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Das ABC der „Ber­li­ner Schul­bau­of­fen­si­ve“

8 September 2017

Von Han­ne­lo­re Wei­mar

ÖPP in der Schu­le, CC0

Im April 2017 wur­de vom Senat die „Ber­li­ner Schul­bau­of­fen­si­ve“ beschlos­sen, um zum einen dem erhöh­ten Schul­platz­be­darf durch Neu- und Aus­bau von Schu­len zu begeg­nen und zum ande­ren den Sanie­rungs­stau an den Schul­ge­bäu­den auf­zu­ar­bei­ten. Dafür sol­len ins­ge­samt in den nächs­ten Jah­ren etwa 5,5 Mil­li­ar­den Euro aus­ge­ge­ben wer­den. Wie dies orga­ni­sa­to­risch erfol­gen soll, dar­um wird zur­zeit gerun­gen.

In Zusam­men­hang gese­hen wer­den, muss dies auch mit den im Juni 2017 erfolg­ten 13 Grund­ge­setz­än­de­run­gen, die u.a. pri­va­ten Inves­to­ren die Schul­tü­ren geöff­net haben und die Vor­aus­set­zun­gen geschaf­fen für Öffent­lich-Pri­va­te-Part­ner­schaf­ten im Bereich des Baus und der Sanie­rung von Schul­ge­bäu­den. Will man sich als Bürger*in über das geplan­te Vor­ge­hen infor­mie­ren, wird man mit einer Viel­zahl von Begrif­fen kon­fron­tiert. Die­se zu klä­ren und damit Trans­pa­renz zu erzeu­gen, hat sich das fol­gen­de Glos­sar, das sich im Auf­bau befin­det, zur Auf­ga­be gemacht.

AG Res­sour­cen­steue­rung
Die AG Res­sour­cen­steue­rung wird von SenFin ein­ge­rich­tet. Ihr gehö­ren u.a. an: vier Bezirks­bür­ger­meis­ter, die/der künf­ti­ge Vor­sit­zen­de des Finanz­aus­schus­ses des Rats der Bür­ger­meis­ter und mit Zustim­mung der Senats­ver­wal­tung für Finan­zen ein wei­te­res Mit­glied aus dem Kreis der Lei­te­rin­nen und Lei­ter der Ser­vice­ein­heit Finanzen/Personal.

BENEBer­li­ner Pro­gramm für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung: Fonds für Bei­trä­ge zu einem umwelt­freund­li­chen und kli­ma­neu­tra­len Ber­lin

Bil­dung im Quar­tier –  Pro­gramm­be­stand­teil der Ber­li­ner Zukunfts­in­itia­ti­ve Stadt­teil, bei dem Mit­tel des Euro­päi­schen Fonds für regio­na­le Ent­wick­lung für bil­dungs­na­he Ange­bo­te zur Sta­bi­li­sie­rung von Stadt­tei­len genutzt wer­den (seit 2007)

BIMBer­li­ner Immo­bi­li­en­ma­nage­ment GmbH: lan­des­ei­ge­ner Kon­zern, der u.a. 67 berufs­bil­den­de Schu­len unter­hält. Die BIM wur­de unter Sar­ra­zin ein­ge­rich­tet und steht bereits seit eini­gen Jah­ren in der Kri­tik. Obwohl sie for­mell die iden­ti­sche Struk­tur auf­weist, wie sie auch mit der neu­en Schul-GmbH gebil­det wer­den soll, ver­zich­tet der Senat bis­her dar­auf, die BIM und ihre Tätig­keit als Vor­bild im Schul­bau dar­zu­stel­len.

Erb­bau­recht
Einer Toch­ter­ge­sell­schaft der Ber­li­ner Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft HOWO­GE soll ein Erb­bau­recht auf Grund­stü­cken ein­ge­räumt wer­den, auf denen Schu­len neu gebaut wer­den sol­len oder auf denen sich Schu­len befin­den, deren Sanie­rung teu­rer als zehn Mil­lio­nen Euro ist. Ein Erb­bau­recht wür­de bedeu­ten, dass die Toch­ter­ge­sell­schaft auf den über­tra­ge­nen Grund­stü­cken bau­en und aus den Grund­stü­cken sowie Gebäu­den Nut­zen zie­hen darf. Außer­dem erwirbt sie einen Ent­schä­di­gungs­an­spruch nach Ablauf des Erb­bau­rechts. Wie das genau funk­tio­niert, wird im Blog-Bei­trag “Heim­fall oder Zeit­ab­lauf” von Uli Scholz erklärt.

