Home » Aktion, Allgemein, Bildung, GiB-Infobrief, Infrastruktur

GiB-Info­brief Ber­lin: Mails an Abge­ord­ne­te schrei­ben

18 November 2018

Lie­be Freun­din­nen und Freun­de öffent­li­cher Daseins­vor­sor­ge,

jetzt soll es mit der Schul­pri­va­ti­sie­rung in Ber­lin auf ein­mal ganz schnell gehen – schon am 21. Novem­ber steht die wich­tigs­te Vor­ent­schei­dung an: Der Haupt­aus­schuss des Abge­ord­ne­ten­hau­ses soll unter Tages­ord­nungs­punkt 22 die ent­spre­chen­de Vor­la­ge des Ber­li­ner Senats dem Par­la­ment zur „zustim­men­den Kennt­nis­nah­me“ emp­feh­len. Das wäre ein fata­les Signal für die nur acht Tage spä­ter geplan­te Abstim­mung am 29. Novem­ber. In fast allen Fäl­len folgt das Abge­ord­ne­ten­haus dem Haupt­aus­schuss. Ist die Senats­vor­la­ge vom Par­la­ment erst ein­mal zustim­mend zur Kennt­nis genom­men, kann der Senat den Ver­trag noch im Dezem­ber unter­zeich­nen – und Ber­lin wäre für min­des­tens 37 Jah­re in die Schul­pri­va­ti­sie­rung ein­ge­stie­gen.
Daher ist es jetzt wich­tig, Druck auf die Mit­glie­der des Haupt­aus­schus­ses aus­zu­üben: Mög­lichst jede/r von Ihnen soll­te den Abge­ord­ne­ten noch ein­mal per E-Mail schrei­ben. For­dern Sie die Par­la­men­ta­ri­er auf, am 21. Novem­ber auf kei­nen Fall die Vor­la­ge „rote Num­mer 1479“ zu beschlie­ßen. Die­se Argu­men­te kön­nen Sie für Ihre per­sön­li­chen Mails nut­zen:

  • Das Gan­ze ist nicht reif für einen Beschluss. Erst vor weni­gen Tagen wur­de der Ent­wurf für einen Rah­men­ver­trag bekannt, der Ber­lin für 37 Jah­re weit­rei­chend bin­den soll.
  • Es gibt neue Gut­ach­ten: Die Gut­ach­ter des Finanz­se­na­tors sagen dar­in selbst, dass das Vor­ha­ben eine Pri­va­ti­sie­rung ist, die Risi­ken birgt.
  • Die Ein­be­zie­hung der Howo­ge Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft mbH ist zur Umge­hung der Schul­den­brem­se wir­kungs­los. Das zeigt das Bei­spiel Ham­burg. Dort wer­den die Schul­den aus einem ver­gleich­ba­ren „Mie­ter-Ver­mie­ter-Modell“ dem Lan­des­haus­halt zuge­rech­net. Inso­fern ist das für Ber­lin vor­ge­se­he­ne Kon­strukt auch aus die­ser Hin­sicht nutz­los!
  • Die Ein­be­zie­hung der Howo­ge soll­te die Sanie­rung und den Neu­bau von Schu­len in Ber­lin beschleu­ni­gen. Das ist nicht der Fall. Die ers­te an die Howo­ge über­tra­ge­ne Schu­le wür­de frü­hes­tens 2024 saniert, der ers­te Neu­bau frü­hes­tens 2023 eröff­net.
  • Die aktu­el­len Schü­ler­zah­len­pro­gno­sen zei­gen: Es wur­den bis­her viel zu hohe Pro­gno­sen zu Grun­de gelegt. Erwar­tet wer­den nur noch 53.000 zusätz­li­che Schü­le­rIn­nen. In sei­ner Finanz­pla­nung geht der Finanz­se­na­tor aber immer noch von 70.000 zusätz­li­chen Schü­le­rIn­nen aus, und damit von einem Bedarf von 25 Schu­len mehr – die wir aber gar nicht benö­ti­gen! Die Howo­ge soll 20 Schu­len neu bau­en, das ist jetzt gar nicht mehr erfor­der­lich.
  • Kos­ten: Die Lan­des­haus­halts­ord­nung ver­langt, dass die Grund­sät­ze der Wirt­schaft­lich­keit und Spar­sam­keit zu beach­ten sind. Der Finanz­se­na­tor hat in der Anhö­rung ein­ge­ste­hen müs­sen, dass Schul­bau und –sanie­rung unter Ein­be­zug der pri­vat­recht­li­chen Howo­ge nicht bil­li­ger wer­den – also ver­mut­lich teu­rer! Eine genaue Unter­su­chung zu den Kos­ten gibt es aber noch gar nicht.
  • Das Geld für die Schu­len ist da! Ber­lin hat enor­me Über­schüs­se, der Finanz­se­na­tor tilgt jedes Jahr eine Mil­li­ar­de Euro und mehr an Alt-schul­den – und ver­stößt damit mehr­fach gegen den Koali­ti­ons­ver­trag. Für die Schu­len soll für Aus­ga­ben von 150 Mil­lio­nen Euro pro Jahr ein hoch­ris­kan­ter Schat­ten­haus­halt auf­ge­baut wer­den. Das ist absurd! 150 Mil­lio­nen Euro sind gera­de mal ein hal­bes Pro­zent der jähr­li­chen Aus-gaben Ber­lins, und auch nur 2,6 Pro­zent der jähr­li­chen Aus­ga­ben für Bil­dung, Jugend und Wis­sen­schaft.

