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Nix drin — der Advents­ka­len­der des Ber­li­ner Senats

24 Dezember 2017

Nur lee­re Tür­chen — so bringt man Kin­der­au­gen nicht zum Glän­zen. Lie­ber Senat, das geht bes­ser!

24. Dezem­ber: War­um macht der Senat nicht das Ein­fa­che – das gleich­zei­tig das Not­wen­di­ge ist? War­um beginnt er nicht ein­fach mit dem Bau und der Sanie­rung, mit öffent­li­chem Geld und in öffent­li­cher Regie? Schnell und ohne den schäd­li­chen Umweg über eine Pri­va­ti­sie­rung?

Kom­men­tar GiB: War­um nicht die Schul­sa­nie­run­gen sofort star­ten, statt jetzt jah­re­lang eine GmbH auf­zu­bau­en – als Par­al­lel­struk­tur zu den Bezir­ken und mit all den Pri­va­ti­sie­rungs­fol­gen? War­um nicht den Schul­bau öffent­lich und aus­rei­chend finan­zie­ren, statt teu­rer Kapi­tal­markt­kre­di­te im Rah­men einer GmbH zu täti­gen, statt Schu­len als Kre­dit­si­cher­hei­ten an Ban­ken zu ver­pfän­den? War­um nicht das Per­so­nal in der öffent­li­chen Hand aus­bau­en und bes­ser ent­loh­nen, statt der Schul-GmbH zu erlau­ben, der Bau­ver­wal­tung die Fach­kräf­ten abzu­wer­ben? War­um nicht die Betei­li­gung von Schul­lei­tun­gen, Leh­re­rIn­nen, Eltern, Schü­le­rIn­nen und Bür­ge­rIn­nen stär­ken, statt Betei­li­gung und Trans­pa­renz durch das Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­sen einer GmbH zu ver­un­mög­li­chen? War­um Schu­le nicht öffent­li­che und demo­kra­ti­sche ver­wal­ten und statt­des­sen zu einem Finanz­pro­dukt machen mit Erb­bau­ver­trä­gen und ande­ren Finanz­kon­struk­ten? War­um nicht das öffent­li­chen Grün auf den Schul­hö­fen erhal­ten und pfle­gen und statt­des­sen wert­vol­le alte Bäu­me zuguns­ten einer Fremd­be­bau­ung? War­um nicht die Schul­rei­ni­gung und das Schu­les­sen rekom­mu­na­li­sie­ren und statt­des­sen wei­ter dem Out­sour­cing zuse­hen und so wei­ter­hin Schul­schmutz, schlech­tes und unge­sun­des Essen und Ekel­skan­da­le zulas­sen? War­um nicht Schu­len und Turn­hal­len als offe­ne Orte gestal­ten, statt Sport­ver­ei­ne und Nut­ze­rIn­nen dem­nächst durch hohe Miet­zah­lun­gen aus­zu­gren­zen? War­um nicht die dezen­tra­len Struk­tu­ren aus­bau­en, statt nun auch den Schul­bau als Groß­pro­jekt à la BER anzu­le­gen? War­um nicht alle Schul­grund­stü­cke im Eigen­tum der Bezir­ke belas­sen, statt die Bezir­ke zu Mie­tern ihrer (unse­rer!) Schu­len zu machen? War­um nicht den Schul­bau in eige­ner Regie und mit regio­na­lem Hand­werk und Gewer­be durch­füh­ren, statt Groß­ver­trä­gen mit Bau­kon­zer­nen abzu­schlie­ßen und damit Kos­ten­ex­plo­si­on und Lohn­dum­ping in Kauf zu neh­men? War­um nicht alle der­zeit unge­nutz­ten Schul­grund­stü­cke und -gebäu­de erhal­ten und wie­der für Schu­le nut­zen, statt sie abzu­rei­ßen oder zu ver­kau­fen?

