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Gemein­gut Klein­gär­ten — Klein­gär­ten erhal­ten!

23 Mai 2014

von Ange­li­ka Paul

Die­ser Bei­trag soll die Bedeu­tung des Gemein­gu­tes Klein­gär­ten her­aus­stel­len. Lesen sie dar­in, war­um Klein­gär­ten unbe­dingt erhal­ten wer­den müs­sen:

  • Klein­gar­ten­an­la­gen sind gesund­heits­för­dernd
  • Klein­gar­ten­an­la­gen sind Tritt­stei­ne zum Erhalt der Bio­lo­gi­schen Viel­falt
  • Klein­gar­ten­an­la­gen för­dern sozia­len Zusam­men­halt
  • Klein­gar­ten­an­la­gen gehö­ren zur Daseins­vor­sor­ge

 

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Ret­tet Klein-Vene­dig in Span­dau. Foto: Ange­li­ka Paul

 

Klein­gar­ten­an­la­gen sind gesund­heits­för­dernd

Als Teil des Grün­flä­chen­sys­tems erfül­len Klein­gär­ten im Städ­te­bau wich­ti­ge Aus­gleichs- und Erho­lungs­funk­tio­nen. Daher ist die För­de­rung des Klein­gar­ten­we­sens eine wich­ti­ge städ­te­bau­li­che, gesund­heits- und sozi­al­po­li­ti­sche Auf­ga­be des Lan­des Ber­lin1.

Klein­gär­ten bil­den eine his­to­risch gewach­se­ne, kul­tu­rel­le, öko­lo­gi­sche und sozia­le Res­sour­ce. Vie­le Fak­to­ren wie Nah­erho­lung, Kli­ma­ver­bes­se­rung, Wind­schutz, Lärm­min­de­rung, Luft­rei­ni­gung und das Obst der Bäu­me, die in Klein­gar­ten­ge­län­den zusam­men­kom­men, bewir­ken eine Stär­kung des Immun­sys­tems und dadurch eine Ver­min­de­rung der Krank­heits­an­fäl­lig­keit. Als Luft­be­feuch­ter bewahrt das Stadt­grün zudem die Schleim­häu­te vor Aus­trock­nung und beugt so Atem­wegs­er­kran­kun­gen vor.

In Ber­lin las­sen die unver­sie­gel­ten, inner­städ­ti­schen Grün­flä­chen wie Fried­hö­fe, Park­an­la­gen und Gär­ten Nie­der­schlags­was­ser ver­si­ckern und sichern die Grund­was­ser­vor­rä­te und damit die Trink­was­ser­ver­sor­gung. Sie ver­hin­dern den Was­ser­ab­fluss bei Stark­re­ge­n­er­eig­nis­sen, die viel Abwas­ser wegen des über­lau­fen­den Misch­ka­nal­sys­tems, in dem Regen­was­ser und Abwäs­ser zusam­men­flie­ßen, unge­klärt in die Flüs­se lei­ten. Dort kommt es wegen des nun zu stark ver­un­rei­nig­tem Was­sers unter Umstän­den zur E.-coli-Verseuchung, wodurch es zum Baden und für die mensch­li­che Ver­sor­gung nicht mehr geeig­net ist, und zu Sauer­stoff­man­gel, was zum Fisch­ster­ben führt. Ganz „neben­bei” sorgt jedes Grün für die Sauer­stoff­pro­duk­ti­on, ohne den Mensch und Tier nicht leben kön­nen.

Nah­erho­lung
In einer Zeit zuneh­men­der Hek­tik, Ner­ven­be­las­tung und Über­rei­zung der Sin­ne bekom­men Gesund­heit und Lebens­qua­li­tät eine immer grö­ße­re Bedeu­tung. Sich drau­ßen im Frei­en zu bewe­gen, Son­ne zu tan­ken, Gerü­che von Blü­ten und Erde auf­zu­neh­men, die Vögel sin­gen zu hören – das ist ein Aus­gleich zu dem stres­si­gen Arbeits­le­ben. Bewe­gung im Grü­nen macht glück­lich. Es gibt so vie­les zu ent­de­cken – nicht nur für Kin­der.

Für das Wohl­be­fin­den des Men­schen sind Gär­ten mit ihren Bäu­men, Sträu­chern, Blu­men, Stau­den und wei­te­rem Grün von gro­ßer Bedeu­tung. Sie sind ein schö­ner Anblick, bie­ten etwas fürs Auge und laden zum Ruhe­tan­ken ein. Sie för­dern die Ent­span­nung. Allein die Stil­le eines Gar­tens zieht den stres­si­gen All­tag aus den Kno­chen, das sat­te Grün besänf­tigt das Gemüt, das Rau­schen der Blät­ter gleicht die Stim­mung aus, die deut­lich ver­bes­sert wird.

Es lässt sich ein güns­ti­ger Ein­fluss auf die Organ­funk­tio­nen durch mess­ba­re Para­me­ter fest­stel­len. Der Blut­druck wird gesenkt, was Herz­in­fark­ten vor­beugt, der Herz­schlag wird nor­ma­li­siert, Stress wird redu­ziert und die Mus­keln ent­spannt. Dies fand der ame­ri­ka­ni­sche Wis­sen­schaft­ler Roger S. Ulrich her­aus, der auch fest­stell­te: Der Blick ins Grü­ne bewirkt, dass sich Pati­en­ten deut­lich schnel­ler von einer Ope­ra­ti­on erho­len und sel­te­ner über Schmer­zen kla­gen als die Kon­troll­grup­pe, die mit dem Blick auf eine Zie­gel­stein­mau­er sich begnü­gen muss­te.