Fach­ar­beits­gru­pe Schul­raum­qua­li­tät
In der tem­po­rä­ren Arbeits­grup­pe wur­den unter Feder­füh­rung von SenBJF und Sen­Stadt mit Eltern, Schüler*innen, Schul­lei­tun­gen, Archi­tek­ten, Vertreter*innen der Kam­mern und Men­schen, die sich bereits mit Schul­bau beschäf­tigt haben, Fra­gen zu Gestal­tung, Stan­dards und Qua­li­tät von Schul­bau­ten bera­ten. Die Vor­schlä­ge der Arbeits­grup­pe lie­gen vor und kön­nen auf der Sei­te der Senats­bil­dungs­ver­wal­tung ein­ge­se­hen wer­den.
Die Emp­feh­lun­gen der Fach­ar­beits­grup­pe Schul­raum­qua­li­tät — Band 1
Die Emp­feh­lun­gen der Fach­ar­beits­grup­pe Schul­raum­qua­li­tät — Band 2

GEW – Gewerk­schaft Erzie­hung und Wis­sen­schaft: Bil­dungs­ge­werk­schaft im Deut­schen Gewerk­schafts­bund
Die GEW Ber­lin hat sich bereits 2016 gegen das Pri­va­ti­sie­rungs­vor­ha­ben gestellt. Auf der Lan­des­de­le­gier­ten­kon­fe­renz am 28./29. Novem­ber wur­de dann die­ser Beschluss bekräf­tigt und erwei­tert — mit über­wäl­ti­gen­der Mehr­heit (nur eine Gegen­stim­me): “Gegen die Ideo­lo­gie der schwar­zen Null — Kei­ne Mehr­kos­ten durch ÖPP, kei­ne Steu­er­sen­kun­gen, kei­ne Über­tra­gung von Schul­im­mo­bi­li­en in das Pri­vat­recht und gegen den för­dera­len Mager­staat!

Gemein­sa­me Sit­zung der Schul- und Bau­stadt­rä­te mit der Task­force
SenBJF und SenFin laden in regel­mä­ßi­gen Abstän­den die Schul- und Bau­stadt­rä­te der Bezir­ke ein, um ope­ra­ti­ve Fra­gen zu Schul­sa­nie­rung und  -bau zu bespre­chen.

Hand­lungs­rah­men Ber­li­ner Schul­bau 2026
Im Hand­lungs­rah­men Schul­bau fin­det sich ein Über­blick über die Pla­nun­gen von SenBJF in Form von sechs stra­te­gi­schen Maß­nah­men­be­rei­chen für den Schul­bau bzw. die Schul­sa­nie­run­gen bis zum Jahr 2026.
Hand­lungs­rah­men Ber­li­ner Schul­bau 2026 — Berlin.de

LEA
Lan­des­el­tern­aus­schuss: Er besteht aus jeweils zwei Vertreter*innen der Bezirks­el­tern­aus­schüs­se und Vertreter*innen aus den staat­lich aner­kann­ten Ersatz­schu­len (mit bera­ten­der Stim­me). Gelei­tet wird er von einem Vor­stand, der sich aus einem Vor­sit­zen­den und drei Stellvertreter*innen zusam­men­setzt.
Kon­tak­te von Gemein­gut in Bür­ge­rIn­nen­hand (GiB) zum LEA (Stand 10.12.2017):