Kurz­um: War­um nicht die Ber­li­ner Schu­len im öffent­li­chen Eigen­tum mit öffent­li­chen Gel­dern sanie­ren und aus­bau­en – schnell,  sicher, güns­tig und demo­kra­tisch? Und zwar nicht, weil Weih­nach­ten ist, son­dern weil es unse­re Schu­len sind, nicht die Schu­len des Senats, nicht die Schu­len der Bau­in­dus­trie, nicht die Schu­len von Pri­ce­wa­ter­house­Co­o­pers, nicht die Schu­len der Ban­ken. Lie­be Sena­to­rin­nen und Sena­to­ren, ver­schenkt von dem, was euch gehört, soviel und wem ihr wollt. Aber die­se Schu­len sind unse­re Schu­len! Wie bit­te? Das war deut­lich genug, jetzt habt ihr es ver­stan­den? Na dann fro­hes Fest!

Ant­wort des Senats: Lei­der kei­ne Ant­wort

Hin­ter­grund zum Advents­ka­len­der des Ber­li­ner Senats

Der Ber­li­ner Senat plant eine Schul­bau­of­fen­si­ve. In die­sem Zusam­men­hang sol­len vie­le Schu­len und Schul­grund­stü­cke sowie ein Groß­teil des Schul­baus der kom­men­den Jah­re pri­va­ti­siert wer­den. Wir haben in die­ser Sache vie­le Sor­gen und Fra­gen. Es geht um die Fol­gen für Schu­len, Grund­stü­cke, Kos­ten, Haus­recht, Betei­li­gungs­rech­te, Lan­des­ver­fas­sung und vie­les mehr. Das alles wur­de — lei­der! – bis­her nicht ansatz­wei­se öffent­lich dis­ku­tiert. Gleich­zei­tig ist  es dem Senat mit der Pri­va­ti­sie­rung unglaub­lich eilig: Bereits zum 1. Janu­ar 2018 sol­len dazu “arbeits­fä­hi­ge Struk­tu­ren” errich­tet wer­den.  Damit ist auch die Beant­wor­tung unse­rer Fra­gen eilig. Wir haben des­we­gen 24 Fra­gen auf die Tür­chen eines Advents­ka­len­ders geschrie­ben. Hin­ter den Tür­chen ste­hen die Ant­wor­ten des Ber­li­ner Senats. Wo kei­ne Ant­wort gege­ben wur­de, bleibt das Tür­chen leer. Lei­der war das bis­her bei allen Tür­chen so. Ent­täu­schend! Nur lee­re Tür­chen — so bringt man Kin­der­au­gen nicht zum Glän­zen. Lie­ber Senat, das geht bes­ser! Das waren die bis­he­ri­gen Tür­chen:

23. Dezem­ber: Wie kommt der Senat auf die Zahl von 86.000 zusätz­li­chen Schü­le­rIn­nen in 2025?

Kom­men­tar GiB: Bald heisst es wie­der: Freu­et euch! Wenn viel Geld schnell ver­baut wer­den muss, freu­et sich die Bau­in­dus­trie. Das regio­na­le Hand­werk kommt dann nicht mehr mit, die Auf­trä­ge gehen an die Groß­kon­zer­ne. Die sind teu­er und unzu­ver­läs­sig, sie­he BER, sie­he Elb­phil­har­mo­nie oder sie­he die U-Bahn in Köln. Und die Ban­ken freu­en sich auch: Viel Geld schnell zu ver­bau­en bedeu­tet einen beson­ders hohen Kre­dit­an­teil zu beson­ders hohen Zin­sen. Für Ber­lin soll es alter­na­tiv­los sein, im Schul­be­reich schnell und viel zu bau­en. Stich­wort: 86.000 zusätz­li­chen Schü­le­rIn­nen in 2025! Panik! Das erfor­dert ein Bau­vo­lu­men von 3 Mil­li­ar­den Euro! Wir fra­gen: Wirk­lich? Die offi­zi­el­le Bevöl­ke­rungs­pro­gno­se des Lan­des Ber­lin weist wesent­lich gerin­ge­re Wachs­tums­ra­ten aus — unter 50.000 Schü­le­rIn­nen. Woher kom­men also die Panik-Zah­len von Frau Schee­res?

Ant­wort des Senats: Lei­der kei­ne Ant­wort

22. Dezem­ber: Wie hoch wer­den die Kos­ten der Über­tra­gung des Erb­bau­rechts ein­ge­schätzt (Notar, Rechts­be­ra­tung, Ver­wal­tungs­auf­wand, Grund­er­werbs­steu­er, Ein­trä­ge beim Grund­buch­amt)

Kom­men­tar GiB: So eine gewal­ti­ge Trans­ak­ti­on hat auch gewal­ti­ge Trans­ak­ti­ons­kos­ten. Mehr­kos­ten muss ein Mehr­wert gegen­über­ste­hen, dass gebie­tet die Haus­halts­ord­nung. Also muss die Wirt­schaft­lich­keit die­ses geplan­ten Struk­tur­wan­dels unter­sucht und bewer­tet wer­den. Dazu gehört die Kos­ten­sei­te: Wie teu­er wer­den die gan­zen Trans­ak­tio­nen? Dann wäre noch der Nut­zen abzu­schät­zen. Im Moment ist da noch nicht viel vor­ge­legt wor­den. Irgend­et­was an dem Gan­zen muss die Sache ja güns­ti­ger machen als eine rein öffent­li­che Erbrin­gung. Nur was?

Ant­wort des Senats: Lei­der kei­ne Ant­wort

21. Dezem­ber: Wie wird die Abga­be des Erb­bau­rechts ver­gü­tet? Nach Ver­kehrs­wert?

Kom­men­tar GiB: Die Schul-GmbH soll die Grund­stü­cke der Ber­li­ner Schu­len, die sie sanie­ren bzw. neu bau­en soll, per Erb­bau­ver­trag bekom­men. So steht es im Vor­schlag des Ber­li­ner Senats. Als Lauf­zeit wur­de von 20, von 25 und von 30 Jah­ren gespro­chen. Wenn die Schu­len dann fer­tig sind, sol­len die Bezir­ke sie zurück­mie­ten. Und am Ende der Ver­trags­lauf­zeit auch zurück­be­kom­men. In die­ser Ange­le­gen­heit ist aber eine Sache eigen­ar­tig: Erb­bau­rech­te sind sehr teu­er. Auch wenn sie nicht 99 Jah­re lau­fen wie bei der Kir­che üblich, kos­tet es doch eini­ges, um die Rech­te zu erwer­ben, auf einem Grund­stück zu bau­en und Nut­zen aus Grund­stück und Gebäu­de zu zie­hen. Die Schul-GmbH hat nicht das Geld, um so etwas zu bezah­len – es kos­tet Mil­li­ar­den Euro. Auch die HOWO­GE hat nicht so viel Geld. Wie also soll es funk­tio­nie­ren? Die Vor­stel­lung scheint wohl zu sein, dass die Bezir­ke die Erb­bau­rech­te ver­schen­ken. Um dann das, was sie ver­schenkt haben, zurück­zu­mie­ten. Und dann das, was sie ver­schenkt und dann 30 Jah­re lang gemie­tet, hin­ter­her wie­der zurück­zu­kau­fen. Bei der Ger­hart-Haupt­mann-Schu­le in Kreuz­berg wur­de schon mal ein Anfang gemacht: Das Schul­grund­stück bekam die HOWO­GE geschenkt.

Ant­wort des Senats: Lei­der kei­ne Ant­wort

20. Dezem­ber: War­um wer­den immer noch Schu­len geschlos­sen, wenn wir doch drin­gend neue Schul­plät­ze brau­chen?

Kom­men­tar GiB: Die Ber­li­ner Zei­tung berich­tet, dass die Ger­hardt-Haupt­mann-Schu­le in Kreuz­berg für immer geschlos­sen blei­ben soll – damit die Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft HOWO­GE dort Woh­nun­gen bau­en soll. Wie bit­te? Ist es nicht die HOWO­GE, die für uns neue Schu­len bau­en soll? Das ver­steht kein Mensch. Das Schul­grund­stück hat sie übri­gens geschenkt bekom­men. Und baut dort jetzt Woh­nun­gen. Die sie dann ver­mie­tet, den grö­ße­ren Teil davon womög­lich für 10 Euro pro qm. Moment mal … Haben wir nicht von der letz­ten rot-roten Lan­des­re­gie­rung gelernt, wie schnell eine Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft ver­kauft wer­den kann? Die ver­schenk­te Schu­le wäre dann auch weg. Wir fra­gen also: War­um in aller Welt (und zu wes­sen Nut­zen) wer­den auf der einen Sei­te intak­te und benö­tig­te Schu­len geschlos­sen (und teil­wei­se sogar abge­ris­sen wie in Mahr­zahn), um dann auf der ande­ren Sei­te für Mil­li­ar­den Euro neue Schu­len zu bau­en?

