Gemeingut Kleingärten – Kleingärten erhalten!

von Angelika Paul

Dieser Beitrag soll die Bedeutung des Gemeingutes Kleingärten herausstellen. Lesen sie darin, warum Kleingärten unbedingt erhalten werden müssen:

  • Kleingartenanlagen sind gesundheitsfördernd
  • Kleingartenanlagen sind Trittsteine zum Erhalt der Biologischen Vielfalt
  • Kleingartenanlagen fördern sozialen Zusammenhalt
  • Kleingartenanlagen gehören zur Daseinsvorsorge

 

kleingarten_venedig
Rettet Klein-Venedig in Spandau. Foto: Angelika Paul

 

Kleingartenanlagen sind gesundheitsfördernd

Als Teil des Grünflächensystems erfüllen Kleingärten im Städtebau wichtige Ausgleichs- und Erholungsfunktionen. Daher ist die Förderung des Kleingartenwesens eine wichtige städtebauliche, gesundheits- und sozialpolitische Aufgabe des Landes Berlin ((Stadtgrün. Kleingärten. Internetseite der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz: http://www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/stadtgruen/kleingaerten/)).

Kleingärten bilden eine historisch gewachsene, kulturelle, ökologische und soziale Ressource. Viele Faktoren wie Naherholung, Klimaverbesserung, Windschutz, Lärmminderung, Luftreinigung und das Obst der Bäume, die in Kleingartengeländen zusammenkommen, bewirken eine Stärkung des Immunsystems und dadurch eine Verminderung der Krankheitsanfälligkeit. Als Luftbefeuchter bewahrt das Stadtgrün zudem die Schleimhäute vor Austrocknung und beugt so Atemwegserkrankungen vor.

In Berlin lassen die unversiegelten, innerstädtischen Grünflächen wie Friedhöfe, Parkanlagen und Gärten Niederschlagswasser versickern und sichern die Grundwasservorräte und damit die Trinkwasserversorgung. Sie verhindern den Wasserabfluss bei Starkregenereignissen, die viel Abwasser wegen des überlaufenden Mischkanalsystems, in dem Regenwasser und Abwässer zusammenfließen, ungeklärt in die Flüsse leiten. Dort kommt es wegen des nun zu stark verunreinigtem Wassers unter Umständen zur E.-coli-Verseuchung, wodurch es zum Baden und für die menschliche Versorgung nicht mehr geeignet ist, und zu Sauerstoffmangel, was zum Fischsterben führt. Ganz „nebenbei” sorgt jedes Grün für die Sauerstoffproduktion, ohne den Mensch und Tier nicht leben können.

Naherholung
In einer Zeit zunehmender Hektik, Nervenbelastung und Überreizung der Sinne bekommen Gesundheit und Lebensqualität eine immer größere Bedeutung. Sich draußen im Freien zu bewegen, Sonne zu tanken, Gerüche von Blüten und Erde aufzunehmen, die Vögel singen zu hören – das ist ein Ausgleich zu dem stressigen Arbeitsleben. Bewegung im Grünen macht glücklich. Es gibt so vieles zu entdecken – nicht nur für Kinder.

Für das Wohlbefinden des Menschen sind Gärten mit ihren Bäumen, Sträuchern, Blumen, Stauden und weiterem Grün von großer Bedeutung. Sie sind ein schöner Anblick, bieten etwas fürs Auge und laden zum Ruhetanken ein. Sie fördern die Entspannung. Allein die Stille eines Gartens zieht den stressigen Alltag aus den Knochen, das satte Grün besänftigt das Gemüt, das Rauschen der Blätter gleicht die Stimmung aus, die deutlich verbessert wird.

Es lässt sich ein günstiger Einfluss auf die Organfunktionen durch messbare Parameter feststellen. Der Blutdruck wird gesenkt, was Herzinfarkten vorbeugt, der Herzschlag wird normalisiert, Stress wird reduziert und die Muskeln entspannt. Dies fand der amerikanische Wissenschaftler Roger S. Ulrich heraus, der auch feststellte: Der Blick ins Grüne bewirkt, dass sich Patienten deutlich schneller von einer Operation erholen und seltener über Schmerzen klagen als die Kontrollgruppe, die mit dem Blick auf eine Ziegelsteinmauer sich begnügen musste.

