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Gemein­gut Stadt­grün in Gefahr durch die Grün Ber­lin GmbH?

10 Oktober 2016
Von Ange­li­ka Paul
Im Mauerpark drängen sich die Menschen. Er ist übernutzt. Foto: Angelika Paul

Im Mau­er­park drän­gen sich die Men­schen. Er ist über­nutzt. Foto: Ange­li­ka Paul

In Ber­lin wird mit der lan­des­ei­ge­nen, pri­vat­recht­lich orga­ni­sier­ten Grün Ber­lin GmbH ein Kra­ke instal­liert, der  sei­ne Fang­ar­me um zahl­rei­che Ber­li­ner Grün­flä­chen aus­brei­tet. Häu­fig wer­den die­se bis­lang frei zugäng­li­chen und von den Bezir­ken ver­wal­te­ten Grün­an­la­gen ein­ge­zäunt, mit Par­köff­nungs­zei­ten ver­se­hen und kos­ten nun teil­wei­se Ein­tritt.

Zur Inter­na­tio­na­len Gar­ten­aus­stel­lung IGA Ber­lin 2017 wur­de eine eige­ne IGA Ber­lin 2017 GmbH gegrün­det, deren Geschäfts­füh­rer Chris­toph Schmidt auch die Grün Ber­lin GmbH lei­tet. Nach die­ser Gar­ten­schau sol­len alle Grün­flä­chen der Grün Ber­lin GmbH in eine bereits gegrün­de­te, pri­vat­recht­li­che Stif­tung, die Grün Ber­lin Stif­tung, mit dem­sel­ben Vor­stands­vor­sit­zen­den, über­führt wer­den. Mit die­sem vom ehe­ma­li­gen Ber­li­ner Finanz­se­na­tor Ulrich Nuß­baum abge­seg­ne­ten Deal wer­den den Ber­li­ner Bezir­ken die­se öffent­li­chen Flä­chen als städ­ti­sches Gemein­gut ent­zo­gen, vom Senat ent­kop­pelt und einer pri­vat­recht­li­chen Ver­wal­tung unter­stellt.

Grün Berlin Gruppe, Foto und Bearbeitung: Angelika Paul

Grün Ber­lin Grup­pe, Foto und Bear­bei­tung: Ange­li­ka Paul

Die Bewirt­schaf­tung von öffent­li­chen Frei­flä­chen und Grün­an­la­gen durch die Grün Ber­lin Grup­pe dient der Auf­wer­tung der Wohn­be­zir­ke und trägt zu Miet­stei­ge­run­gen und letz­ten Endes zur Ver­drän­gung der ange­stamm­ten ärme­ren Ber­li­ner Bevöl­ke­rung bei, was mit Gen­tri­fi­zie­rung bezeich­net wird.

Wie die Erfah­run­gen mit dem Lie­gen­schafts­fonds – ein ähn­li­ches pri­vat­recht­li­ches Kon­strukt ohne demo­kra­ti­sche Kon­troll­mög­lich­kei­ten und Aus­kunfts­pflicht – gezeigt haben, ist zu befürch­ten, dass weder Par­la­ment noch die Öffent­lich­keit wirk­sam Ein­fluss auf den Umgang mit den Grün­an­la­gen neh­men kön­nen. Des­halb ist es drin­gend not­wen­dig, dass die­se Flä­chen an die Bezirks­äm­ter zurück­ge­ge­ben wer­den und die­se sowohl per­so­nell als auch finan­zi­ell wie­der ent­spre­chend aus­ge­stat­tet wer­den. Dafür soll­ten wir Bür­ge­rin­nen und Bür­ger sowie die Freun­de des Ber­li­ner Grüns sich vehe­ment ein­set­zen.

Bau­en, bau­en, bau­en – wem nützt die­se Stra­te­gie?

Tempelhofer Feld – Entgegen des Volksentscheides 2015 zur Nichtbebauung des Feldes plant der Senat „Rand”bebauungen, Foto: Angelika Paul

Tem­pel­ho­fer Feld – Ent­ge­gen des Volks­ent­schei­des 2015 zur Nicht­be­bau­ung des Fel­des plant der Senat „Rand”bebauungen, Foto: Ange­li­ka Paul

In Zei­ten des Kli­ma­wan­dels mit Hit­ze­pe­ri­oden und Stark­re­ge­n­er­eig­nis­sen, die eine kli­ma­an­ge­pass­te Stadt­pla­nung erfor­dern, sowie einem stär­ke­ren Bedürf­nis nach Erho­lung und Abküh­lung auf städ­ti­schen Grün- und Frei­flä­chen ver­folgt der Ber­li­ner Senat offen­bar nur ein Ziel: Bau­en, bau­en, bau­en! Begrün­det wird das mit dem hohen Zuzug von Neu­an­kömm­lin­gen und Flücht­lin­gen in Ber­lin.