Die Risi­ken der Schul­pri­va­ti­sie­rung müs­sen dis­ku­tiert wer­den! Des­we­gen darf der Haupt­aus­schuss am kom­men­den Mitt­woch die Senats­vor­la­ge auf kei­nen Fall beschlie­ßen. Daher: Wer­den Sie aktiv, und schrei­ben Sie an mög­lichst vie­le Mit­glie­der des Haupt­aus­schus­ses Ihre per­sön­li­che Mail (E-Mail-Adres­sen sie­he unten).

Herz­lich grü­ßen

 

Carl Waß­muth und Kat­rin Kusche
für die Akti­ven von GiB

 

PS: Die Kam­pa­gnen­ar­beit von Gemein­gut in Bür­ge­rIn­nen­hand in den letz­ten elf Mona­ten hat viel Geld gekos­tet. Bit­te unter­stüt­zen Sie uns mit einer Spen­de, damit wir in der ent­schei­den­den Pha­se Stel­lung­nah­men, Gut­ach­ter und Info-Mate­ri­al finan­zie­ren kön­nen!

***********************************************************************************************

Wir schla­gen vor, fol­gen­de Haupt­aus­schuss­mit­glie­der anzu­schrei­ben:

Andre­as Statz­kow­ski (CDU)
Dan­ny Frey­mark (CDU)
Chris­ti­an Goi­ny (CDU)
Hei­ko Mel­zer (CDU)
Ste­phan Schmidt (CDU)
Cars­ten Schatz (Die Lin­ke)
Harald Wolf (Die Lin­ke)
Dr. Manue­la Schmidt (Die Lin­ke)
Hen­drik­je Klein (Die Lin­ke)
Stef­fen Zil­lich (Die Lin­ke)
Anja Schill­han­eck (Bü 90/Grüne)
Ste­fa­nie Rem­lin­ger (Bü90/Grüne)
Marc Urbatsch (Bü 90/Die Grü­nen)
Dani­el Wese­ner (Bü 90/Die Grü­nen)
Sebas­ti­an Wal­ter (Bü 90/ Grü­ne)
Fran­zis­ka Becker (SPD)
Sven Hei­ne­mann (SPD)
Tors­ten Hofer (SPD)
Tors­ten Schnei­der (SPD)
Dr. Cla­ra West (SPD)
Bruni Wil­den­hein-Lau­ter­bach (SPD)
Mar­cel Luthe (FDP)
Sibyl­le Meis­ter (FDP)
Flo­ri­an Swy­ter (FDP)

statzkowski@cdu-fraktion.berlin.de
freymark@cdu-fraktion.berlin.de
goiny@cdu-fraktion.berlin.de
melzer@cdu-fraktion.berlin.de
schmidt@cdu-fraktion.berlin.de
schatz@linksfraktion-berlin.de
h.wolf@linksfraktion.berlin
schmidt@linksfraktion.berlin
klein@linksfraktion.berlin
zillich@linksfraktion.berlin
anja.schillhaneck@gruene-fraktion-berlin.de
stefanie.remlinger@gruene-fraktion-berlin.de
marc.urbatsch@gruene-fraktion-berlin.de
daniel.wesener@gruene-fraktion-berlin.de
sebastian.walter@gruene-fraktion-berlin.de
franziska.becker@spd.parlament-berlin.de
sven.heinemann@spd.parlament-berlin.de
torsten.hofer@spd.parlament-berlin.de
torsten.schneider@spd.parlament-berlin.de
clara.west@spd.parlament-berlin.de
wildenheinlauterbach@spd.parlament-berlin.de
mail@freier-demokrat.de
sibylle.meister@fdp-fraktion.berlin
florian.swyter@fdp-fraktion.berlin