Foto: Angelika Paul
Foto: Angelika Paul

Gartenarbeit wird nicht nur in Kliniken, Reha-Einrichtungen und Heimen therapeutisch eingesetzt, sondern auch im Berliner Kleingartenwesen im Rahmen von psycho- und sozialtherapeutischen Prozessen: In diesem Garten wird ein Teil der begleitenden Arbeit für Kinder im Alter von 4 bis 16 Jahren aus durch Suchtkrankheit gestörten Familien geleistet, wenn Vater oder Mutter bzw. beide eine Suchtkrankentherapie begonnen haben. (Verein zur Förderung der gruppenunterstützten, außerstationären Suchtkrankenbehandlung, Projekt Berlin-Hellersdorf ((Kleingartenanlagen, für die die Schutzfrist in allen Bezirken Berlins 2020 endet:))).

Kinder im Kleingartengelände. Foto: Angelika Paul
Kinder im Kleingartengelände. Foto: Angelika Paul

Für Kinder sind Gartengelände ideale Spielorte, wo sie sich ohne Angst vor Autoverkehr, behütet durch viele Gartenfreunde, austoben können. Sie sehen die Pflanzen blühen, beobachten die summenden Bienen an der Blüte, riechen an ihr und erleben den Duft und die Obstreifung. Kinder lernen so, wo Obst und Gemüse herkommt: aus der Natur, nicht aus dem Supermarkt.

Nicht nur Kinder erfahren hier mehr Sicherheit, auch für erwachsene Erholungssuchende sind Kleingartengelände sicherer als Parkanlagen.

Klimaverbesserer und Windschutz
Für die geplante Nachverdichtung haben gerade Kleingärten eine eine wichtige Funktion. Wenn jetzt die derzeit überall noch vorhandenen und meist begrünten Lücken bebaut werden, muss dafür ein Ausgleich geschaffen werden. Wir brauchen also mehr Kleingärten, und zwar überproportional mehr als es dem Bevölkerungswachstum entspricht, da sie auch die bei Neubebauung verlorengehenden innerstädtischen Brachflächen ersetzen müssen.

44 Prozent der Berliner Landesfläche von 89.175 Hektar werden von Grün- und Wasserflächen bedeckt. 2757 Hektar davon sind Kleingärten mit circa 444.000 Bäumen. Bäume, die Kohlenstoff in ihrem Holz binden, sind nach den Meeren und den existenziell bedrohten Mooren die größten Kohlenstoffsenken dieses Planeten. Daher gilt es, Baumbestände zu erhalten und zu vermehren, will die Politik dem Treibhauseffekt wirklich Einhalt gebieten. Das Grün der Pflanzen trägt zur Erhöhung der CO2-Bindung und damit zur CO2-Neutralität Berlins bei, die durch vom Menschen verursachte Emissionen gefährdet ist.

Kindergarten im Kleingartengelände. Foto: Angelika Paul
Kindergarten im Kleingartengelände. Foto: Angelika Paul

Die Kleingärten und andere Grünflächen beeinflussen das urbane Mikroklima an heißen Sommertagen, da durch ihre Verdunstungstätigkeit Kaltluftgebiete entstehen und die Luft kühlen.

Bäume beeinflussen in positiver Weise das Stadtklima. Die Funktion von Wäldern, Gärten und Parks als „Grüne Lunge“ ist besonders in Städten und Ballungsgebieten lebenswichtig. Die Gärten mit ihren Bäumen sind Frischluftschneisen und verhindern, dass sich die Stadt zu stark aufheizt. Büsche und Bäume vor dem Haus gelten als natürliche Klimaanlage. Sie kühlen an heißen Tagen durch Verdunstung die Luft in den Städten ab und machen das Leben draußen für den Menschen angenehmer. Bäume verbessern die Atemluft, weil sie mehrere hundert Liter Wasser am Tag verdunsten.

Bäume verringern die Windgeschwindigkeit und damit die Tragkraft der Luft. Sie wirken somit wie ein Kamm, der den Staub aus der Luft entfernt. In unseren Gärten und Parkanlagen werden bis zu 85 Prozent der Schwebstoffe aus der Luft gefiltert, durch Straßenbäume bis zu 70 Prozent.