Ist das nur ein vor­der­grün­di­ger Ein­druck, dass die Stadt­pla­nung ledig­lich Inves­to­ren­in­ter­es­sen berück­sich­tigt, oder erhal­ten auch Öko­lo­gie und Sozia­les, also das vor­der­grün­dig nicht pro­fi­ta­ble Natur- und Sozi­al­ka­pi­tal, von den Stadt­obe­ren ein mess­ba­res Gewicht?

Der Flä­chen­nut­zungs­plan (FNP) als Grund­la­ge für die Bau­leit­pla­nung lässt sich den Inves­to­ren­in­ter­es­sen anpas­sen. Das gera­de aktua­li­sier­te Land­schafts­schutz­pro­gramm (LaPro) eben­falls. Zusätz­lich sind im Ent­wurf des Lan­des­ent­wick­lungs­plan Ber­lin-Bran­den­burg der Ver­lust fast alle Grün­flä­chen ein­schließ­lich der Klein­gär­ten inner­halb Ber­lins in den nächs­ten 15 Jah­ren vor­ge­se­hen (Para­graph 5 Absatz 2: Sied­lungs­ent­wick­lung).

Das Gebot der Stun­de ange­sichts des Kli­ma­wan­dels ist unter ande­rem, Grün- und Frei­flä­chen zu erhal­ten und gezielt zu erwei­tern, um die Kalt­luft­zu­fuhr und -ent­ste­hung zu sichern und wei­ter zu stei­gern[1]. Wich­ti­ge For­de­run­gen, wie sie u.a. im Stadt­ent­wick­lungs­plan Kli­ma, den Stra­te­gi­en zur Stadt­land­schaft und zur Bio­lo­gi­schen Viel­falt fest­ge­schrie­ben sind, spie­geln sich in der Stadt­pla­nung nicht aus­rei­chend wie­der. Auf dem Papier zeigt der Ber­li­ner Senat Ver­ant­wor­tung, beim Han­deln bedient er trotz gegen­tei­li­ger Bekun­dun­gen nicht das All­ge­mein­wohl, son­dern Par­ti­ku­lar­in­ter­es­sen von Inves­to­ren und Spe­ku­lan­ten. Auch der 100 Jah­re alte Dau­er­wald­ver­trag, der zum dau­er­haf­ten Schutz vor Bebau­ung unter ande­rem des Gru­ne­walds die Bevöl­ke­rung Ber­lins mit Staats­or­ga­nen abge­schlos­sen hat,  soll unter­lau­fen wer­den, indem Bebau­ungs­ab­sich­ten in den Wäl­dern ver­folgt wer­den.

Die Bau­lob­by hat eine star­ke Inter­es­sen­ver­tre­tung: Die IHK will nicht nur das Bür­ger­vo­tum zum Tem­pel­ho­fer Feld kor­ri­gie­ren. Sie plä­diert zudem dafür, die Wider­spruchs­mög­lich­kei­ten gegen Bau­pro­jek­te ein­zu­schrän­ken. So sol­len laut IHK das Bezirks­ver­wal­tungs­ge­setz und die Ber­li­ner Ver­fas­sung dahin­ge­hend geän­dert wer­den, “dass Bau­leit­plä­ne bereits ab dem Auf­stel­lungs­be­schluss nicht mehr Gegen­stand von Volks- oder Bür­ger­be­geh­ren sein kön­nen”. Das wür­de bedeu­ten, dass Bür­ger- und Volks­be­geh­ren zu einem Zeit­punkt aus­ge­schlos­sen wer­den, zu dem die Bür­ger noch gar nicht über das Pro­jekt infor­miert sind. Denn die Bür­ger­be­tei­li­gung erfolgt erst nach dem Beschluss eines Bezirks­am­tes zur Auf­stel­lung eines Bebau­ungs­plans.