  • 28.03.2017: Mail an den Vor­sit­zen­den des Vor­stan­des mit einer Gesprächs­an­fra­ge zur The­ma­tik Schul­bau und Schul­sa­nie­rung
  • 31.03.2017: Ant­wort des Vor­sit­zen­den, dass auf­grund feh­len­der aktu­el­ler Kon­zep­te noch kein Kon­zept bzw. kei­ne Mei­nung des LEA vor­liegt, daher auch noch kein Aus­tausch statt­fin­den kann
  • 03.07.2017: Brief an den Vor­stand des LEA mit wei­ter rei­chen­den Infor­ma­tio­nen und Kon­kre­ti­sie­run­gen
  • 04.11.2017: Rück­mel­dung des Vor­sit­zen­den per Mail zur Pres­se­kon­fe­renz
  • 30.11.2017: Rück­mel­dung des Vor­sit­zen­den per Mail zum Tref­fen im Regen­bo­gen­ki­no
  • 10.12.2017: Ant­wort­schrei­ben per Mail an den Vor­sit­zen­den zur Rück­mel­dung vom 30.11. mit eini­gen Klar­stel­lun­gen
  • 10.12.2017: Schrei­ben an die Stellvertreter*innen im LEA zur The­ma­tik

MEBModu­la­re Ergän­zungs­bau­ten: Unter­richts­ge­bäu­de mit 12 bis 24 Unter­richts­räu­men, Errich­tung im stan­dar­di­sier­ten Bau an schon vor­han­de­nen Schul­stand­or­ten. MEB sind Plat­ten­bau­ten aus Beton­fer­tig­tei­len, Stahl­trag­werk und an der Fas­sa­de befes­tig­tem Wär­me­dämm­ver­bund­sys­tem. Sie ent­spre­chem dem Kon­zept der Flur­schu­le und ent­hal­ten kei­ne Fach­räu­me oder Leh­rer­zim­mer. Die Bau­ten kön­nen rela­tiv schnell errich­tet wer­den, sind aber pro Schul­platz sehr teu­er. Ein­zi­ger Lie­fe­rant der MEB ist bis­her die Fir­ma Gold­beck — die auch ein wich­ti­ger Akteur als ÖPP-Anbie­ter ist.

MOBS — Modell­vor­ha­ben zur Beschleu­ni­gung von Schul­neu­bau­ten – Ver­wal­tungs­ver­fah­ren zur schnel­le­ren Umset­zung von Neu­bau­vor­ha­ben von Schu­len. Am 31.08.2017 waren acht in die­sem Ver­fah­ren geplan­te Schul­neu­bau­ten in der aktu­el­len Inves­ti­ti­ons­pla­nung berück­sich­tigt, drei wei­te­re soll­ten fol­gen.[1] Am 11.12. und 12.12.2017 wur­den 10 Archi­tek­tur­ent­wür­fe von MOBS vor­ge­stellt, sie sind der­zeit im Stadt­haus am Mol­ken­markt aus­ge­stellt. Die Ber­li­ner Zei­tung zu den MOBS:

Die Schu­len sol­len zwi­schen 2019 und 2023 fer­tig­ge­stellt sein, wer­den 2848 Plät­ze in Neu­bau­ten und 1632 Plät­ze in sanier­ten Räu­men haben. Für sechs der MOBS-Schu­len wird es einen gemein­sa­men Gene­ral­pla­ner geben. Gene­ral­un­ter­neh­mer wer­den eines oder meh­re­re Pro­jek­te rea­li­sie­ren.

Pri­va­ti­sie­rung
Pri­va­ti­sie­rung ist ein Ober­be­griff für ver­schie­de­ne For­men von Ent­staat­li­chung. Es gibt die for­mel­le (oder Rechts­form-) Pri­va­ti­sie­rung, die funk­tio­na­le Pri­va­ti­sie­rung (ins­be­son­de­re Öffent­lich-Pri­va­te Part­ner­schaf­ten, ÖPP) und die mate­ri­el­le Pri­va­ti­sie­rung — den (Teil-)Verkauf. Dar­über­hin­aus exis­tie­ren wei­ter­hin zahl­rei­che Über­schnei­dun­gen, Über­gän­ge und auch Wech­sel­wir­kun­gen zwi­schen die­sen drei Kate­go­ri­en. Die Ver­wen­dung des Ober­be­griffs “Pri­va­ti­sie­rung” ord­net die “Schul­bau­of­fen­si­ve” ein und grenzt sie ab von weni­ger aus­sa­ge­kräf­ti­gen Zuschrei­bun­gen wie zum Bei­spiel “Öffent­lich-Öffent­li­che Part­ner­schaf­ten”.

