ten­hau­ses (mit­be­ra­tend Sen­B­FJ) ein­ge­la­den. Kern unse­res Anlie­gen ist die Befas­sung mit dem Schul­bau im Zusam­men­hang mit der Über­tra­gung von bis­her öffent­li­chen Auf­ga­ben an eine pri­vat­recht­li­che GmbH, sie­he dazu auch unse­ren Antrag Druck­sa­che 18/1238 und dort die For­de­rung „Schu­len öffent­lich bau­en, erhal­ten, betrei­ben und finan­zie­ren statt Über­tra­gung von Schu­len in eine pri­vat­recht­li­che GmbH“.

Am Vor­abend der Anhö­rung um 18:07 h wur­den wir per Email an die Adres­se info@gemeingut.org von der Senats­ver­wal­tung für Finan­zen Ber­lin (nament­lich von Herrn Phil­ipp Stiel, Philipp.Stiel@senfin.berlin.de) über die Öffent­lich­ma­chung des Ent­wurf eines Rah­men­ver­trags zwi­schen dem Land Ber­lin, den Ber­li­ner Bezir­ken und der Howo­ge GmbH im Inter­net infor­miert.

Die­ser Ver­trags­ent­wurf ist für die Volks­in­itia­ti­ve „Unse­re Schu­len“ von maß­geb­li­cher Bedeu­tung, dort wer­den umfas­sen­de und lang­jäh­rig gel­ten­de Ver­ein­ba­rung für eine sol­che Auf­ga­ben­über­tra­gung an eine GmbH ver­ein­bart. Das durch die Lan­des­ver­fas­sung garan­tier­te Recht der Volks­in­itia­ti­ve auf Anhö­rung in den zustän­di­gen Aus­schüs­sen wur­de damit unzu­läs­si­ger Wei­se und gra­vie­rend beschnit­ten.

Wir haben des­we­gen am 7. Novem­ber 2018 in der Sit­zung des Haupt­aus­schus­ses münd­lich die Fort­set­zung der Anhö­rung in einer wei­te­ren Sit­zung bean­tragt. Dazu der Aus­zug aus dem vor­läu­fi­gen Wort­pro­to­koll:

Wir haben einen Juris­ten damit beauf­tragt zu unter­su­chen, inwie­weit die­ser Rah­men­ver­trag den gel­ten­den Geset­zen und der Lan­des­ver­fas­sung ent­spricht. Das konn­ten wir bis heu­te noch nicht leis­ten, son­dern das läuft. Wir bean­tra­gen des­we­gen förm­lich – und da bit­te ich jetzt mal alle auf­zu­ste­hen, damit wir ein biss­chen ver­deut­li­chen, dass das sehr förm­lich ist –, dass, wenn uns die Exper­ti­se zu die­sem Rah­men­ver­trag, die wir beauf­tragt haben, vor­liegt, eine wei­te­re Sit­zung abge­hal­ten wird, zu der wir erneut ein­ge­la­den wer­den, damit das in der Tie­fe und Genau­ig­keit bespro­chen wer­den kann, die die­ser Sache gebührt.“

Wir haben die­se For­de­rung mit Schrei­ben an den Prä­si­den­ten des Abge­ord­ne­ten­hau­ses vom16.11.2018 in Bezug auf die Sit­zung des Haupt­aus­schus­ses am 21.November 2018 bekräf­tigt:

Wir erwar­ten, dass wir als Volks­in­itia­ti­ve zu die­sem Tages­ord­nungs­punkt am 21.11.2018 ein­ge­la­den wer­den und Rede­recht bekom­men.”

Mitt­ler­wei­le lie­gen uns die zuvor vor­ent­hal­te­nen, für die Anhö­rung rele­van­ten Infor­ma­tio­nen vor und wir konn­ten sie frei von Zeit­not prü­fen.

Wir bean­tra­gen vor die­sem Hin­ter­grund die Fort­set­zung der Anhö­rung der Volks­in­itia­ti­ve ende und lang­jäh­rig gel­ten­de Ver­ein­ba­rung für eine sol­che Auf­ga­ben­über­tra­gung an eine GmbH ver­ein­barts­ent­li­cim Haupt­aus­schuss des Abge­ord­ne­ten­hau­ses (mit­be­ra­tend Sen­B­FJ) und bit­ten dazu um einen rechts­mit­tel­fä­hi­gen Bescheid.

Für die Gewäh­rung des uns nach Lan­des­ver­fas­sung zuste­hen­den Rechts auf Anhö­rung, in die­sem Fall auf Fort­set­zung der Anhö­rung, set­zen wir Ihnen eine Frist von vier Wochen ab heu­te sowie spä­tes­tens zwei Wochen vor Unter­zeich­nung des Ver­trags durch eine der Par­tei­en der öffent­li­chen Hand.

Inso­weit durch die Fort­set­zung der Anhö­rung der nach Lan­des­ver­fas­sung vor­ge­schrie­be­ne Vier-Monats­zeit­raum über­schrit­ten wird, inner­halb deren uns die Mög­lich­keit zur Anhö­rung zu gestat­ten und dem Par­la­ment die anschlie­ßen­de Dis­kus­si­on zu ermög­li­chen ist, erklä­ren wir uns mit einer Aus­wei­tung die­ses Zeit­rau­mes ein­ver­stan­den. Die Voll­stän­dig­keit der Anhö­rung (in die­sem Fall durch Fort­set­zen nach Vor­lie­gen rele­van­ter Infor­ma­tio­nen) wird von uns wesent­lich höher gewer­tet als das frist­ge­rech­te Statt­fin­den.

Wir gestat­ten uns, Ihnen die fol­gen­den Rechts­hin­wei­se mit­zu­sen­den:

In der Recht­spre­chung des Ham­bur­gi­schen Ver­fas­sungs­ge­richts (Urteil vom 27. April 2007 – 4/06 –) wird das Prin­zip der Organ­treue zwi­schen den Volks­ge­setz­ge­bungs­ak­ten und den par­la­men­ta­ri­schen Gesetz­ge­bungs­ak­ten betont. Danach haben sich die Staats­or­ga­ne im Ver­hält­nis zuein­an­der so zu ver­hal­ten, dass sie ihre ver­fas­sungs­recht­li­chen Zustän­dig­kei­ten ver­ant­wort­lich und gewis­sen­haft, frei von Zeit­not und Pres­sio­nen aus­üben kön­nen (vgl. HVerfG, Urteil vom 15.12.2004, HVerfG 6/04). In der Recht­spre­chung des Ham­bur­gi­schen Ver­fas­sungs­ge­richts kann die­ses ver­fas­sungs­recht­li­che Ver­hält­nis auch zwi­schen dem Par­la­ment und dem Volk bestehen, das sei­nen Wil­len im Zuge eines Volks­be­geh­rens in einem volks­be­schlos­se­nen Gesetz zum Aus­druck gebracht hat und inso­weit als ver­fass­tes Staats­or­gan tätig gewor­den ist (vgl. HVerfG, Urteil vom 27. April 2007 – 4/06). Die­ser Gedan­ke ist nach unse­rer Rechts­ein­schät­zung im vor­lie­gen­den Fall auch auf die durch Errei­chen des not­wen­di­gen Quo­rums gesam­mel­ter Unter­schrif­ten vom Volk als Anlie­gen in das Par­la­ment hin­ein­ge­tra­ge­ne Volks­in­itia­ti­ve zu über­tra­gen.

Mit freund­li­chen Grü­ßen

für die Volks­in­itia­ti­ve „Unse­re Schu­len“

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