Über­tra­gung öffent­li­cher Frei­räu­me wie Park­an­la­gen  an die Grün Ber­lin GmbH

Durch eine bis­her kaum beach­te­te poli­ti­sche Wei­chen­stel­lung wur­den den Bezir­ken, d.h. der kom­mu­nal­po­li­ti­schen Zustän­dig­keit, über 700 Hekt­ar Ber­li­ner Park­flä­chen (und mehr als 100 Gebäu­de) inzwi­schen ent­zo­gen und an die pri­vat­recht­lich orga­ni­sier­te Grün Ber­lin GmbH über­tra­gen. Dabei han­delt es sich unter ande­rem um fol­gen­de Parks:

  • Mau­er­park (Teil­flä­chen)
  • Tem­pel­ho­fer Feld
  • Brit­zer Gar­ten
  • Bota­ni­scher Volks­park Blan­ken­fel­de
  • Leip­zi­ger Platz
  • Lust­gar­ten
  • Natur­park Schö­ne­ber­ger Süd­ge­län­de
  • Park auf dem Gleis­drei­eck
  • Volks­park Pan­kow
  • Grün­zug Süd­pan­ke
  • Döbe­rit­zer Grün­zug
  • Nord-Süd-Grün­zug
  • Spree­park
  • Schloss und Park Bies­dorf
  • Sowje­ti­sche Ehren­ma­le
  • Ber­li­ner Mau­er­weg
  • Gär­ten der Welt
  • Kien­ber­g/Wuh­le­tal-Gebiet (ursprüng­lich eine Groß­de­po­nie und Rie­sel­feld­flä­chen, zu DDR-Zei­ten Natur­schutz­ge­biet) angren­zend an die Gär­ten der Welt, die zusam­men für die Inter­na­tio­na­le Gar­ten­bau­aus­stel­lung IGA Ber­lin 2017 ein­her­ge­hend mit der Fäl­lung vie­ler tau­send Bäu­me und wei­te­ren Ein­grif­fen in das öko­lo­gi­sche Sys­tem umge­stal­tet wer­den
Kienberg mit Wuhletal, Foto: Angelika Paul

Kien­berg mit Wuh­le­tal, gese­hen vom Jele­na-San­tic-Frie­dens­park am U-Bahn­hof Neue Grott­kau­er Stra­ße vor der Ein­zäu­nung für die IGA Ber­lin 2017. Der U-Bahn­hof wird in „Kien­berg – Gär­ten der Welt” umbe­nannt, Foto: Ange­li­ka Paul

Die IGA Ber­lin 2017 (Inter­na­tio­na­le Gar­ten­aus­stel­lung Ber­lin 2017) und Pre­mi­um­parks

Die Inter­na­tio­na­le Gar­tenbBAU­aus­stel­lung IGA Ber­lin 2017 (mit Seil­bahn), die als Gar­ten­aus­stel­lung bewor­ben wird, wird on der Toch­ter­ge­sell­schaft der Grün Ber­lin GmbH, der IGA Ber­lin 2017 GmbH, im poten­ti­el­len Natur­schutz­ge­biet um Kienberg/Wuhletal aus­ge­rich­tet.

Der Rück­bau des Zauns wur­de und wird der Bevöl­ke­rung münd­lich und schrift­lich von vie­len Poli­ti­kern ver­spro­chen – jedoch gibt es dafür kei­ne recht­li­che Grund­la­ge. Anwoh­ner befürch­ten, dass sie durch das Event ihren Sozi­al- und Erho­lungs­raum ver­lie­ren. Aus öko­lo­gi­scher Sicht ist der Zaun ein Desas­ter, denn er zer­schnei­det Ver­net­zungs­kor­ri­do­re, die zum Erhalt der Bio­lo­gi­schen Viel­falt und damit der Lebens­grund­la­gen des Men­schen wich­tig sind. Der den Anwoh­nern in einer Nacht- und Nebel­ak­ti­on durch den dama­li­gen Sena­tor für Stadt­ent­wick­lung und Umwelt und heu­ti­gen Ber­li­ner Regie­ren­den Bür­ger­meis­ter, Micha­el Mül­ler, ent­zo­ge­ne Sozi­al- und Erho­lungs­raum wird bereits als Kien­ber­park von der Grün Ber­lin GmbH auf ihrer Sei­te vor­ge­stellt.