Lärmminderung und Luftreinigung
Auf der IGA (Internationale GartenAusstellung) Hamburg 2012 wurde ein Projekt gezeigt, wie sich Planer modernen Schallschutz für die Stadt vorstellen: Als Schutz gegen den lauten Straßen- und Schienenverkehr soll die Errichtung von Schallschutzwänden oder -wällen mit einer Höhe zwischen 4 ½ und 6 Metern dienen. Lebt man damit nicht wie in einem Gefängnis? An hochbelasteten Teilabschnitten kann dadurch der Lärmpegel, der tagsüber bei über 75 Dezibel liegt, um 5 bis 8 Dezibel gesenkt werden. Werte ab 60 Dezibel werden als unangenehm empfunden, ab 100 Dezibel kann es zu Hörschäden kommen. Dauerlärm, auf den Kinder deutlich empfindlicher reagieren als Erwachsene, führt zu Dauerstress und in der Folge zu Gesundheitsschäden wie Herzinfarkt. Aber auch Gehörzellen, die nicht die Möglichkeit haben, sich zu erholen, sterben langsam ab, wodurch es auf längere Sicht zu einem Hörverlust kommt. Verkauft wird dieses „fortschrittliche Lärmschutzkonzept” als „Wohnen ohne Dauerlärm für mehr Lebensqualität”.

Bäume mindern auch den Gestank, der durch den Autoverkehr verursacht wird. Bäume sind Luftreiniger besonders in Ballungsräumen, Industriegebieten und Städten, denn ein Baum filtert Schadstoffe, giftige Abgase, radioaktive Stoffe, Ruß und Staub aus der Luft.

Ein großkroniger Laubbaum filtert stündlich 4.000 Kubikmeter Luft und reinigt sie jährlich von über 100 Kilogramm Staub, bindet Schadstoffe wie Kohlenmonoxid (CO), Schwefeldioxid (SO2) und Stickoxide (NOx). Wieviel leisten dann die 444.000 Bäume in den Berliner Kleingärten?

Obst: Lebensmittel und Medizin

Obst zu verschenken! Foto: Angelika Paul
Obst zu verschenken! Foto: Angelika Paul

Eure Lebensmittel sollen Heilmittel und Eure Heilmittel Lebensmittel sein,

propagiert Parcelsus (1493 – 1541).

Überschüssiger Obstreichtum wird häufig mit Anwohnern und anderen Menschen geteilt.

Allen Obstarten ist gemeinsam, dass sie viel Wasser, Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe wie Folsäure, Flavonoide und Karotinoide enthalten, das allgemeine Wohlbefinden fördern und wie Heilkräuter als Heilmittel wirken. In ihrem komplexen Zusammenspiel stärken sie u.a. das Immunsystem und schützen die Zellen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben erwiesen, dass der regelmäßige Verzehr von Obst und Gemüse nicht nur das allgemeine Wohlbefinden fördert, sondern auch das Risiko bestimmter schwerer Erkrankungen vermindert, darunter verschiedene Krebsarten und Herzerkrankungen.

Apfelernte. Foto: Angelika Paul
Apfelernte. Foto: Angelika Paul

Der Apfel ist der Deutschen liebstes Obst. Im Kleingarten erzeugt, erreicht es den Verbraucher ohne Umweltverschmutzung durch Gütertransport. Circa 600.000 Tonnen Äpfel werden jährlich eingeführt. Äpfel aus dem Garten haben etliche Vorteile gegenüber dem Supermarktobst. Sie sind nicht mit Pflanzenschutzmitteln belastet. Das Fruchtfleisch der alten und naturgemäß gezogenen Sorten ist meist fester und schmackhafter. Die Früchte duften und schmecken intensiver.