Foto: Angelika Paul

Foto: Ange­li­ka Paul

Gar­ten­ar­beit wird nicht nur in Kli­ni­ken, Reha-Ein­rich­tun­gen und Hei­men the­ra­peu­tisch ein­ge­setzt, son­dern auch im Ber­li­ner Klein­gar­ten­we­sen im Rah­men von psy­cho- und sozi­al­the­ra­peu­ti­schen Pro­zes­sen: In die­sem Gar­ten wird ein Teil der beglei­ten­den Arbeit für Kin­der im Alter von 4 bis 16 Jah­ren aus durch Sucht­krank­heit gestör­ten Fami­li­en geleis­tet, wenn Vater oder Mut­ter bzw. bei­de eine Sucht­kran­ken­the­ra­pie begon­nen haben. (Ver­ein zur För­de­rung der grup­pen­un­ter­stütz­ten, außer­sta­tio­nä­ren Sucht­kran­ken­be­hand­lung, Pro­jekt Ber­lin-Hel­lers­dorf2).

Kinder im Kleingartengelände. Foto: Angelika Paul

Kin­der im Klein­gar­ten­ge­län­de. Foto: Ange­li­ka Paul

Für Kin­der sind Gar­ten­ge­län­de idea­le Spiel­or­te, wo sie sich ohne Angst vor Auto­ver­kehr, behü­tet durch vie­le Gar­ten­freun­de, aus­to­ben kön­nen. Sie sehen die Pflan­zen blü­hen, beob­ach­ten die sum­men­den Bie­nen an der Blü­te, rie­chen an ihr und erle­ben den Duft und die Obstrei­fung. Kin­der ler­nen so, wo Obst und Gemü­se her­kommt: aus der Natur, nicht aus dem Super­markt.

Nicht nur Kin­der erfah­ren hier mehr Sicher­heit, auch für erwach­se­ne Erho­lungs­su­chen­de sind Klein­gar­ten­ge­län­de siche­rer als Park­an­la­gen.

Kli­ma­ver­bes­se­rer und Wind­schutz
Für die geplan­te Nach­ver­dich­tung haben gera­de Klein­gär­ten eine eine wich­ti­ge Funk­ti­on. Wenn jetzt die der­zeit über­all noch vor­han­de­nen und meist begrün­ten Lücken bebaut wer­den, muss dafür ein Aus­gleich geschaf­fen wer­den. Wir brau­chen also mehr Klein­gär­ten, und zwar über­pro­por­tio­nal mehr als es dem Bevöl­ke­rungs­wachs­tum ent­spricht, da sie auch die bei Neu­be­bau­ung ver­lo­ren­ge­hen­den inner­städ­ti­schen Brach­flä­chen erset­zen müs­sen.

44 Pro­zent der Ber­li­ner Lan­des­flä­che von 89.175 Hekt­ar wer­den von Grün- und Was­ser­flä­chen bedeckt. 2757 Hekt­ar davon sind Klein­gär­ten mit cir­ca 444.000 Bäu­men. Bäu­me, die Koh­len­stoff in ihrem Holz bin­den, sind nach den Mee­ren und den exis­ten­zi­ell bedroh­ten Moo­ren die größ­ten Koh­len­stoff­sen­ken die­ses Pla­ne­ten. Daher gilt es, Baum­be­stän­de zu erhal­ten und zu ver­meh­ren, will die Poli­tik dem Treib­haus­ef­fekt wirk­lich Ein­halt gebie­ten. Das Grün der Pflan­zen trägt zur Erhö­hung der CO2-Bin­dung und damit zur CO2-Neu­tra­li­tät Ber­lins bei, die durch vom Men­schen ver­ur­sach­te Emis­sio­nen gefähr­det ist.

Kindergarten im Kleingartengelände. Foto: Angelika Paul

Kin­der­gar­ten im Klein­gar­ten­ge­län­de. Foto: Ange­li­ka Paul

Die Klein­gär­ten und ande­re Grün­flä­chen beein­flus­sen das urba­ne Mikro­kli­ma an hei­ßen Som­mer­ta­gen, da durch ihre Ver­duns­tungs­tä­tig­keit Kalt­luft­ge­bie­te ent­ste­hen und die Luft küh­len.

Bäu­me beein­flus­sen in posi­ti­ver Wei­se das Stadt­kli­ma. Die Funk­ti­on von Wäl­dern, Gär­ten und Parks als “Grü­ne Lun­ge” ist beson­ders in Städ­ten und Bal­lungs­ge­bie­ten lebens­wich­tig. Die Gär­ten mit ihren Bäu­men sind Frisch­luft­schnei­sen und ver­hin­dern, dass sich die Stadt zu stark auf­heizt. Büsche und Bäu­me vor dem Haus gel­ten als natür­li­che Kli­ma­an­la­ge. Sie küh­len an hei­ßen Tagen durch Ver­duns­tung die Luft in den Städ­ten ab und machen das Leben drau­ßen für den Men­schen ange­neh­mer. Bäu­me ver­bes­sern die Atem­luft, weil sie meh­re­re hun­dert Liter Was­ser am Tag ver­duns­ten.

Bäu­me ver­rin­gern die Wind­ge­schwin­dig­keit und damit die Trag­kraft der Luft. Sie wir­ken somit wie ein Kamm, der den Staub aus der Luft ent­fernt. In unse­ren Gär­ten und Park­an­la­gen wer­den bis zu 85 Pro­zent der Schweb­stof­fe aus der Luft gefil­tert, durch Stra­ßen­bäu­me bis zu 70 Pro­zent.