Pro­jekt­grup­pe
Die Pro­jekt­grup­pe ist der Task­force nach­ge­ord­net. Sie soll aus Vertreter*innen von SenBJF, Sen­Stadt, SenFin, der Senats­kanz­lei, der Bezir­ke gemäß Zustän­dig­keit, der BIM, der HOWO­GE und der geplan­ten Schul­sa­nie­rungs-GmbHs bestehen. Ihre Auf­ga­ben sind ein kon­ti­nu­ier­li­ches Vor­an­trei­ben der Pro­zes­se, die Abstim­mung unter­ein­an­der, die Sicher­stel­lung eines ein­heit­li­chen, aktu­el­len Infor­ma­ti­ons­stan­des der Task­force und die Fer­ti­gung halb­jähr­li­cher Con­trol­ling­be­rich­te.

SenBJF
Senats­ver­wal­tung für Bil­dung, Jugend und Fami­lie von Ber­lin

RIQReinves­ti­ti­ons­quo­te: jähr­li­che Aus­ga­ben zum Ersatz des Ver­schlei­ßes in Pro­zent des Gebäu­de­wer­tes

SaniP – Sani­tär­sa­nie­rungs­pro­gramm: Fonds zur Erset­zung alter Sani­tär­an­la­gen in Schu­len durch neue

SILB Son­der­ver­mö­gen Immo­bi­len des Lan­des Ber­lin bei der Ber­li­ner Immo­bi­li­en­ma­nage­ment GmbH

SIWASon­der­ver­mö­gen Infra­struk­tur der wach­sen­den Stadt, seit 2017 unter dem Namen SIWA­NA

SIWA­NA Son­der­ver­mö­gen Infra­struk­tur der wach­sen­den Stadt und Errich­tung eines Nach­hal­tig­keits­fonds

SSP Schul­an­la­gen­sa­nie­rungs­pro­gramm: seit 2009 bestehen­der Fonds, über des­sen Ver­wen­dung im Bezirk zu 70 % jeder Bezirk ent­schei­det, wäh­rend die Ver­wen­dung von 30 % der bezirk­li­chen Mit­tel von der Senats­ver­wal­tung für Bil­dung, Jugend und Fami­lie vor­ge­schrie­ben wird. Sei­te des Senats zum Schul­an­la­gen­sa­nie­rungs­pro­gramm

Stadt­um­bau – För­der­pro­gramm zur Vor­be­rei­tung, Durch­füh­rung und Abrech­nung

Task­force Schul­bau
Sie wird auf Lan­des­ebe­ne unter Feder­füh­rung der Senats­bil­dungs­ver­wal­tung (SenBJF) ein­ge­rich­tet. Außer­dem gehö­ren ihr Vertreter*innen den Senats­ver­wal­tung für Finan­zen (SenFin) und der Senats­ver­wal­tung für Stadt­ent­wick­lung (Sen­Stadt) sowie zwei Vertreter*innen der Bezir­ke an. Sie tagt auf Staats­se­kre­tärs­ebe­ne mit Arbeits­ebe­ne. Ihre Haupt­auf­ga­be ist die gesamt­städ­ti­sche Steue­rung.

 