 

Kleingartenanlagen sind Trittsteine zum Erhalt der Biologischen Vielfalt

 

Amsel. Foto: Angelika Paul
Amsel. Foto: Angelika Paul

Der Berliner Senator für Stadtentwicklung und Umweltschutz, Michael Müller, sagt:

Das ausgezeichnete Potenzial Berlins als grüne Metropole ist Chance und Auftrag gleichermaßen. Lebensräume, Ökosysteme, Tier- und Pflanzenarten und deren genetische Ressourcen sollen im Einklang mit der Fortentwicklung der Stadt erhalten bleiben. ((Berlins Biologische Vielfalt. Berliner Strategie zur Biologischen Vielfalt. Begründung, Themenfelder und strategische Ziele. Broschüre der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz: http://www.stadtentwicklung.berlin.de/natur_gruen/naturschutz/downloads/publikationen/biologische_vielfalt_strategie.pdf, S.3))

Biene am Krokus. Foto: Angelika Paul
Biene am Krokus. Foto: Angelika Paul

Als integraler Bestandteil des Berliner Freiflächen- und Grünsystems haben die Kleingartenanlagen … Bedeutung für den Natur- und Artenschutz in der Stadt. Sie sind wichtige Lebensräume für die artenreiche Flora und Fauna der Stadt… Auch als Reservoir genetischer Artenvielfalt erfüllen Kleingärten heute eine wichtige Funktion: … pflegen alte Nutz- und Kulturpflanzen, die in der erwerbsmäßigen Landwirtschaft nicht mehr angebaut werden und dadurch oft vom Aussterben bedroht sind ((Das bunte Grün. Kleingärten in Berlin. Broschüre der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt: http://www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/stadtgruen/kleingaerten/downloads/Kleingartenbroschuere.pdf, S. 13)).

 

Eichhörnchen. Foto: Angelika Bauer
Eichhörnchen. Foto: Angelika Bauer

Warum sollte / muss die Biologische Vielfalt erhalten werden? Wir Menschen sind nicht aus Stein, sondern Lebewesen, die atmen und sich ernähren müssen und somit in das Geflecht der Beziehungen in der Natur eingebunden sind. Die Natur, also Bäume, Sträucher – alles Grün, sorgt für die Produktion des Sauerstoffs, auf die wir und alle Tiere zwingend angewiesen sind. Für die Bestäubung von Pflanzen und somit für ihren Erhalt durch Samenbildung und die menschliche und tierische Ernährung mit Gemüse und Obst sorgen außer den Honigbienen auch Solitärbienen und Hummeln, Käfer, Fliegen und Schmetterlinge bei 80 Prozent der Pflanzen.

Bläuling am Steppensalbei. Foto: Angelika Paul
Bläuling am Steppensalbei. Foto: Angelika Paul

Mit den Kolonien sind zahlreiche Imker, die ortsnah und verantwortungsvoll Honig erzeugen, bedroht. Mit dem Verlust der Gärten geht die Bestäubungsarbeit nicht nur der Honigbiene verloren. Jeden Tag werden in Deutschland 1,31 Millionen Quadratmeter Natur für den Straßen- und Siedlungsbau zerstört. Jeden Tag! Das sind täglich gut 100 Hektar. So kann es nicht weitergehen, befand die Bundesregierung und hat im Jahr 2002 das 30 ha-Ziel in die Nationale Nachhaltigkeitsstrategie aufgenommen, worin die bundesweite Versiegelung von Flächen für Siedlungs- und Verkehrszwecke bis zum Jahr 2020 auf 30 Hektar täglich reduziert werden soll.

Erhalt der Artenvielfalt und Schaffung eines Biotopverbundes

Rosenkäfer. Foto: Angelika Paul
Rosenkäfer. Foto: Angelika Paul

Der Trend der Gartengestaltung geht zum naturnahen Gärtnern (vgl. Themen in der Verbandszeitung Gartenfreund).
In der Regel leben in Kleingartenanlagen durch das Naturschutzgesetz besonders und streng geschützte Tierarten wie Igel, Maulwurf, Brandmaus, Libellen, Wildbienen, Hummeln, Vögel, Molche, Kröten, Eidechsen, Laufkäfer, Prachtkäfer, Eichhörnchen u.v.m.

Fledermaus. Foto: Angelika Paul
Fledermaus. Foto: Angelika Paul

Allein in der kleinen Wilmersdorfer Kolonie Oeynhausen stehen1500 bis über 100 Jahre alte Obstbäume. Dazu kommen Sträucher, Stauden, Gemüsepflanzen, die durch wertvolle Nisthilfen wie Vogelnistkästen, Steingärten, Teiche und Totholz ergänzt werden, sodass ein kleinteiliges Angebot von Lebensräumen einer Vielfalt an Tieren eine Nische bietet und im Ökosystem der Stadt eine wichtige Korridorfunktion einnimmt. Nur durch die Vernetzung kleiner Biotope in der Stadt kann die bedrohte Tierwelt hier überleben.