Lärm­min­de­rung und Luft­rei­ni­gung
Auf der IGA (Inter­na­tio­na­le Gar­ten­Aus­stel­lung) Ham­burg 2012 wur­de ein Pro­jekt gezeigt, wie sich Pla­ner moder­nen Schall­schutz für die Stadt vor­stel­len: Als Schutz gegen den lau­ten Stra­ßen- und Schie­nen­ver­kehr soll die Errich­tung von Schall­schutz­wän­den oder -wäl­len mit einer Höhe zwi­schen 4 ½ und 6 Metern die­nen. Lebt man damit nicht wie in einem Gefäng­nis? An hoch­be­las­te­ten Teil­ab­schnit­ten kann dadurch der Lärm­pe­gel, der tags­über bei über 75 Dezi­bel liegt, um 5 bis 8 Dezi­bel gesenkt wer­den. Wer­te ab 60 Dezi­bel wer­den als unan­ge­nehm emp­fun­den, ab 100 Dezi­bel kann es zu Hör­schä­den kom­men. Dau­er­lärm, auf den Kin­der deut­lich emp­find­li­cher reagie­ren als Erwach­se­ne, führt zu Dau­er­stress und in der Fol­ge zu Gesund­heits­schä­den wie Herz­in­farkt. Aber auch Gehör­zel­len, die nicht die Mög­lich­keit haben, sich zu erho­len, ster­ben lang­sam ab, wodurch es auf län­ge­re Sicht zu einem Hör­ver­lust kommt. Ver­kauft wird die­ses „fort­schritt­li­che Lärm­schutz­kon­zept” als „Woh­nen ohne Dau­er­lärm für mehr Lebens­qua­li­tät”.

Bäu­me min­dern auch den Gestank, der durch den Auto­ver­kehr ver­ur­sacht wird. Bäu­me sind Luft­rei­ni­ger beson­ders in Bal­lungs­räu­men, Indus­trie­ge­bie­ten und Städ­ten, denn ein Baum fil­tert Schad­stof­fe, gif­ti­ge Abga­se, radio­ak­ti­ve Stof­fe, Ruß und Staub aus der Luft.

Ein groß­kro­ni­ger Laub­baum fil­tert stünd­lich 4.000 Kubik­me­ter Luft und rei­nigt sie jähr­lich von über 100 Kilo­gramm Staub, bin­det Schad­stof­fe wie Koh­len­mon­oxid (CO), Schwe­fel­di­oxid (SO2) und Stick­oxi­de (NOx). Wie­viel leis­ten dann die 444.000 Bäu­me in den Ber­li­ner Klein­gär­ten?

Obst: Lebens­mit­tel und Medi­zin

Obst zu verschenken! Foto: Angelika Paul

Obst zu ver­schen­ken! Foto: Ange­li­ka Paul

Eure Lebens­mit­tel sol­len Heil­mit­tel und Eure Heil­mit­tel Lebens­mit­tel sein,

pro­pa­giert Par­cel­sus (1493 – 1541).

Über­schüs­si­ger Obstreich­tum wird häu­fig mit Anwoh­nern und ande­ren Men­schen geteilt.

Allen Obstar­ten ist gemein­sam, dass sie viel Was­ser, Vit­ami­ne, Mine­ral­stof­fe, Spu­ren­ele­men­te, Bal­last­stof­fe und sekun­dä­re Pflan­zen­stof­fe wie Fol­säu­re, Fla­vo­noi­de und Karo­ti­noi­de ent­hal­ten, das all­ge­mei­ne Wohl­be­fin­den för­dern und wie Heil­kräu­ter als Heil­mit­tel wir­ken. In ihrem kom­ple­xen Zusam­men­spiel stär­ken sie u.a. das Immun­sys­tem und schüt­zen die Zel­len. Wis­sen­schaft­li­che Unter­su­chun­gen haben erwie­sen, dass der regel­mä­ßi­ge Ver­zehr von Obst und Gemü­se nicht nur das all­ge­mei­ne Wohl­be­fin­den för­dert, son­dern auch das Risi­ko bestimm­ter schwe­rer Erkran­kun­gen ver­min­dert, dar­un­ter ver­schie­de­ne Krebs­ar­ten und Herz­er­kran­kun­gen.

Apfelernte. Foto: Angelika Paul

Apfel­ern­te. Foto: Ange­li­ka Paul

Der Apfel ist der Deut­schen liebs­tes Obst. Im Klein­gar­ten erzeugt, erreicht es den Ver­brau­cher ohne Umwelt­ver­schmut­zung durch Güter­trans­port. Cir­ca 600.000 Ton­nen Äpfel wer­den jähr­lich ein­ge­führt. Äpfel aus dem Gar­ten haben etli­che Vor­tei­le gegen­über dem Super­markt­obst. Sie sind nicht mit Pflan­zen­schutz­mit­teln belas­tet. Das Frucht­fleisch der alten und natur­ge­mäß gezo­ge­nen Sor­ten ist meist fes­ter und schmack­haf­ter. Die Früch­te duf­ten und schme­cken inten­si­ver.

 

Klein­gar­ten­an­la­gen sind Tritt­stei­ne zum Erhalt der Bio­lo­gi­schen Viel­falt

 

Amsel. Foto: Angelika Paul

Amsel. Foto: Ange­li­ka Paul

Der Ber­li­ner Sena­tor für Stadt­ent­wick­lung und Umwelt­schutz, Micha­el Mül­ler, sagt:

Das aus­ge­zeich­ne­te Poten­zi­al Ber­lins als grü­ne Metro­po­le ist Chan­ce und Auf­trag glei­cher­ma­ßen. Lebens­räu­me, Öko­sys­te­me, Tier- und Pflan­zen­ar­ten und deren gene­ti­sche Res­sour­cen sol­len im Ein­klang mit der Fort­ent­wick­lung der Stadt erhal­ten blei­ben.3

Biene am Krokus. Foto: Angelika Paul

Bie­ne am Kro­kus. Foto: Ange­li­ka Paul

Als inte­gra­ler Bestand­teil des Ber­li­ner Frei­flä­chen- und Grün­sys­tems haben die Klein­gar­ten­an­la­gen … Bedeu­tung für den Natur- und Arten­schutz in der Stadt. Sie sind wich­ti­ge Lebens­räu­me für die arten­rei­che Flo­ra und Fau­na der Stadt… Auch als Reser­voir gene­ti­scher Arten­viel­falt erfül­len Klein­gär­ten heu­te eine wich­ti­ge Funk­ti­on: … pfle­gen alte Nutz- und Kul­tur­pflan­zen, die in der erwerbs­mä­ßi­gen Land­wirt­schaft nicht mehr ange­baut wer­den und dadurch oft vom Aus­ster­ben bedroht sind4.