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Wich­ti­ge Doku­men­te

Tors­ten Schnei­der, Björn Böh­ning (2016): ” Abschluss­be­richt der AG Schu­le der SPD Ber­lin. In die­sem Bericht lie­fert das infor­mel­le SPD-Gre­mi­um “AG Schu­le” im Ber­li­ner Wahl­kampf das theo­re­ti­sche Grund­ge­rüst für die spä­te­re „Ber­li­ner Schul­bau­of­fen­si­ve“. Zita­te aus dem Doku­ment:
  • Wir schnü­ren ein Gesamt­pa­ket von 5,5 Mrd. €, um den Sanie­rungs­stau in zehn Jah­ren abzu­bau­en und um Schu­len neu- oder aus­zu­bau­en (S.4)
  • Heu­te erken­nen wir, dass der Sanie­rungs­kurs – so nötig und so rich­tig er war – in man­chen Berei­chen zu einem Sanie­rungs­stau geführt hat. […] Dies betrifft etwa den Zustand unse­rer Schu­len, der oft nicht zufrie­den­stel­lend ist. Das ist aber kein Grund für Zäh­ne­knir­schen und Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung, son­dern im Gegen­teil: Ber­lin hat die Trend­wen­de ein­ge­lei­tet und steht vor einem Jahr­zehnt der Inves­ti­tio­nen. Die SPD wird die­se gro­ße Auf­ga­be schnell und kraft­voll ange­hen. (S.5)
  • Die Wie­der­be­schaf­fungs­wer­te der bezirk­li­chen Schu­len sum­mie­ren sich (in aktu­el­len Prei­sen) auf rd. 11,65 Mrd. € (S. 16)
  • Für den lau­fen­den Bau­un­ter­halt von bezirk­li­chen Schu­len wer­den zukünf­tig Mit­tel in Höhe von 1,32 % der Wie­der­be­schaf­fungs­wer­te zur Ver­fü­gung gestellt. (S.21)
  • Errich­tung einer Schul­neu­bau­ge­sell­schaft: […] Errich­tung einer Schul­sa­nie­rungs­ge­sell­schaft: […] Die Kre­dit­fä­hig­keit die­ser Gesell­schaf­ten wird sicher­ge­stellt, ohne die Schul­den­brem­se zu ver­let­zen. Dazu brau­chen sie aber das Dach einer gemein­sa­men Finanz­hol­ding auch mit min­des­tens einer grö­ße­ren Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft. Das EU-Ver­schul­dungs­kri­te­ri­um muss hier ein­ge­hal­ten sein. Und die Kre­dit­er­mäch­ti­gung kann nur durch das Abge­ord­ne­ten­haus erfol­gen. Es geht der SPD nicht dar­um, die Schul­den­brem­se zu rei­ßen – son­dern sie ein­zu­hal­ten. (S.44)

Fischer/Hoff/Keller (2017): Zukunfts­in­ves­ti­tio­nen – Plä­doy­er für eine akti­ve Infra­struk­tur­po­li­tik und nach­hal­ti­ge Finanz­wirt­schaft, her­aus­ge­ge­ben von der Rosa-Luxem­burg-Stif­tung. Im Bericht wer­den Schul-ÖPP kri­ti­siert, neue Infra­struk­tur­ge­sell­schaf­ten hin­ge­gen als Lösungs­mög­lich­keit ange­se­hen. Die­ses Vor­ge­hen wird als “pro­gres­si­ve ÖÖP-Pra­xis” bezeich­net. Zita­te aus dem Doku­ment:

  • Eine pro­gres­si­ve ÖÖP-Pra­xis muss effek­ti­ve Mecha­nis­men zur Ver­hin­de­rung von Pri­va­ti­sie­run­gen der in ÖÖP aus­ge­glie­der­ten öffent­li­chen Ver­mö­gens­be­stand­tei­le ent­wi­ckeln, bei Immo­bi­li­en zum Bei­spiel eine Kom­bi­na­ti­on aus einem Ver­äu­ße­rungs­ver­bot und einem Vor- bzw. Rück­kaufs­recht der öffent­li­chen Hand. (S. 17)
  • Ein Vor­schlag für eine Pri­va­ti­sie­rungs­brem­se (Kri­te­ri­um VI) fehlt in den bis­her ver­öf­fent­lich­ten Über­le­gun­gen. Dies lie­ße sich aber ver­hält­nis­mä­ßig leicht durch eine ver­trag­lich ver­an­ker­te Kom­bi­na­ti­on aus einem Ver­äu­ße­rungs­ver­bot für die über­tra­ge­nen Immo­bi­li­en und einem Vor- bzw. Rück­kaufs­recht für die öffent­li­che Hand auf­lö­sen (S.18)
  • Bleibt aus dem oben genann­ten Kata­log noch die schwie­rigs­te Auf­ga­be, ein rechts­si­che­res Modell der Kre­dit­auf­nah­me als Vor­fi­nan­zie­rung für Inves­ti­tio­nen ohne Rele­vanz für die Schul­den­brem­se zu ent­wi­ckeln. (S.18)
  • Zen­tra­les Kri­te­ri­um für eine schul­den­brem­sen­neu­tra­le Kre­dit­auf­nah­me wäre dem­nach die Rea­li­sie­rung in einer Toch­ter­fir­ma der öffent­li­chen Hand, die ihren Umsatz zu mehr als 50 Pro­zent nicht mit dem Staat, son­dern mit Drit­ten macht. Für die Ein­hal­tung der euro­päi­schen Schul­den­re­gel wäre wie­der­um der oben bereits erwähn­te unter­neh­me­ri­sche Spiel­raum der staat­li­chen Toch­ter­ge­sell­schaft von ent­schei­den­der Bedeu­tung. All das ver­weist die zukünf­ti­gen Über­le­gun­gen dar­auf, ein ÖÖP-Pro­jekt in die­sem Umfang an eine exis­tie­ren­de Gesell­schaft «anzu­do­cken», die die­se Kri­te­ri­en über­wie­gend erfüllt. Denk­bar wäre eine öffent­li­che Inves­ti­ti­ons­bank oder in Ber­lin die Bil­dung einer Hol­ding aller städ­ti­schen Wohnungsbaugesellschaften.(S.19)