Laubbäume sorgen durch ihren Laubabwurf für die Humusgewinnung und den Schutz des Bodens vor Abtragung durch Wind, somit also für den Bodenerhalt, der die Grundlage für Nahrungs- und Tierfutterproduktion darstellt.

Nachtfalter am Sommerflieder. Foto: Angelika Paul
Nachtfalter am Sommerflieder. Foto: Angelika Paul

Auch haben Kleingärten im allgemeinen einen höheren ökologischen Wert als Parkanlagen, die wegen Geld- und Personalmangels reduziert oder naturfeindlich gepflegt werden. Von Mitbürgern gepflegte Kleingartenanlagen zeigen etliche Vorteile gegenüber herkömmlichen Parkanlagen:

  • Kleingartenkolonien sind wesentlich erlebnisreicher (jeder findet „seinen” Lieblingsgarten)
  • vielseitiger in der Bepflanzung
  • liebevolle Pflege / Im Gegensatz zu öffentlichem Grün werden Kleingärten wirklich ständig gepflegt.
  • herrlicher Bestand alter Obstäume (historische Sorten, Genreservoir, Erhaltung der genetischen Vielfalt)
  • In Kleingartenkolonien werden niemals alle Sträucher gleichzeitig auf den Stock geschnitten und damit die Brutmöglichkeiten der Freibrüter und Bodenbrüter unter den Vögeln zerstört
  • weniger Vandalismus
  • sicherere Naherholungsgebiete für Jung und Alt
  • Kontraste: Naturgärten, Gemüsegärten, andere Gärten
  • Die Mittel für öffentliches Grün und seine Unterhaltung wurden immens gekürzt. Grünzonen werden bei Lückenschließungen und Ausbauten von Dachgeschossen immer wichtiger.
  • Kleingärten gleichen die prekäre öffentliche Finanzlage durch privates Engagement aus.
  • Ralf Hillenberg, MdA: „Kleingärten sind die billigste Investition für die Stadt… Es ist gerade, auf die Grünflächen der Stadt bezogen, die absolut preiswerteste Möglichkeit,die man sich denken kann. Man bezahlt den Kleingärtnern nichts, im Gegenteil, das Land erhält Pachtgebühren und erhält eine Landschaft, die gepflegt ist. Was will man eigentlich mehr?” ((Berliner Gartenfreund, Juni 1994, S. 6/40))

 

Kleingartenanlagen fördern sozialen Zusammenhalt

 

Kinder- und Sommerfest wird festlich eingeleitet. Foto: Angelika Paul
Kinder- und Sommerfest wird festlich eingeleitet. Foto: Angelika Paul

Beispiel Berlin: Der Senator für Stadtentwicklung und Umwelt, Michael Müller, hebt hervor, dass eine

hohe Lebensqualität für alle Altersgruppen der Stadtbewohner mit sozial stabilen, integrierenden und gesunden Wohnquartieren ein Faktor ist, der Menschen veranlassen kann, in Berlin zu bleiben oder auch in die Stadt zu ziehen ((Veranstaltung in der Urania, 8. April 2014 – Reinhard Schubert, Senatsmitglied in leitender Stellung: Wildwuchs in Berlin – Was hat das mit dem Klima zu tun?)).

Die meisten Kleingartenanlagen in Berlin gehören der öffentlichen Hand, von der sie an Bezirksverbände der Kleingärtner verpachtet werden. Diese wiederum schließen für die einzelnen Parzellen Unterpachtverträge mit Interessenten ab. Diese stehen unter Aufsicht der Behörde und bezahlen für die Pflege öffentlichen Grüns, wodurch das Land Berlin jährlich circa 6 Millionen Euro Kleingartenpachten einnimmt.