 

Eichhörnchen. Foto: Angelika Bauer

Eich­hörn­chen. Foto: Ange­li­ka Bau­er

War­um soll­te / muss die Bio­lo­gi­sche Viel­falt erhal­ten wer­den? Wir Men­schen sind nicht aus Stein, son­dern Lebe­we­sen, die atmen und sich ernäh­ren müs­sen und somit in das Geflecht der Bezie­hun­gen in der Natur ein­ge­bun­den sind. Die Natur, also Bäu­me, Sträu­cher – alles Grün, sorgt für die Pro­duk­ti­on des Sauer­stoffs, auf die wir und alle Tie­re zwin­gend ange­wie­sen sind. Für die Bestäu­bung von Pflan­zen und somit für ihren Erhalt durch Samen­bil­dung und die mensch­li­che und tie­ri­sche Ernäh­rung mit Gemü­se und Obst sor­gen außer den Honig­bie­nen auch Soli­tär­bie­nen und Hum­meln, Käfer, Flie­gen und Schmet­ter­lin­ge bei 80 Pro­zent der Pflan­zen.

Bläuling am Steppensalbei. Foto: Angelika Paul

Bläu­ling am Step­pen­sal­bei. Foto: Ange­li­ka Paul

Mit den Kolo­ni­en sind zahl­rei­che Imker, die orts­nah und ver­ant­wor­tungs­voll Honig erzeu­gen, bedroht. Mit dem Ver­lust der Gär­ten geht die Bestäu­bungs­ar­beit nicht nur der Honig­bie­ne ver­lo­ren. Jeden Tag wer­den in Deutsch­land 1,31 Mil­lio­nen Qua­drat­me­ter Natur für den Stra­ßen- und Sied­lungs­bau zer­stört. Jeden Tag! Das sind täg­lich gut 100 Hekt­ar. So kann es nicht wei­ter­ge­hen, befand die Bun­des­re­gie­rung und hat im Jahr 2002 das 30 ha-Ziel in die Natio­na­le Nach­hal­tig­keits­stra­te­gie auf­ge­nom­men, wor­in die bun­des­wei­te Ver­sie­ge­lung von Flä­chen für Sied­lungs- und Ver­kehrs­zwe­cke bis zum Jahr 2020 auf 30 Hekt­ar täg­lich redu­ziert wer­den soll.

Erhalt der Arten­viel­falt und Schaf­fung eines Bio­top­ver­bun­des

Rosenkäfer. Foto: Angelika Paul

Rosen­kä­fer. Foto: Ange­li­ka Paul

Der Trend der Gar­ten­ge­stal­tung geht zum natur­na­hen Gärt­nern (vgl. The­men in der Ver­bands­zei­tung Gar­ten­freund).
In der Regel leben in Klein­gar­ten­an­la­gen durch das Natur­schutz­ge­setz beson­ders und streng geschütz­te Tier­ar­ten wie Igel, Maul­wurf, Brand­maus, Libel­len, Wild­bie­nen, Hum­meln, Vögel, Mol­che, Krö­ten, Eidech­sen, Lauf­kä­fer, Pracht­kä­fer, Eich­hörn­chen u.v.m.

Fledermaus. Foto: Angelika Paul

Fle­der­maus. Foto: Ange­li­ka Paul

Allein in der klei­nen Wil­mers­dor­fer Kolo­nie Oeyn­hau­sen stehen1500 bis über 100 Jah­re alte Obst­bäu­me. Dazu kom­men Sträu­cher, Stau­den, Gemü­se­pflan­zen, die durch wert­vol­le Nist­hil­fen wie Vogel­nist­käs­ten, Stein­gär­ten, Tei­che und Tot­holz ergänzt wer­den, sodass ein klein­tei­li­ges Ange­bot von Lebens­räu­men einer Viel­falt an Tie­ren eine Nische bie­tet und im Öko­sys­tem der Stadt eine wich­ti­ge Kor­ri­dorf­unk­ti­on ein­nimmt. Nur durch die Ver­net­zung klei­ner Bio­to­pe in der Stadt kann die bedroh­te Tier­welt hier über­le­ben.

Laub­bäu­me sor­gen durch ihren Laub­ab­wurf für die Humus­ge­win­nung und den Schutz des Bodens vor Abtra­gung durch Wind, somit also für den Boden­er­halt, der die Grund­la­ge für Nah­rungs- und Tier­fut­ter­pro­duk­ti­on dar­stellt.