Die IGA Ber­lin 2017 wur­de auch zum Anlass genom­men, dass die Bezir­ke ihre Vor­zei­ge-Parks an den Senat mel­den. Die­se „Pre­mi­um­parks”, die als zen­tra­le Stand­or­te der Gar­ten­schau ver­mark­tet wer­den,  sol­len – so ist zu befürch­ten – eben­falls der Grün Ber­lin GmbH über­tra­gen wer­den. Hier­bei han­delt es sich u.a. um fol­gen­de Anla­gen:

  • Liet­zen­see­park in Char­lot­ten­burg-Wil­mers­dorf
  • Rosen­gar­ten in Fried­richs­hain-Kreuz­berg,
  • Ober- und Oran­k­e­see in Lich­ten­berg
  • Land­schafts­park Herz­ber­ge in Lich­ten­berg
  • Hoch­zeit­s­park und Gar­ten der Begeg­nung in Mar­zahn-Hel­lers­dorf
  • Gro­ßer Tier­gar­ten in Mit­te
  • Gro­ßer Stern in Mit­te
  • Guts­park Britz in Neu­kölln
  • Was­ser­turm Prenz­lau­er Berg in Pan­kow
  • Gar­ten­stadt Froh­nau in Rei­ni­cken­dorf
  • Lin­den­ufer (Zusam­men­fluss von Havel und Spree in Span­dau)
  • Stadt­park Ste­glitz in Ste­glitz-Zehlen­dorf
  • Bose­park, Leh­ne­park, Alter Park und Francke­park in Tem­pel­hof-Schö­ne­ber
  • Trep­tower Park in Trep­tow-Köpe­nick

Grün Ber­lin Stif­tung – ent­kop­pelt vom Senat

Der lan­des­ei­ge­nen Grün Ber­lin GmbH wur­de 2013 eine Grün Ber­lin Stif­tung ange­fügt, der sämt­li­che Park­an­la­gen der Grün Ber­lin GmbH über­tra­gen wer­den sol­len. Der Deal wur­de noch unter Finanz­se­na­tor Ulrich Nuß­baum abge­schlos­sen. Die Über­ga­be soll nach der IGA Ber­lin 2017, die im Okto­ber 2017 ihre Tore schließt, voll­zo­gen wer­den. Die Stif­tung ist nicht nur pri­vat­recht­lich orga­ni­siert, son­dern vom Land Ber­lin ent­kop­pelt[2], was bedeu­tet, dass unse­re öffent­li­chen Grün­an­la­gen mit der Über­füh­rung in die Stif­tung sich in pri­vat­recht­li­cher Ver­wal­tung befin­den, auf die Par­la­ment und Bür­ger womög­lich kei­nen Zugriff mehr haben. Auch Aus­künf­te bräuch­ten dann, wie die Erfah­run­gen mit frü­he­ren Pri­va­ti­sie­run­gen zeigt, nicht mehr erteilt zu wer­den.

Der Deal als Steu­er­spar­mo­dell und Mög­lich­keit zur Umge­hung der Schul­den­brem­se dekla­riert. Es wird gesagt, dass die Grün Ber­lin GmbH über bes­se­re Mit­tel der Park­pfle­ge als die Bezir­ke ver­fügt. Es steht zu befürch­ten, dass es den Flä­chen genau­so ergeht wie den Flä­chen bei der pri­va­ti­sier­ten Bahn und Post. Dies sind Staats­be­trie­be, die dem Bund unter­ste­hen und die hem­mungs­los die Grün­flä­chen an Inves­to­ren ver­mark­ten.

Auch die Fahr­rad­in­fra­struk­tur soll die Grün Ber­lin GmbH über­neh­men. Auch hier­bei han­delt es sich um eine Art Pri­va­ti­sie­rung, deren Ent­wick­lung sich noch nicht abse­hen lässt.

 Flächenentwicklung in Berlin 1991 – 2010 – 2030, Seite 49, Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin

Flä­chen­ent­wick­lung in Ber­lin 1991 – 2010 – 2030, Sei­te 49, Quel­le: Senats­ver­wal­tung für Stadt­ent­wick­lung und Umwelt Ber­lin

Bau­en, Grün­flä­chen ver­sie­geln, Stadt ver­dich­ten – das hat Fol­gen für die Stadt­be­woh­ner!