Die Pächter spiegeln Berlins soziale Durchmischung von Alt bis Jung, von Akademiker bis Hilfsarbeiter und die multinationale Einwohnerkultur wider; sie stammen aus allen Teilen der Erde und führen Zaun an Zaun ein nachbarschaftliches Miteinander. Beispielsweise beträgt der Ausländeranteil in der 110 Jahre alten Wilmersdorfer Kolonie Oeynhausen 10 Prozent. Dies führt zu sozialer Integration und zu sozialem Frieden.<

Man kann sich fragen, was in Stadtvierteln passiert, in denen es keine nennneswerten selbstgestaltungsfähigen Grünflächen mehr gibt wie zum Beispiel die Pariser Banlieu. Dort kam es zu sozialer Segregation, also der Trennung der Bevölkerungsgruppen aus religiösen, ethnischen oder schichtspezifischen Gründen. Es kam zu Unruhen und Absinken des Bildungsniveaus.

Reiche Leute kaufen sich ihr Eigenheim im Speckgürtel oder mieten ein Townhaus, arme Leute müssen an den großen Verkehrsachsen wohnen, wo sie sich Wohnraum noch leisten können, aber Verkehrslärm und anderen gesundheitsschädlichen Emissionen ausgesetzt sind. Über die Verkehrsachsen fahren dann die Reichen vom Speckgürtel zu ihrem Arbeitsplatz in die Innenstadt. Diese Form der Zersiedlung verursacht neben den sozialen Folgen auch enorme ökologische Schäden.

Auch der Senat rechnet durch das Verschwinden der Biologischen Vielfalt in Berlin mit sozialen Unruhen. Er stellt sich nur die Frage, wann??? ((Veranstaltung in der Urania, 8. April 2014 – Reinhard Schubert, Senatsmitglied in leitender Stellung: Wildwuchs in Berlin – Was hat das mit dem Klima zu tun?))

Kleingärten haben eine lange Tradition in Berlin. Seit 150 Jahren gibt es sie, und man kann nicht sagen, dass dies eine Zeit der „Zwischennutzung” ist, womit Politiker gern das Vorhalten von Kolonien als Bauland begründen. Zwischen 1880 und 1900 wuchs Berlins Bevölkerung rasant von 750.000 auf 1,9 Millionen Einwohner, was zu katastrophalen Wohnverhältnissen führte. In jedem Wohngebäude wohnten in Berlin doppelt bis dreifach so viele Menschen wie in vergleichbaren deutschen Großstädten ((Landesverband Berlin der Gartenfreunde e.V., 5. Merkblatt: „Berliner Kleingärtner-Tradition”. Im Internet: http://www.kleingartenvereine.de/recht/berlin/faltblatt5.pdf)). …, überbelegte Mietskasernen, dunkle Hinterhöfe und wenig Grün waren die Folge ((http://www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/stadtgruen/geschichte/de/kleingaerten/index.shtml)), wie der Senat für Stadtentwicklung auf seiner Webseite schreibt. In Auflehnung gegen Armut und Wohnungsnot erkämpften sich vor allem Arbeiterfamilien die kleinen Gärten nicht nur zur Selbstversorgung, sondern auch um die Natur zu genießen.Kleingärten sind eine wichtige soziale und ökologische Errungenschaft.

Diese sogenannten „Armengärten” waren die Vorläufer der heutigen Schrebergärten. Obwohl sich die Kleingärten in ihrer Bedeutung vom Beitrag zur Ernährung der Familie zu naturnahen Gärten mit Selbstversorgung gewandelt haben, behielten sie über alle Zeiten hinweg ihre sozialpolitische Bedeutung. Städte wie Paris oder London mögen für junge Touristen nett sein, die Wohnqualität für die meisten Menschen dort ist mittlerweile schrecklich. Berliner, die einmal drei Monate in Paris wohnten, haben an den Wochenenden versucht, für ein Picknick ein ruhiges Grünfleckchen innerhalb des Pariser Autobahnrings zu finden (das nicht nach Urin roch) – das war ein nahezu unmögliches Unterfangen.