Nachtfalter am Sommerflieder. Foto: Angelika Paul

Nacht­fal­ter am Som­mer­flie­der. Foto: Ange­li­ka Paul

Auch haben Klein­gär­ten im all­ge­mei­nen einen höhe­ren öko­lo­gi­schen Wert als Park­an­la­gen, die wegen Geld- und Per­so­nal­man­gels redu­ziert oder natur­feind­lich gepflegt wer­den. Von Mit­bür­gern gepfleg­te Klein­gar­ten­an­la­gen zei­gen etli­che Vor­tei­le gegen­über her­kömm­li­chen Park­an­la­gen:

  • Klein­gar­ten­ko­lo­ni­en sind wesent­lich erleb­nis­rei­cher (jeder fin­det „sei­nen” Lieb­lings­gar­ten)
  • viel­sei­ti­ger in der Bepflan­zung
  • lie­be­vol­le Pfle­ge / Im Gegen­satz zu öffent­li­chem Grün wer­den Klein­gär­ten wirk­lich stän­dig gepflegt.
  • herr­li­cher Bestand alter Obstäu­me (his­to­ri­sche Sor­ten, Gen­re­ser­voir, Erhal­tung der gene­ti­schen Viel­falt)
  • In Klein­gar­ten­ko­lo­ni­en wer­den nie­mals alle Sträu­cher gleich­zei­tig auf den Stock geschnit­ten und damit die Brut­mög­lich­kei­ten der Frei­brü­ter und Boden­brü­ter unter den Vögeln zer­stört
  • weni­ger Van­da­lis­mus
  • siche­re­re Nah­erho­lungs­ge­bie­te für Jung und Alt
  • Kon­tras­te: Natur­gär­ten, Gemü­se­gär­ten, ande­re Gär­ten
  • Die Mit­tel für öffent­li­ches Grün und sei­ne Unter­hal­tung wur­den immens gekürzt. Grün­zo­nen wer­den bei Lücken­schlie­ßun­gen und Aus­bau­ten von Dach­ge­schos­sen immer wich­ti­ger.
  • Klein­gär­ten glei­chen die pre­kä­re öffent­li­che Finanz­la­ge durch pri­va­tes Enga­ge­ment aus.
  • Ralf Hil­len­berg, MdA: „Klein­gär­ten sind die bil­ligs­te Inves­ti­ti­on für die Stadt… Es ist gera­de, auf die Grün­flä­chen der Stadt bezo­gen, die abso­lut preis­wer­tes­te Möglichkeit,die man sich den­ken kann. Man bezahlt den Klein­gärt­nern nichts, im Gegen­teil, das Land erhält Pacht­ge­büh­ren und erhält eine Land­schaft, die gepflegt ist. Was will man eigent­lich mehr?”5

 

Klein­gar­ten­an­la­gen för­dern sozia­len Zusam­men­halt

 

Kinder- und Sommerfest wird festlich eingeleitet. Foto: Angelika Paul

Kin­der- und Som­mer­fest wird fest­lich ein­ge­lei­tet. Foto: Ange­li­ka Paul

Bei­spiel Ber­lin: Der Sena­tor für Stadt­ent­wick­lung und Umwelt, Micha­el Mül­ler, hebt her­vor, dass eine

hohe Lebens­qua­li­tät für alle Alters­grup­pen der Stadt­be­woh­ner mit sozi­al sta­bi­len, inte­grie­ren­den und gesun­den Wohn­quar­tie­ren ein Fak­tor ist, der Men­schen ver­an­las­sen kann, in Ber­lin zu blei­ben oder auch in die Stadt zu zie­hen6.

Die meis­ten Klein­gar­ten­an­la­gen in Ber­lin gehö­ren der öffent­li­chen Hand, von der sie an Bezirks­ver­bän­de der Klein­gärt­ner ver­pach­tet wer­den. Die­se wie­der­um schlie­ßen für die ein­zel­nen Par­zel­len Unter­pacht­ver­trä­ge mit Inter­es­sen­ten ab. Die­se ste­hen unter Auf­sicht der Behör­de und bezah­len für die Pfle­ge öffent­li­chen Grüns, wodurch das Land Ber­lin jähr­lich cir­ca 6 Mil­lio­nen Euro Klein­gar­ten­pach­ten ein­nimmt.

Die Päch­ter spie­geln Ber­lins sozia­le Durch­mi­schung von Alt bis Jung, von Aka­de­mi­ker bis Hilfs­ar­bei­ter und die mul­ti­na­tio­na­le Ein­woh­ner­kul­tur wider; sie stam­men aus allen Tei­len der Erde und füh­ren Zaun an Zaun ein nach­bar­schaft­li­ches Mit­ein­an­der. Bei­spiels­wei­se beträgt der Aus­län­der­an­teil in der 110 Jah­re alten Wil­mers­dor­fer Kolo­nie Oeyn­hau­sen 10 Pro­zent. Dies führt zu sozia­ler Inte­gra­ti­on und zu sozia­lem Frie­den.<

Man kann sich fra­gen, was in Stadt­vier­teln pas­siert, in denen es kei­ne nenn­nes­wer­ten selbst­ge­stal­tungs­fä­hi­gen Grün­flä­chen mehr gibt wie zum Bei­spiel die Pari­ser Ban­lieu. Dort kam es zu sozia­ler Segre­ga­ti­on, also der Tren­nung der Bevöl­ke­rungs­grup­pen aus reli­giö­sen, eth­ni­schen oder schichtspe­zi­fi­schen Grün­den. Es kam zu Unru­hen und Absin­ken des Bil­dungs­ni­veaus.

Rei­che Leu­te kau­fen sich ihr Eigen­heim im Speck­gür­tel oder mie­ten ein Town­haus, arme Leu­te müs­sen an den gro­ßen Ver­kehrs­ach­sen woh­nen, wo sie sich Wohn­raum noch leis­ten kön­nen, aber Ver­kehrs­lärm und ande­ren gesund­heits­schäd­li­chen Emis­sio­nen aus­ge­setzt sind. Über die Ver­kehrs­ach­sen fah­ren dann die Rei­chen vom Speck­gür­tel zu ihrem Arbeits­platz in die Innen­stadt. Die­se Form der Zer­sied­lung ver­ur­sacht neben den sozia­len Fol­gen auch enor­me öko­lo­gi­sche Schä­den.

