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Next Libra­ry® Con­fe­rence Ber­lin 2018 — Biblio­the­ken auf dem Weg in die Bra­ve New World?

12 September 2018

Foto: geralt / Pixabay

Pres­se­mit­tei­lung Gemein­gut in Bür­ge­rIn­nen­hand Kul­tur

Unter dem Mot­to „Erwar­te das Uner­war­te­te“ wer­den vom 12. bis 15. Sep­tem­ber rund 400 Teil­neh­mer und Teil­neh­me­rin­nen aus 38 Län­dern auf der Next Libra­ry Con­fe­rence an der Zen­tral- und Lan­des­des­bi­blio­thek Ber­lin (ZLB) zusam­men­kom­men, um „neue Rol­len und Poten­zia­le von Öffent­li­chen Biblio­the­ken in der heu­ti­gen Gesell­schaft zu erkun­den“, wie aus einer Pres­se­infor­ma­ti­on der ZLB zu ent­neh­men ist. Die Kon­fe­renz wird von „Key­note-Speakern“ wie Nina Simon, Direk­to­rin des San­ta Cruz Muse­um of Art and Histo­ry, und Ste­fan Kaduk, geschäfts­füh­ren­der Part­ner der Mus­ter­bre­cher Manage­ment­be­ra­ter und For­schungs­part­ner der Uni­ver­si­tät der Bun­des­wehr Mün­chen, geprägt sein. Der drit­te Key­note-Speaker“ ist der wohl ein­fluss­reichs­te: David Lan­kes, Pro­fes­sor für Biblio­theks­wis­sen­schaf­ten in den USA. Er ver­tritt die Auf­fas­sung, die Auf­ga­be der zukünf­ti­gen Biblio­the­ka­re „soll­te nicht sein, alles zu sam­meln was unse­re Gesell­schaft braucht, son­dern eine klü­ge­re, bewuss­te­re und offe­ne­re Gesell­schaft in die Welt zu ent­sen­den”. Die Biblio­the­ka­re in der Biblio­thek der Zukunft sei­en „enga­gier­te Bera­ter, die der Gesell­schaft hel­fen, klü­ge­re Ent­schei­dun­gen zu tref­fen”.

Nach Ansicht von GiB wecken Kon­fe­renz-Pro­gramm und Äuße­run­gen der „Key­note-Speaker“ den Ver­dacht, die Ver­an­stal­tung könn­te einem Biblio­theks­kon­zept den Weg ebnen, das den Men­schen nicht Teil­ha­be am Wis­sen der Welt, unab­hän­gi­ge Mei­nungs­bil­dung und demo­kra­ti­sche Par­ti­zi­pa­ti­on ermög­licht, son­dern unter dem Deck­man­tel der Offen­heit letzt­lich deren Mani­pu­la­ti­on und Indok­tri­na­ti­on betreibt. Zumin­dest aber drängt sich der Ein­druck auf, dass es auf der Ver­an­stal­tung ledig­lich dar­um geht, wie Biblio­the­ken sich den gege­be­nen tech­no­lo­gi­schen und gesell­schaft­li­chen Ent­wick­lungs­ten­den­zen opti­mal anpas­sen kön­nen, jedoch nicht um eine kri­ti­sche Reflek­ti­on die­ser Ten­den­zen, um von da aus zu einer adäqua­ten Bestim­mung der Rol­le öffent­li­cher Biblio­thek in der Zukunft zu kom­men.

Ulri­ke von Wie­sen­au, GiB Kul­tur, kom­men­tiert die inhalt­li­che Aus­rich­tung der Ver­an­stal­tung wie folgt:

Das Pro­gramm der Next Libra­ry® Con­fe­rence Ber­lin 2018 stellt einen abstru­sen Gemischt­wa­ren­la­den des Erwart­ba­ren vor, essen­ti­el­le Fra­ge­stel­lun­gen aber, wie die Pri­va­ti­sie­rung von Auf­ga­ben im Kern­be­reich der Biblio­the­ken, das The­ma Medi­en­kom­pe­tenz und eine digi­ta­le Agen­da, die Ant­wor­ten auf die Her­aus­for­de­run­gen der Digi­ta­li­sie­rung im Sin­ne des Huma­nis­mus gibt, fin­den kei­ne Erwäh­nung.“

Karl Goeb­ler, GiB Kul­tur hebt her­vor:

Die Aus­wahl und Beschaf­fung von Büchern an der ZLB liegt seit Sep­tem­ber letz­ten Jah­res in den Hän­den eines pri­va­ten Wirt­schafts­kon­zerns. Zugleich wird das Ange­bot an digi­ta­len Publi­ka­tio­nen ohne­hin schon weit­ge­hend von pri­va­ten Kon­zer­nen bestimmt. Wie sich ange­sichts die­ser Vor­aus­set­zun­gen und der im Inter­net gege­be­nen Mög­lich­kei­ten zur Mani­pu­la­ti­on Infor­ma­ti­ons­frei­heit, Selbst­be­stim­mung und Bil­dung in den öffent­li­chen Biblio­the­ken erlan­gen oder wie­der­erlan­gen las­sen, ist eine Fra­ge von emi­nen­ter Bedeu­tung. Doch sol­che Fra­gen sol­len auf der Next Library®Conference offen­bar nicht behan­delt wer­den.“

Ingo Schul­ze, Schrift­stel­ler, ist der Auf­fas­sung:

Es ist voll­kom­men unver­ständ­lich, wie ein rot-rot-grü­ner Senat die Pri­va­ti­sie­rung des Biblio­theks­we­sens vor­an­trei­ben kann. Und genau­so unver­ständ­lich ist es, wie eine Biblio­theks­lei­tung ihre Biblio­the­ka­rin­nen und Biblio­the­ka­re degra­diert und an der Selbst­ab­schaf­fung ihrer eige­nen Insti­tu­ti­on arbei­tet, von der Benach­tei­li­gung klei­ne­rer Buch­hand­lun­gen ganz zu schwei­gen.”

Dr. Det­lev Bim­boes, Spre­cher des Sozi­al­po­li­ti­schen Arbeits­krei­ses (SAK) Die Lin­ke, kom­men­tiert:

Nach dem Stra­te­gie­pa­pier des Ber­li­ner Senats “Attrak­ti­ve Biblio­the­ken für die Metro­po­le Ber­lin” von 2016 sol­len die Biblio­the­ken zu „zen­tra­len Kno­ten­punk­ten einer ‚Smart City‘“ wer­den. Es ist für mich nicht ersicht­lich, dass das ‚Smart-City‘-Konzept auf der Next Libra­ry® Con­fe­rence bespro­chen wer­den soll, obwohl es inter­na­tio­nal eine gro­ße Rol­le spielt. Eine ‚Smart City‘ ist eine durch Sen­so­ren total über­wach­te und fern­ge­steu­er­te Stadt, in der die Men­schen nichts als daten­lie­fern­de Kon­su­men­ten sind. Rena Tan­gens, eine pro­mi­nen­te Kri­ti­ke­rin des Kon­zepts, bezeich­net eine ‚Smart City‘ als „die per­fek­te Ver­bin­dung des tota­li­tä­ren Über­wa­chungs­staa­tes aus Geor­ge Orwells ‚1984‘“ und den nor­mier­ten, nur schein­bar frei­en Kon­su­men­ten in Aldous Hux­leys ‚Bra­ve New World‘.“

Pres­se­kon­takt: Ulri­ke von Wie­sen­au: +49(0) 30- 781 4604 +49(0)1573–4077795

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