Wei­te­re Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen für Sie:

Gemein­gut in Bür­ge­rin­nen­hand (GiB) hat­te drin­gend vor den Fol­gen einer mit der BSO ver­bun­de­nen Pri­va­ti­sie­rung gewarnt. Die von GiB ins Leben geru­fe­ne Volks­in­itia­ti­ve “Unse­re Schu­len” hat­te mit über 28.000 gül­ti­gen Unter­schrif­ten eine öffent­li­che Anhö­rung erzwun­gen, die am 7. Novem­ber statt­fand. Hier kann die Anhö­rung in einem Video ange­se­hen wer­den. Das vor­läu­fi­ge Wort­pro­to­koll der Anhö­rung steht hier. Vor­be­rei­tend zur Anhö­rung hat­te GiB eine umfas­sen­de Stel­lung­nah­me erar­bei­tet, in der die in der Anhö­rung vor­ge­tra­ge­nen Argu­men­te auf 100 Sei­ten ver­tieft sowie mit Quel­len und Hin­ter­grün­den ver­se­hen wur­den.

Am Vor­abend vor der Anhö­rung stell­te Finanz­se­na­tor Mat­thi­as Kol­latz den Ent­wurf eines Rah­men­ver­trags mit der Howo­ge GmbH ins Inter­net und infor­mier­te um 18:07 Uhr GiB per E-Mail dar­über. GiB hat­te die Offen­le­gung des Ver­trags vor der Anhö­rung gefor­dert. Nun war die Zeit für eine juris­ti­sche Prü-fung aller­dings zu knapp. GiB bean­trag­te daher eine zwei­te Sit­zung, in der auch der Rah­men­ver­trag debat­tiert wer­den soll­te. Am ver­gan­ge­nen Frei­tag (16.11.) hat GiB die­se For­de­rung noch ein­mal an den Prä­si­den­ten des Abge­ord­ne­ten­hau­ses gestellt und um rechts­mit­tel­fä­hi­gen Bescheid gebe­ten.

Die Abge­ord­ne­ten der Regie­rungs­frak­tio­nen bemüh­ten sich in der Anhö­rung am 7. Novem­ber, den Ein­druck auf­recht­zu­er­hal­ten, es wür­de sich gar nicht um eine Pri­va­ti­sie­rung han­deln. Finanz­se­na­tor Mat­thi­as Kol­latz wehr­te noch bar­scher ab: Er sah vie­le Unter­stel­lun­gen, vor­ge­tra­ge­ne Argu­men­te sei­en „gegen­stands­los“. Was der Sena­tor ver­schwieg: Er selbst hat­te zwei Gut­ach­ten beauf­tragt, die den Pri­va­ti­sie­rungs­ge­halt das Vor­ha­bens unter­su­chen soll­ten. Die über­mit­tel­te Kol­latz aber erst drei Arbeits­ta­ge nach der öffent­li­chen Anhö­rung der Volks­in­itia­ti­ve ans Par­la­ment. Die Gut­ach­ten las­sen kei­nen Zwei­fel dar­an, dass es sich nicht nur um ein Pri­va­ti­sie­rungs­vor­ha­ben han­delt, son­dern dass die­ses Vor­ha­ben auch für das Gemein­wohl Risi­ken birgt. Ent­schei­dend für die Dis­kus­si­on ist beson­ders Fol­gen­des: Bei­de Gut­ach­ten bestä­ti­gen, dass es sich bei der BSO um eine for­mel­le Pri­va­ti­sie­rung mit Antei­len funk­tio­na­ler Pri­va­ti­sie­rung han­delt. Bestä­tigt wird auch, dass damit Risi­ken ver­bun­den sind. Damit sind wir end­lich in der Debat­te ankom­men, die wir seit andert­halb Jah­ren ein­for­dern: Wel­che Risi­ken birgt die­se Pri­va­ti­sie­rung?

Kommentar hinterlassen:

Hinterlasse dein Kommentar. Du kannst die Kommentare auch via RSS abonnieren.

Sei freundlich. Bleib beim Thema. Kein Spam.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.