Auch der Senat rech­net durch das Ver­schwin­den der Bio­lo­gi­schen Viel­falt in Ber­lin mit sozia­len Unru­hen. Er stellt sich nur die Fra­ge, wann???7

Klein­gär­ten haben eine lan­ge Tra­di­ti­on in Ber­lin. Seit 150 Jah­ren gibt es sie, und man kann nicht sagen, dass dies eine Zeit der „Zwi­schen­nut­zung” ist, womit Poli­ti­ker gern das Vor­hal­ten von Kolo­ni­en als Bau­land begrün­den. Zwi­schen 1880 und 1900 wuchs Ber­lins Bevöl­ke­rung rasant von 750.000 auf 1,9 Mil­lio­nen Ein­woh­ner, was zu kata­stro­pha­len Wohn­ver­hält­nis­sen führ­te. In jedem Wohn­ge­bäu­de wohn­ten in Ber­lin dop­pelt bis drei­fach so vie­le Men­schen wie in ver­gleich­ba­ren deut­schen Groß­städ­ten8, wie der Senat für Stadt­ent­wick­lung auf sei­ner Web­sei­te schreibt. In Auf­leh­nung gegen Armut und Woh­nungs­not erkämpf­ten sich vor allem Arbei­ter­fa­mi­li­en die klei­nen Gär­ten nicht nur zur Selbst­ver­sor­gung, son­dern auch um die Natur zu genie­ßen.Klein­gär­ten sind eine wich­ti­ge sozia­le und öko­lo­gi­sche Errun­gen­schaft.

Die­se soge­nann­ten „Armen­gär­ten” waren die Vor­läu­fer der heu­ti­gen Schre­ber­gär­ten. Obwohl sich die Klein­gär­ten in ihrer Bedeu­tung vom Bei­trag zur Ernäh­rung der Fami­lie zu natur­na­hen Gär­ten mit Selbst­ver­sor­gung gewan­delt haben, behiel­ten sie über alle Zei­ten hin­weg ihre sozi­al­po­li­ti­sche Bedeu­tung. Städ­te wie Paris oder Lon­don mögen für jun­ge Tou­ris­ten nett sein, die Wohn­qua­li­tät für die meis­ten Men­schen dort ist mitt­ler­wei­le schreck­lich. Ber­li­ner, die ein­mal drei Mona­te in Paris wohn­ten, haben an den Wochen­en­den ver­sucht, für ein Pick­nick ein ruhi­ges Grün­fleck­chen inner­halb des Pari­ser Auto­bahn­rings zu fin­den (das nicht nach Urin roch) — das war ein nahe­zu unmög­li­ches Unter­fan­gen.

Heut­zu­ta­ge wird der wirt­schaft­li­che Nut­zen des Obst- und Gemü­se­an­baus durch den Aspekt des bio­lo­gi­schen Anbaus, aber auch durch die Frei­zeit- und Erho­lungs­nut­zung, die natur­na­he Gar­ten­ge­stal­tung sowie die städ­te­bau­li­che Funk­ti­on im Rah­men der Grün- und Frei­flä­chen­pla­nung ergänzt. Klein­gär­ten sind dar­über hin­aus auch ein wich­ti­ges Ele­ment zur Durch­grü­nung und Auf­lo­cke­rung der Bebau­ung und bie­ten durch ihre öffent­li­che Zugäng­lich­keit auch der Anwoh­nern und Besu­chern Erho­lungs­mög­lich­kei­ten. Sie kom­men dem Mikro­kli­ma in den Städ­ten zugu­te und ver­bes­sern ihre öko­lo­gi­schen Grund­la­gen. Die rund 930 Ber­li­ner Klein­gar­ten­an­la­gen sind daher ein wesent­li­cher Bestand­teil des Grün­flä­chen­sys­tems der Stadt, wes­halb die Ber­li­ner Klein­gar­ten­an­la­gen - wo immer es geht — dau­er­haft im Stadt­ge­biet erhal­ten blei­ben sol­len9 .

 

Klein­gar­ten­an­la­gen gehö­ren zur Daseins­vor­sor­ge — Über­sicht

 

  • ganz­heit­li­ches Erleb­nis­feld: Natur­er­le­ben gepaart mit sozia­ler Kom­mu­ni­ka­ti­on, Gesel­lig­keit und leben­der Nach­bar­schaft

  • lan­ge Tra­di­ti­on und immer noch zeit­ge­mäß

  • Ver­drän­gung der Klein­gär­ten an den Stadt­rand bedeu­tet, dass zuerst ein Auto ange­schafft wer­den muss, bevor ein Klein­gar­ten gepach­tet wer­den kann. Fol­ge: Zunah­me des Auto­ver­kehrs, der Abga­se. Das ist weder umwelt- noch fami­li­en­freund­lich. Die­se „Rand­wan­de­rung” bedeu­tet, dass sich weni­ger Begü­ter­te die­se Art der Erho­lung nicht leis­ten kön­nen. Erho­lung heißt auch Vor­beu­gung vor Krank­hei­ten, gesun­de Kin­der, gesün­de­re Arbeit­neh­mer, eine gesun­de Bevöl­ke­rung

  • wohn­ort­na­he Erho­lung. „Gera­de zu den Wochen­en­den und in den Feri­en sind die Stra­ßen und Auto­bah­nen dicht, die Nah­erho­lungs­ge­bie­te, aber auch fer­ne­re Zie­le in den Mit­tel­ge­bir­gen und an der Küs­te hoff­nungs­los über­lau­fen. Lan­ge Suche nach einem frei­en Park­platz. Die bes­ten Bade­plät­ze belegt. Restau­rants und Cafés über­füllt. Lärm und Betrieb­sam­keit über­all. Ärger, Stress,.verlorene Zeit und gereiz­te Ner­ven sind nicht sel­ten.” [Ber­li­ner Gar­ten­freund, April 1994, S. 59]

  • Ver­bes­se­rung des Kli­ma­haus­halts (Öko­sys­tem­dienst­leis­tun­gen)

  • Frisch­luft­schnei­se / Belüf­tungs­bah­nen im Bal­lungs­raum. Eine Beton­stadt ist unat­trak­tiv. Wer will das? Anwoh­ner? Tou­ris­ten?

  • stadt­kli­ma­ti­sche Bedeu­tung (Luft­feuch­tig­keit / Tem­pe­ra­tur)

  • Küh­lung: „So wei­sen Gebie­te vor und hin­ter hohen Bebau­un­gen Tem­pe­ra­tur­un­ter­schie­de auf, die nicht nur auf man­geln­den Luft­aus­tausch hin­wei­sen, son­dern auch Emis­si­ons­wer­te auf­wei­sen, die die EU-Richt­li­ni­en zu 50 Pro­zent über­stei­gen.” [Ber­li­ner Gar­ten­freund, Febru­ar 1994, S. 2/52]

  • Sauer­stoff­spen­der

  • Wind­brem­se

  • Staub­schlu­cker

  • Boden­ent­sie­ge­lung

  • Emis­si­ons­aus­gleich­flä­chen

  • Lärm­brem­se

  • Luft­rei­ni­gung (Auto­ab­ga­se / Indus­trie­emis­sio­nen)

  • Ver­bes­se­rung des Natur­haus­halts (Öko­sys­tem­dienst­leis­tun­gen)

  • Grün­schnei­sen – öko­lo­gi­sche Ver­net­zung mit Park­an­la­gen und Wäl­dern / Kor­ri­do­re für die Bewah­rung der öko­lo­gi­schen Viel­falt

  • öko­lo­gi­sche Bedeu­tung – höher als Park­an­la­gen

  • öko­lo­gi­sche Nischen wie Tro­cken- und Feucht­bio­to­pe (Tei­che)

  • Hort der Arten­viel­falt bei Pflan­zen und Tie­ren (wir schrei­ben die UN-Deka­de der Bio­di­ver­si­tät 2011 bis 2020)

  • Hort der gene­ti­schen Res­sour­cen – Erhalt alter Obst­sor­ten, Grund­la­ge für Neu­züch­tun­gen

  • Ver­bes­se­rung der Wohn­qua­li­tät (grü­nes Umfeld)

  • Pla­nungs­vor­ga­ben des Deut­schen Städ­te­ta­ges wer­den nicht erreicht, dass für jeden Bür­ger zwölf Qua­drat­me­ter Grün­flä­che „fuß­läu­fig erreich­bar” zur Ver­fü­gung ste­hen sol­len [Ber­li­ner Gar­ten­freund, Febru­ar 1994, S. 2/52]

  • Nah­erho­lung für jeder­mann, unter ande­rem für Arme, Kran­ke, Alte und Fami­li­en

  • Frei­zeit­ge­stal­tung mit Kin­dern

  • Kin­der und Jugend­li­che wer­den für die Natur sen­si­bi­li­siert, was eine gesun­de Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung för­dert. Die Ver­mitt­lung bes­se­rer Natur­kennt­nis­se, ihrer Eigen­schaf­ten, ihres wirt­schaft­li­chen Wer­tes för­dern Respekt und Ach­tung und bewah­ren jun­ge Men­schen vor spä­te­rem Van­da­lis­mus und Zer­stö­rung ihrer Umwelt (Stich­wort: Natur­päd­ago­gik)

  • Bil­dungs­mög­lich­keit für Kin­der, Jugend­li­che und Erwach­se­ne. Soll sie ihnen genom­men wer­den?

  • Kin­der­gar­ten­grup­pen, Schul­klas­sen, Eltern, Groß­el­tern haben die Mög­lich­keit bei Spa­zier­gän­gen, die Viel­fäl­tig­keit der Natur zu allen Jah­res­zei­ten zu beob­ach­ten

  • Kin­der kön­nen beob­ach­ten, woher das Gemü­se und Obst kommt: Sie sehen Kohl­ra­bi und Toma­ten­pflan­zen wach­sen, Äpfel und Bir­nen rei­fen. Sie sehen, dass das Ern­ten mit Mühen ver­bun­den ist, und ent­wi­ckeln Ach­tung vor Gärt­nern und Land­wir­ten, die unse­re Lebens­mit­tel erzeu­gen

  • Grün erhöht die Erleb­nis­qua­li­tät eines Stadt­rau­mes; viel­fäl­ti­ge Natur kann hier aus unmit­tel­ba­rer Nähe betrach­tet wer­den. Ver­nich­tung der his­to­ri­schen Grün­an­la­gen (Klein­gär­ten) ist kaum wie­der gut­zu­ma­chen

  • Infor­ma­ti­ons- und Lehr­gär­ten

  • Gar­ten­fach­be­ra­tung für jeder­mann

  • wich­ti­ger Teil der Ber­li­ner Stadt­kul­tur und All­tags­kul­tur

  • His­to­ri­sche Lau­ben – Bewah­rung von Kul­tur­gü­tern

  • ehren­amt­li­ches, bür­ger­schaft­li­ches Enga­ge­ment

  • gemein­nüt­zi­ge Arbeit wird ehren­amt­lich geleis­tet

  • in Klein­gär­ten wach­sen Fami­li­en auf, ste­cken Arbeit und Erin­ne­rung sowie sozia­le Kon­tak­te

  • Kin­der­spiel­plät­ze / Kin­der­spiel und Umwelt­er­zie­hung

  • Klein­gär­ten bie­ten Kin­dern viel­fäl­ti­ge Mög­lich­kei­ten zu krea­ti­ven Spie­len