Heutzutage wird der wirtschaftliche Nutzen des Obst- und Gemüseanbaus durch den Aspekt des biologischen Anbaus, aber auch durch die Freizeit- und Erholungsnutzung, die naturnahe Gartengestaltung sowie die städtebauliche Funktion im Rahmen der Grün- und Freiflächenplanung ergänzt. Kleingärten sind darüber hinaus auch ein wichtiges Element zur Durchgrünung und Auflockerung der Bebauung und bieten durch ihre öffentliche Zugänglichkeit auch der Anwohnern und Besuchern Erholungsmöglichkeiten. Sie kommen dem Mikroklima in den Städten zugute und verbessern ihre ökologischen Grundlagen. Die rund 930 Berliner Kleingartenanlagen sind daher ein wesentlicher Bestandteil des Grünflächensystems der Stadt, weshalb die Berliner Kleingartenanlagen – wo immer es geht – dauerhaft im Stadtgebiet erhalten bleiben sollen ((http://www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/stadtgruen/geschichte/de/kleingaerten/index.shtml)) .

 

Kleingartenanlagen gehören zur Daseinsvorsorge – Übersicht

 

  • ganzheitliches Erlebnisfeld: Naturerleben gepaart mit sozialer Kommunikation, Geselligkeit und lebender Nachbarschaft

  • lange Tradition und immer noch zeitgemäß

  • Verdrängung der Kleingärten an den Stadtrand bedeutet, dass zuerst ein Auto angeschafft werden muss, bevor ein Kleingarten gepachtet werden kann. Folge: Zunahme des Autoverkehrs, der Abgase. Das ist weder umwelt- noch familienfreundlich. Diese „Randwanderung” bedeutet, dass sich weniger Begüterte diese Art der Erholung nicht leisten können. Erholung heißt auch Vorbeugung vor Krankheiten, gesunde Kinder, gesündere Arbeitnehmer, eine gesunde Bevölkerung

  • wohnortnahe Erholung. „Gerade zu den Wochenenden und in den Ferien sind die Straßen und Autobahnen dicht, die Naherholungsgebiete, aber auch fernere Ziele in den Mittelgebirgen und an der Küste hoffnungslos überlaufen. Lange Suche nach einem freien Parkplatz. Die besten Badeplätze belegt. Restaurants und Cafés überfüllt. Lärm und Betriebsamkeit überall. Ärger, Stress,.verlorene Zeit und gereizte Nerven sind nicht selten.” [Berliner Gartenfreund, April 1994, S. 59]

  • Verbesserung des Klimahaushalts (Ökosystemdienstleistungen)

  • Frischluftschneise / Belüftungsbahnen im Ballungsraum. Eine Betonstadt ist unattraktiv. Wer will das? Anwohner? Touristen?

  • stadtklimatische Bedeutung (Luftfeuchtigkeit / Temperatur)

  • Kühlung: „So weisen Gebiete vor und hinter hohen Bebauungen Temperaturunterschiede auf, die nicht nur auf mangelnden Luftaustausch hinweisen, sondern auch Emissionswerte aufweisen, die die EU-Richtlinien zu 50 Prozent übersteigen.” [Berliner Gartenfreund, Februar 1994, S. 2/52]

  • Sauerstoffspender

  • Windbremse

  • Staubschlucker

  • Bodenentsiegelung

  • Emissionsausgleichflächen

  • Lärmbremse

  • Luftreinigung (Autoabgase / Industrieemissionen)

  • Verbesserung des Naturhaushalts (Ökosystemdienstleistungen)

  • Grünschneisen – ökologische Vernetzung mit Parkanlagen und Wäldern / Korridore für die Bewahrung der ökologischen Vielfalt

  • ökologische Bedeutung – höher als Parkanlagen

  • ökologische Nischen wie Trocken- und Feuchtbiotope (Teiche)

  • Hort der Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren (wir schreiben die UN-Dekade der Biodiversität 2011 bis 2020)

  • Hort der genetischen Ressourcen – Erhalt alter Obstsorten, Grundlage für Neuzüchtungen

  • Verbesserung der Wohnqualität (grünes Umfeld)

  • Planungsvorgaben des Deutschen Städtetages werden nicht erreicht, dass für jeden Bürger zwölf Quadratmeter Grünfläche „fußläufig erreichbar” zur Verfügung stehen sollen [Berliner Gartenfreund, Februar 1994, S. 2/52]

  • Naherholung für jedermann, unter anderem für Arme, Kranke, Alte und Familien

  • Freizeitgestaltung mit Kindern

  • Kinder und Jugendliche werden für die Natur sensibilisiert, was eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung fördert. Die Vermittlung besserer Naturkenntnisse, ihrer Eigenschaften, ihres wirtschaftlichen Wertes fördern Respekt und Achtung und bewahren junge Menschen vor späterem Vandalismus und Zerstörung ihrer Umwelt (Stichwort: Naturpädagogik)

  • Bildungsmöglichkeit für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Soll sie ihnen genommen werden?