Bäu­me und jeg­li­ches Grün die­nen als Kli­ma­an­la­ge, die der Mensch in sei­ner Effek­ti­vi­tät nicht nach­bau­en kann. Sie küh­len neben den Frisch­luft­schnei­sen nicht nur die Stadt, son­dern fil­tern auch Stäu­be und Che­mi­ka­li­en aus der Luft, hal­ten die­se also sau­ber, sind Luft­be­feuch­ter und Wind­brem­sen, Sauer­stoff­pro­du­zen­ten, Schat­ten­spen­der, Lärm­schlu­cker u.a.m., was als Öko­sys­tem­dienst­leis­tun­gen bezeich­net wird. Der Anblick des Grüns för­dert die Gesund­heit. Park- und Klein­gar­ten­an­la­gen die­nen dem sozia­len Mit­ein­an­der.

Im Zuge der IGA Ber­lin 2017 ist die Grün Ber­lin GmbH eine Koope­ra­ti­on mit neun  Woh­nungs­bau­ge­sell­schaf­ten ein­ge­gan­gen. Was erwar­ten sich die­se von der Part­ner­schaft? Wer­den womög­lich auf dem IGA Ber­lin 2017-Gelän­de nach der Gar­ten­schau Stadt­vil­len errich­tet? Das steht im Gegen­satz zu Beteue­run­gen von offi­zi­el­ler Sei­te, dass die Bevöl­ke­rung ihr Erho­lungs­ge­biet nach der Gar­ten­schau zurück­er­hält, passt aber zu der Sta­tis­tik, dass cir­ca 80 Pro­zent der der­zeit gebau­ten Woh­nun­gen im hoch­prei­si­gen Seg­ment ange­sie­delt sind. Gleich­zei­tig gibt es bei den Neu­bau­ten cir­ca 80 Pro­zent Leer­stand. Sie die­nen ledig­lich der steu­er­lich sub­ven­tio­nier­ten Geld­an­la­ge. Bezahl­ba­rer Wohn­raum wird nur ver­schwin­dend wenig geschaf­fen, wenn man die pro­gnos­ti­zier­ten Zah­len von jähr­lich 220- bis 400.000 zusätz­li­che Woh­nun­gen bis zum Jahr 2020 zugrun­de legt.

Der Senat beteu­ert, dass das vie­le Bau­en im Ver­ein mit Adam Smith, der die Theo­rie von Ange­bot und Nach­fra­ge ent­wi­ckel­te, zu sin­ken­den Mie­ten führt. Im Fal­le des Ber­li­ner Bau­booms wird die­se Theo­rie wider­legt. Es wird sogar bezahl­ba­rer Wohn­raum ver­nich­tet und durch hoch­prei­si­gen ersetzt. Nach all­ge­mein aner­kann­ter Defi­ni­ti­on ist „bezahl­bar”, was sich eine vier­köp­fi­ge Fami­lie mit einem Ein­kom­men von bis zu 4.300 Euro leis­ten kann. Für Ber­lin bedeu­tet das, dass der Woh­nungs­markt ledig­lich 2,5 Pro­zent an bezahl­ba­ren Neu­bau­woh­nun­gen zur Ver­fü­gung stellt.

Der Spe­ku­la­ti­ons­woh­nungs­bau, der in Zei­ten der Finanz­kri­se als aus­ge­zeich­ne­te Geld­an­la­ge gilt, heizt die Stadt noch zusätz­lich auf. Trotz­dem bräuch­te der Senat nicht dar­auf zu ver­zich­ten, wenn er bereits ver­sie­gel­te Flä­chen dafür zur Ver­fü­gung stel­len wür­de. Ein breit gefä­cher­tes Ange­bot an Flä­chen­po­ten­zia­len für bau­li­che Nut­zun­gen der Innen­ent­wick­lung für Ber­lin bis 2030 von 2.470 Hekt­ar hat der Senat ab 2011 bereit­ge­stellt. Ledig­lich 16 Pro­zent davon machen Grün- und land­wirt­schaft­li­che Frei­flä­chen ein­schließ­lich Gärt­ne­rei­en und Klein­gär­ten aus. Unver­ant­wort­li­cher­wei­se wer­den die­se zuerst ver­kauft, wodurch frucht­ba­rer Boden, der unse­rer Ernäh­rung die­nen kann, und der Regen­was­ser ver­si­chern lässt und es rei­nigt, so dass der Grund­was­ser­kör­per unter­halb Ber­lins wie­der auf­ge­füllt wird, aus dem die Metro­po­le ihr Trink­was­ser gewinnt.

Paris, New York City und Lon­don sind bereits der­art stark ver­dich­tet, dass im Som­mer die Stadt wegen der Extrem­hit­ze und man­geln­der nächt­li­cher Abküh­lung kaum noch bewohn­bar ist. Hier wer­den Häu­ser zuguns­ten von Park­an­la­gen zurück­ge­baut. Auch Ber­lin ist bereits aus gesund­heit­li­cher Sicht an der Gren­ze des Tole­rier­ba­ren. Für den Som­mer 2015 weist die offi­zi­el­le Sta­tis­tik 500 bis 600 hit­ze­be­ding­te Todes­fäl­le aus. Das betrifft u.a. Alte und Kran­ke.

Ist ein Aus­ver­kauf von Ber­li­ner Frei- und Grün­flä­chen zwin­gend nötig? Nein!

Der Senat betreibt eine Über­tra­gung von Grün­flä­chen, die unter ande­rem unse­rer Gesund­heit die­nen,   in Grö­ßen­ord­nun­gen, den Cha­rak­ter der bis­her für den Wei­ter­be­trieb von Son­der­an­la­gen wie den ehe­ma­li­gen Ber­li­ner Gar­ten­schau­en, grund­le­gend ver­än­dern wer­den. Wie soll eine pri­vat­recht­lich und nicht der par­la­men­ta­ri­schen Kon­trol­le unter­wor­fe­ne Fir­ma Auf­ga­ben der Öffent­li­chen Daseins­vor­sor­ge wie die Vor­hal­tung und Pfle­ge öffent­li­cher Grün­an­la­gen, die unter ande­rem unse­rer Gesund­heit, der Frei­zeit­ver­sor­gung, der Fuß­gän­ger-Infra­struk­tur, der Stadt­öko­lo­gie und dem Stadt­kli­ma die­nen, zufrie­den­stel­lend lösen, wenn sie die­se betriebs­wirt­schaft­lich ver­wal­tet als sei­en die­se ihr Eigen­tum? Wie vor 100 Jah­ren, als die Ber­li­ner Bür­ger den Dau­er­wald­ver­trag erkämpft haben, um den Schutz und den frei­en, unge­hin­der­ten Zugang zu den Ber­li­ner Wäl­dern sicher­zu­stel­len, müs­sen wir heu­te unse­re Grün­flä­chen, die – noch – uns allen gehö­ren, gegen die Pri­va­ti­sie­rungs­po­li­tik ver­ant­wor­tungs­lo­ser Poli­ti­ker ver­tei­di­gen!

Des­halb:

  • Auf­lö­sung der Grün Ber­lin Stif­tung
  • Rück­füh­rung der Grün Ber­lin GmbH in den Ber­li­ner Senat
  • Ver­bleib der Park­flä­chen bei den Bezir­ken
  • Aus­stat­tung der Bezir­ke mit den not­wen­di­gen Per­so­nal- und Finanz­mit­teln für die Vor­hal­tung und Pfle­ge der öffent­li­chen Grün­flä­chen sowie deren Aus­bau und Neu­an­la­ge
Grünvernichtung. Foto: Angelika Paul