  • begeg­nungs­freund­li­che Grün­an­la­gen mit Sitz­grup­pen

  • Spiel­flä­che für Rasen­spie­le (auch für Erwach­se­ne)

  • sozia­le Ange­bo­te

  • Mit­ein­an­der der Gar­ten­freun­de: u.a. Wochen­end­rei­sen, Bas­tel­nach­mit­ta­ge

  • Gemein­schafts­ak­ti­vi­tä­ten (offen für Gäs­te): Skat, Som­mer­fes­te, Kin­der­fes­te, Grill­fes­te, Weih­nachts­märk­te – Erlö­se wer­den häu­fig für gute Zwe­cke gespen­det

  • Ein­la­dung zu Fes­ten / Kaf­fee und Kuchen an: Wai­sen­kin­der, krebs­kran­ke Kin­der, Senio­ren­grup­pen, Umsied­ler

  • Soli­dar­ge­mein­schaft der Genera­tio­nen, Natio­nen und sozia­len Unter­schie­de:
    Klein­gär­ten beher­ber­gen Kin­der und Jugend­li­che, Fami­li­en und Sin­gles, Behin­der­te, Betag­te, Sozi­al­hil­fe­emp­fän­ger, gut Betuch­te, ver­schie­dens­te Beru­fe und Lebens­for­men – über alle natio­na­len und eth­ni­schen Gren­zen hin­weg und för­dern den Dia­log und die Inte­gra­ti­on aller Betei­lig­ten

  • Schul­gär­ten, Kita­gär­ten, Fach­gär­ten, Gemein­schaft­gär­ten, Selbst­ern­te­gär­ten gibt es in Klein­gar­ten­an­la­gen

  • Klein­gär­ten als Medi­zin

  • Leis­tungs­fä­hig­keit des Klein­gar­ten­we­sens im Rah­men von psy­cho- und sozi­al­the­ra­peu­ti­schen Pro­zes­sen:
    „In die­sem Gar­ten wir ein Teil der beglei­ten­den Arbeit für Kin­der im Alter von 4 bis 16 Jah­ren aus durch Sucht­krank­heit gestör­ten Fami­li­en geleis­tet, wenn Vater oder Mut­ter bzw. bei­de eine Sucht­kran­ken­the­ra­pie begon­nen haben.” (Ver­ein zur För­de­rung der grup­pen­un­ter­stütz­ten, außer­sta­tio­nä­ren Sucht­kran­ken­be­hand­lung, Pro­jekt Ber­lin-Hel­lers­dorf. [Ber­li­ner Gar­ten­freund, August 1994, S. 8/39]

  • In einer Zeit zuneh­men­der Hek­tik, Ner­ven­be­las­tung und Über­rei­zung der Sin­ne scheint mir die Ein­fach­heit der Gar­ten­ar­beit und des Auf­ent­halts in frei­er Natur ein not­wen­di­ger Aus­gleich zu sein, um Gesund­heit und Lebens­freu­de zu erhal­ten… In einer Zeit, wo man aus lau­ter Angst vor Krank­heits­er­re­gern schon den Kin­dern das Spie­len im Wald und das Essen von Wald­him­bee­ren ver­bie­ten will, erscheint mir dies sehr wich­tig.” Dr. med. Brun Wikow­ski [Ber­li­ner Gar­ten­freund, Febru­ar 1994, S. 19]

  1. Stadt­grün. Klein­gär­ten. Inter­net­sei­te der Senats­ver­wal­tung für Stadt­ent­wick­lung und Umwelt­schutz: http://www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/stadtgruen/kleingaerten/ []
  2. Klein­gar­ten­an­la­gen, für die die Schutz­frist in allen Bezir­ken Ber­lins 2020 endet: []
  3. Ber­lins Bio­lo­gi­sche Viel­falt. Ber­li­ner Stra­te­gie zur Bio­lo­gi­schen Viel­falt. Begrün­dung, The­men­fel­der und stra­te­gi­sche Zie­le. Bro­schü­re der Senats­ver­wal­tung für Stadt­ent­wick­lung und Umwelt­schutz: http://www.stadtentwicklung.berlin.de/natur_gruen/naturschutz/downloads/publikationen/biologische_vielfalt_strategie.pdf, S.3 []
  4. Das bun­te Grün. Klein­gär­ten in Ber­lin. Bro­schü­re der Senats­ver­wal­tung für Stadt­ent­wick­lung und Umwelt: http://www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/stadtgruen/kleingaerten/downloads/Kleingartenbroschuere.pdf, S. 13 []
  5. Ber­li­ner Gar­ten­freund, Juni 1994, S. 6/40 []
  6. Ver­an­stal­tung in der Ura­nia, 8. April 2014 – Rein­hard Schu­bert, Senats­mit­glied in lei­ten­der Stel­lung: Wild­wuchs in Ber­lin – Was hat das mit dem Kli­ma zu tun? []
  7. Ver­an­stal­tung in der Ura­nia, 8. April 2014 – Rein­hard Schu­bert, Senats­mit­glied in lei­ten­der Stel­lung: Wild­wuchs in Ber­lin – Was hat das mit dem Kli­ma zu tun? []
  8. Lan­des­ver­band Ber­lin der Gar­ten­freun­de e.V., 5. Merk­blatt: „Ber­li­ner Klein­gärt­ner-Tra­di­ti­on”. Im Inter­net: http://www.kleingartenvereine.de/recht/berlin/faltblatt5.pdf)). …, über­be­leg­te Miets­ka­ser­nen, dunk­le Hin­ter­hö­fe und wenig Grün waren die Fol­ge ((http://www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/stadtgruen/geschichte/de/kleingaerten/index.shtml []
  9. http://www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/stadtgruen/geschichte/de/kleingaerten/index.shtml []

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