  • Kindergartengruppen, Schulklassen, Eltern, Großeltern haben die Möglichkeit bei Spaziergängen, die Vielfältigkeit der Natur zu allen Jahreszeiten zu beobachten

  • Kinder können beobachten, woher das Gemüse und Obst kommt: Sie sehen Kohlrabi und Tomatenpflanzen wachsen, Äpfel und Birnen reifen. Sie sehen, dass das Ernten mit Mühen verbunden ist, und entwickeln Achtung vor Gärtnern und Landwirten, die unsere Lebensmittel erzeugen

  • Grün erhöht die Erlebnisqualität eines Stadtraumes; vielfältige Natur kann hier aus unmittelbarer Nähe betrachtet werden. Vernichtung der historischen Grünanlagen (Kleingärten) ist kaum wieder gutzumachen

  • Informations- und Lehrgärten

  • Gartenfachberatung für jedermann

  • wichtiger Teil der Berliner Stadtkultur und Alltagskultur

  • Historische Lauben – Bewahrung von Kulturgütern

  • ehrenamtliches, bürgerschaftliches Engagement

  • gemeinnützige Arbeit wird ehrenamtlich geleistet

  • in Kleingärten wachsen Familien auf, stecken Arbeit und Erinnerung sowie soziale Kontakte

  • Kinderspielplätze / Kinderspiel und Umwelterziehung

  • Kleingärten bieten Kindern vielfältige Möglichkeiten zu kreativen Spielen

  • begegnungsfreundliche Grünanlagen mit Sitzgruppen

  • Spielfläche für Rasenspiele (auch für Erwachsene)

  • soziale Angebote

  • Miteinander der Gartenfreunde: u.a. Wochenendreisen, Bastelnachmittage

  • Gemeinschaftsaktivitäten (offen für Gäste): Skat, Sommerfeste, Kinderfeste, Grillfeste, Weihnachtsmärkte – Erlöse werden häufig für gute Zwecke gespendet

  • Einladung zu Festen / Kaffee und Kuchen an: Waisenkinder, krebskranke Kinder, Seniorengruppen, Umsiedler

  • Solidargemeinschaft der Generationen, Nationen und sozialen Unterschiede:
    Kleingärten beherbergen Kinder und Jugendliche, Familien und Singles, Behinderte, Betagte, Sozialhilfeempfänger, gut Betuchte, verschiedenste Berufe und Lebensformen – über alle nationalen und ethnischen Grenzen hinweg und fördern den Dialog und die Integration aller Beteiligten

  • Schulgärten, Kitagärten, Fachgärten, Gemeinschaftgärten, Selbsterntegärten gibt es in Kleingartenanlagen

  • Kleingärten als Medizin

  • Leistungsfähigkeit des Kleingartenwesens im Rahmen von psycho- und sozialtherapeutischen Prozessen:
    „In diesem Garten wir ein Teil der begleitenden Arbeit für Kinder im Alter von 4 bis 16 Jahren aus durch Suchtkrankheit gestörten Familien geleistet, wenn Vater oder Mutter bzw. beide eine Suchtkrankentherapie begonnen haben.” (Verein zur Förderung der gruppenunterstützten, außerstationären Suchtkrankenbehandlung, Projekt Berlin-Hellersdorf. [Berliner Gartenfreund, August 1994, S. 8/39]

  • „In einer Zeit zunehmender Hektik, Nervenbelastung und Überreizung der Sinne scheint mir die Einfachheit der Gartenarbeit und des Aufenthalts in freier Natur ein notwendiger Ausgleich zu sein, um Gesundheit und Lebensfreude zu erhalten… In einer Zeit, wo man aus lauter Angst vor Krankheitserregern schon den Kindern das Spielen im Wald und das Essen von Waldhimbeeren verbieten will, erscheint mir dies sehr wichtig.” Dr. med. Brun Wikowski [Berliner Gartenfreund, Februar 1994, S. 19]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert