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Neu­es Rechts­gut­ach­ten zeigt: Auto­bahn­pri­va­ti­sie­rung löst kei­ne Pro­ble­me, aber schafft vie­le neue

16 Juni 2016

Gegen-BAB-Privat_20160610_002_AusschnittEin neu­es Rechts­gut­ach­ten zeigt: Die Auto­bahn­pri­va­ti­sie­rung löst kei­ne Pro­ble­me, aber schafft vie­le neue Pro­ble­me. Das  “Recht­li­che Kurz­gut­ach­ten zur geplan­ten Ände­rung des Art. 90 GG”, erstellt im Auf­trag des Minis­te­ri­ums für Ver­kehr Baden-Würt­tem­berg von Prof. Dr. Georg Her­mes Goe­the-Uni­ver­si­tät Frank­furt am Main und von Rechts­an­walt Dr. Hol­ger Weiß, LL.M. Wurs­ter Weiß Kup­fer Rechts­an­wäl­te Part­mbB Frei­burg / Stutt­gart, kon­sta­tiert:

Die Neu­ord­nung der Kom­pe­tenz­ver­tei­lung zwi­schen Bund und Län­dern (dazu C. II.) unter­liegt erheb­li­chen Beden­ken:

–> Sie führt zu par­al­le­len Struk­tu­ren (Per­so­nal, Know-how) zwi­schen Bun­des­ver­wal­tung und Lan­des­ver­wal­tun­gen, weil nur die Auto­bah­nen in Bun­des­ver­wal­tung über­nom­men wer­den, wäh­rend die sons­ti­gen Bun­des­stra­ßen in der Ver­ant­wor­tung der Lan­des­ver­wal­tung (bis­he­ri­ge Auf­trags­ver­wal­tung) blei­ben.

–> Auf die Defi­zi­te des bis­he­ri­gen Sys­tems der Auf­trags­ver­wal­tung, zu denen u.a. die Kos­ten­ver­tei­lung zwi­schen Bund und Län­dern (Pla­nungs­kos­ten) gehört, reagiert der Ent­wurf über­haupt nicht, obwohl die­se Auf­trags­ver­wal­tung in gro­ßem Umfang bei­be­hal­ten wird (alle sons­ti­gen Bun­des­stra­ßen).

–> Die voll­stän­di­ge Über­nah­me aller Auf­ga­ben hin­sicht­lich der Auto­bah­nen durch den Bund führt zu einer extrem zen­tra­li­sier­ten Bun­des­ver­wal­tung, die ins­be­son­de­re bei Pla­nungs­auf­ga­ben (Plan­fest­stel­lung) mit offen­sicht­li­chen ört­li­chen Bezü­gen (loka­le Pla­nun­gen, Umwelt­schutz etc.) kaum funk­tio­nie­ren kann, jeden­falls nicht zu ver­kürz­ten Pla­nungs­zei­ten füh­ren wird.

–> Sie igno­riert die erheb­li­chen Über­lei­tungs­pro­ble­me eben­so wie die sehr unter­schied­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit der Lan­des­stra­ßen­bau­ver­wal­tun­gen.

 

IV. In dem offen­sicht­li­chen Bemü­hen, eine Finan­zie­rung des Baus und der Erhal­tung von Auto­bah­nen durch die Auf­nah­me von Kre­di­ten zu ermög­li­chen, die im Rah­men der euro­päi­schen Schul­den­brem­se („Maas­tricht-Kri­te­ri­en“) nicht der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land zuge­rech­net wer­den, eröff­net der Ent­wurf eine sehr weit­rei­chen­de Pri­va­ti­sie­rungs­op­ti­on (dazu C. III.). Zu kri­ti­sie­ren ist in die­sem Zusam­men­hang,

–> dass nur ein mini­ma­ler Bestand von „hoheit­li­chen Auf­ga­ben“ mit Pri­va­ti­sie­rungs­gren­zen ver­se­hen wird, wäh­rend alle wesent­li­chen Ent­schei­dun­gen (Inves­ti­tio­nen, Erhal­tungs­zu­stand, Qua­li­tät des Ange­bo­tes) zum Gegen­stand unter­neh­me­ri­scher Ent­schei­dun­gen pri­va­ter Betrei­ber gemacht wer­den kön­nen,

–> dass die Ent­schei­dung über die Pri­va­ti­sie­rung weit­ge­hend ohne Betei­li­gung des Bun­des­ta­ges und völ­lig ohne Betei­li­gung des Bun­des­ra­tes von der Bun­des­re­gie­rung getrof­fen wer­den kann,

–> dass der Ent­wurf für den Bund nicht ein­mal eine expli­zi­te Gewähr­leis­tungs­ver­ant­wor­tung vor­sieht, die ihn ver­pflich­ten wür­de, für eine funk­ti­ons­fä­hi­ge und bedarfs­ge­rech­te Auto­bahn­in­fra­struk­tur zu sor­gen, und es ihm – ver­gleich­bar dem Eisen­bahn­we­sen oder der Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on – erlau­ben wür­de, durch geeig­ne­te Regu­lie­rungs­maß­nah­men die pri­va­ten Inter­es­sen des Betrei­bers im öffent­li­chen Infra­struk­tur­in­ter­es­se zu beschrän­ken.

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