Eine Kri­tik des Bei­trags steht z.B. hier: Waß­muth , Carl (2017): “Sol­len Schul­den­re­geln umgan­gen wer­den?” in Lun­a­park 21, Heft 37 sowie hier: Storn, Her­bert (2017): “Die Schu­len wer­den pri­va­ti­siert”, ver­öf­fent­licht im Gemein­gut-Blog

Lan­des­ver­fas­sung von Ber­lin, Arti­kel 67

  • (1) Der Senat nimmt durch die Haupt­ver­wal­tung die Auf­ga­ben von gesamt­städ­ti­scher Bedeu­tung wahr. Dazu gehö­ren: 1. die Lei­tungs­auf­ga­ben (Pla­nung, Grund­satz­an­ge­le­gen­hei­ten, Steue­rung, Auf­sicht), 2. die Poli­zei-, Jus­tiz- und Steu­er­ver­wal­tung, 3. ein­zel­ne ande­re Auf­ga­ben­be­rei­che, die wegen ihrer Eigen­art zwin­gend einer Durch­füh­rung in unmit­tel­ba­rer Regie­rungs­ver­ant­wor­tung bedür­fen. […]
  • (2) Die Bezir­ke neh­men alle ande­ren Auf­ga­ben der Ver­wal­tung wahr.

Schul­bau und -sanie­rung in Ber­lin kurz-, mit­tel und lang­fris­tig (Pha­se I und Pha­se II)”: Senats­vor­la­ge vom 27.06.2017. In die­sem Doku­ment wird der Vor­schlag der „Ber­li­ner Schul­bau­of­fen­si­ve“ auf sechs Sei­ten vor­ge­stellt. Die Senats­vor­la­ge ent­hält ein kom­ple­xes Gewe­be aus Struk­tu­ren, Gre­mi­en und Rege­lungs­vor­schlä­gen. Zu ein­zel­nen Begrif­fen sie­he oben

Beschluss­vor­schlag für den Rat der Bür­ger­meis­ter des Aus­schus­ses für Finan­zen, Per­so­nal und Wirt­schaft  „RdB-Vor­la­ge-Nr. R-172/2017“ vom 11.08.2017. Akktu­ell ist noch nicht bekannt, ob die Bür­ger­meis­ter der Vor­la­ge ganz oder teil­wei­se gefolgt sind. Die bezir­ke äußern eine Kri­tik an der „Ber­li­ner Schul­bau­of­fen­si­ve“, die aller­dings nicht sehr weit­rei­chend ist. Sie­he dazu den Bei­trag von Kat­rin Kusche Schul­pri­va­ti­sie­rung – bis­her nur eine klei­ne Rebel­li­on in Ber­lin