Grün­ver­nich­tung. Foto: Ange­li­ka Paul

Wei­te­re Infos

  • Sen­sa­tio­nel­les und ein­deu­ti­ges Ergeb­nis im BZ-TED der Woche (Juni 2015): Muss Ber­lin sein City-Grün bes­ser schüt­zen? 93,6 Pro­zent der Anru­fer sagen: Ja, sonst gibt es bald gar kein Grün mehr! Nur 6,4 Pro­zent der Anru­fer mein­ten: Nein, Ber­lin braucht eben den Woh­nungs­bau!
  • Schrift­li­che Anfra­ge MdA Dr. Tur­gut Altug vom 19. März 2013 Stif­tung „Grün Ber­lin“?  und Ant­wort Staats­se­kre­tär Chris­ti­an Gaeb­ler vom 27. Mai 2016 Druck­sa­che 17/11785
  • Schrift­li­che Anfra­ge MdA Uwe Döring vom 18. Mai 2016 Wie ver­wal­tet der SPD/CDU-Senat das Ber­li­ner Stadt­grün? und Ant­wort Staats­se­kre­tär Chris­ti­an Gaeb­ler vom 27. Mai 2016 Druck­sa­che 17/18579
  • Kam­pa­gne IMMER.GRÜN der Ber­li­ner Natur­schutz­ver­bän­de
  • Zum Pro­blem der in Pri­vat­be­sitz befind­li­chen Flä­chen: www.gruenzuege-fuer-berlin.de
  • Lis­te der von der Grün Ber­lin GmbH ver­wal­te­ten öffent­li­chen Frei­räu­me / Objek­te — ohne Anspruch auf Voll­stän­dig­keit
    • Ber­li­ner Mau­er­weg
    • Bota­ni­scher Volks­park Blan­ken­fel­de-Pan­kow
    • Bran­den­bur­ger Tor, Tou­ris­ti­sches Infor­ma­ti­ons­zen­trum
    • Brit­zer Gar­ten
    • Come­ni­us-Gar­ten in Neu­kölln
    • Fla­schen­hals­park
    • Frei­raum­ge­stal­tung Kul­tur­fo­rum
    • Gär­ten der Welt, Erwei­te­rung um 22 Hekt­ar Flä­che
    • Gedenk­stät­te Ber­li­ner Mau­er
    • Gedenk- und Infor­ma­ti­ons­ort T4
    • Grün­zug ent­lang der Dresd­ner Bahn
    • Grün­zug an der Pan­ke
    • Grün­zug Bul­len­gra­ben
    • Hans-Balu­schek-Park
    • Havel-Rad­weg
    • Inter­na­tio­na­le Gar­ten­aus­stel­lung Ber­lin 2017 (IGA Ber­lin 2017)
    • Inva­li­den­park
    • Kien­berg­park, Ent­wick­lungs­maß­nah­men
    • Kul­tur­fo­rum, Frei­raum­ge­stal­tung
    • Leip­zi­ger Platz
    • Land­schafts­park Gatow
    • Lin­den­ufer in der Span­dau­er Alt­stadt
    • Lust­gar­ten
    • Mau­er­park
    • Mon­bi­jou-Park
    • Monu­men­ten­park
    • Monu­men­ten­platz
    • Natur­park Schö­ne­ber­ger Süd­ge­län­de
    • Nord-Süd-Grün­zug
    • Park am Gleis­drei­eck
    • Park auf dem Bun­des­prä­si­den­ten-Drei­eck
    • Park auf dem Moa­bi­ter Wer­der
    • Park auf dem Nord­bahn­hof
    • Pro­me­na­de am Ber­lin-Span­dau­er Schiff­fahrts­ka­nal
    • Sowje­ti­sches Ehren­mal in Schön­holz
    • Sowje­ti­sches Ehren­mal im Tier­gar­ten
    • Sowje­ti­sches Ehren­mal in Trep­tow
    • Spree­park
    • Spree­ufer­weg
    • Tem­pel­ho­fer Fel­des
    • Tou­ris­ti­sches Infor­ma­ti­ons­sys­tem
    • ULAP-Gelän­de
    • Yorck­brü­cken, Sanie­rung
    • ZKR Schloss Bies­dorf

 

Fuß­no­ten:

[1] Umwelt­bun­des­amt. Kom­Pass, Kom­pe­tenz­zen­trum Kli­ma­fol­gen und Anpas­sung. The­men­blatt: Anpas­sung an den Kli­ma­wan­del. Natur in der Stadt. Städ­ti­sche Grün­flä­chen und -räu­me, Sei­te 5.

[2] Senats­ver­wal­tung für Stadt­ent­wick­lung und Umwelt: Flä­chen­ent­wick­lung in Ber­lin 1991 – 2010 – 2030, Sei­te 49, Kapi­tel 1210 -Stadt- und Frei­raum­pla­nung, Titel 68203 -Zuschuss zur Deckung des Betriebs­ver­lus­tes der Grün Ber­lin GmbH- und Titel 89145 -Zuschuss an die Grün Ber­lin GmbH-Grün­dung der Grün Ber­lin Stif­tung 0234:

Eine Prü­fung mög­li­cher Vari­an­ten einer Ent­kop­pe­lung hat erge­ben, dass das gewünsch­te Ziel nur durch einen Rechts­trä­ger zu errei­chen ist, an dem das Land Ber­lin nicht betei­ligt ist.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen:

https://gruen-berlin.de/de/wir-ueber-uns/ueber-uns/gruen-berlin-stiftung

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