Mel­dung der Bezir­ke zur Abga­be der Zustän­dig­keit der Schul­sa­nie­run­gen an die Senats­ver­wal­tung für Stadt­ent­wick­lung und Woh­nen: Lis­te in Form einer “Moment­auf­nah­me” per 30. Juni 2017, zusam­men­ge­stellt von der Senats­ver­wal­tung für Bil­dung, Jugend, und Fami­lie. Die Lis­te bezieht sich auf Schul­sa­nie­rungs­ob­jek­te in den bei­den Kate­go­ri­en 5,5 Mil­lio­nen bis 10 Mil­lio­nen Euro und ab 10 Mil­lio­nen Euro. Gemel­det wur­den von den Stadt­be­zir­ken 48 Maß­nah­men: 25 Objek­te in der Kate­go­rie 5.5 bis 10 Mil­lio­nen Euro, 23 Objek­te in der Kate­go­rie ab 10 Mil­lio­nen Euro. Die Bezir­ke Neu­kölln und Trep­tow-Köpe­nick, Wil­mers­dorf-Char­lot­ten­burg wol­len die “Amts­hil­fe” gemäß der Zwei-Pha­sen-Schul­bau­of­fen­si­ve” nach die­ser Lis­te nicht in Anspruch neh­men, über­tra­gen also kei­ne Grund­stü­cke und müs­sen dafür spä­ter auch kei­ne Mie­te für die sanier­ten Schu­len an die HOWO­GE zah­len, weil sie das Bau­en schon bis­her allein gut orga­ni­siert haben. Mar­zahn-Hel­lers­dorf und Lich­ter­berg haben eben­falls kei­nen Anlass gese­hen, Grund­stü­cke an den Senat zu mel­den. Betrof­fen sind von der “Amts­hil­fe” mit Erb­bau­rechts­über­tra­gung auf Schul­grund­stü­cke zwecks Kre­dit­be­lei­hung nach die­ser “Moment­auf­nah­me” sechs Bezir­ke: Mit­te, Fried­richs­hain-Kreuz­berg, Pan­kow, Span­dau, Tem­pel­hof-Schö­ne­berg, Rei­ni­cken­dorf.

Per­so­nal­po­li­ti­sches Akti­ons­pro­gramm 2017/18 der Senats­ver­wal­tung für Finan­zen vom Juli 2017

Bespre­chungs­un­ter­la­ge für die Sit­zung des Senats am Diens­tag, dem 12.09.2017

Rat der Bür­ger­meis­ter: RdB-Vor­la­ge-Nr. R-200/2017

 

Kom­men­tie­rung der Doku­men­te: Carl Waß­muth

 

 

 

3 Kommentare »

  • Heimfall oder Zeitablauf? | Gemeingut sagt:

    […] „Das ABC der ‚Ber­li­ner Schul­bau­of­fen­si­ve“ […]

  • Frank Lienau sagt:

    Es ist ein Hor­ror wenn auch in die­sem Fall, die nur schwer zu errei­chen­de Mobi­li­sie­rungs­qute in der Bevöl­ke­rung eine Abwehr der ÖPP errei­chen könn­te. In die­sem Fall soll­te zu den Argu­men­ten der GIB und ande­ren Gleich­ge­sinn­ten eine Stel­lung­nah­me der Befür­wor­ter erzwun­gen wer­den. Das Pri­mat der Wirt­schaft über die Poli­tik muss zurück­ge­drängt wer­den!
    Frank Lienau

  • luise sagt:

    Von einer hart arbei­ten­den nor­ma­len Bevöl­ke­rung die ihren All­tag orga­ni­sie­ren muss…kann man nicht erwar­ten das sie die Metho­den der Her­re­schafts­eli­te durchschaut.….der Neo­li­be­ra­lis­mus wird gottgleich…weiter getrieben.….was aber jetzt Zeit wird.…ist die ” Die LIN­KE” zu ent­lar­ven die wegen ihrer eige­nen Gier nach Pos­ten und Poli­ti­ker Versorgung.…sich lang­sam in die Rich­tung bewegt wo sie die Finanz­eli­te hin haben will.

    Die LINKE.….….ist kei­ne alter­na­ti­ve wenn sie den Neo­li­be­ra­lewn auf den Leim geht.

    öffent­lich-pri­va­te Part­ner­schaft (ÖPP) ist nichts wei­ter als die das öffent­li­che Vermögen.…nach und nach an das obe­re 000,1% zu ver­scher­beln.

    Schön wenn Schu­len saniert wer­den, aber wenn der Staat die­se dann 20 jah­re super­teu­er zurück mie­ten muss.….dient das nur der Ren­di­te weni­ger.

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