Ant­wort des Senats: Lei­der kei­ne Ant­wort

19. Dezem­ber: Wel­che zusätz­li­chen Risi­ken wer­den ein­ge­gan­gen?

Kom­men­tar GiB: Bau­en ist ris­kant. Bau­en im Bestand ist dop­pelt ris­kant. Aus­sa­ge­kräf­ti­ge Plä­ne gibt es sel­ten. Was kann da nicht alles pas­sie­ren! Man öff­net eine Wand oder Decke, und der Moder der letz­ten Jahr­zehn­te schlägt einem ent­ge­gen. Statt sechs Wochen dau­ert das Bau­vor­ha­ben plötz­lich andert­halb Jah­re. Was schnell in den Som­mer­fe­ri­en erle­digt wer­den soll­te, wird eine Groß­bau­stel­le. Die Schü­ler müs­sen schnell in einen Ersatz­bau. Aber wo ist einer? Man muss irgend­wo teu­er mie­ten, muss Bus­se bezah­len für die Schul­we­ge. Die Schul-GmbH kennt sich mit Bestands­bau­ten nicht aus, all ihre Fach­kräf­te haben erst frisch bei ihr ange­fan­gen. Die Teams müs­sen zuein­an­der­fin­den. Bei man­chen klappt es nicht, eine wich­ti­ge Exper­tin wirft hin und geht, eine zwei­te folgt … — gut bezahl­te Stel­len gibt es im Bau­we­sen der­zeit jede Men­ge. Die Bau­stel­le steht still. Meh­re­re Bau­stel­len ste­hen still, denn auch die regio­na­le Bau­wirt­schaft ist über­las­tet und gerät in Ver­zug. All­mäh­lich kommt beim Schul-GmbH-Vor­stand Panik auf: Die umge­setz­ten Schü­le­rIn­nen kön­nen nicht in ihre Schu­len zurück. Die tem­po­rä­ren Ver­trä­ge lau­fen aus, die Kos­ten schie­ßen durch die Decke … aber die Kre­di­te müs­sen bedient wer­den. Dazu müs­sen neue Kre­di­te auf­ge­nom­men wer­den, denn für nicht fer­ti­ge Schu­len gibt’s kei­ne Mie­te. Die Aus­ga­ben über­stei­gen die Ein­nah­men, die Über­schul­dung ist nahe. Will der Geschäfts­füh­rer nicht ins Gefäng­nis, muss er Insol­venz anmel­den. Der Insol­venz­ver­wal­ter kommt, er sieht jede Men­ge Ver­bind­lich­kei­ten. Auf der Haben­sei­te: Schu­len, Grund­stü­cke und Miet­ver­trä­ge, die man wei­ter­ver­kau­fen kann. Als ers­tes ver­kauft er davon, was geht, um sei­ne eige­nen Kos­ten zu decken. Dann bedient er die Bank­kre­di­te. Alles unmög­lich?

Ant­wort des Senats: Lei­der kei­ne Ant­wort

18. Dezem­ber: Wie viel län­ger wird es dau­ern?

Kom­men­tar GiB: Eine neue GmbH zu grün­den ist kein Pap­pen­stiel. Zum Notar zu gehen ist noch das Ein­fachs­te. Aber dann: Vor­stand beset­zen, neue Räu­me mie­ten, eini­ge hun­dert Stel­len aus­schrei­ben. Zum Grund­buch­amt: Sich die Schul­grund­stü­cke über­tra­gen las­sen. Dann die Anwäl­te ein­be­stel­len: Mit dem Senat sol­len Ver­trä­ge gemacht wer­den. Mir den Bezir­ken sol­len Ver­trä­ge gemacht wer­den. All­mäh­lich kom­men auch ein paar Bewer­bun­gen an. Vor­stel­lungs­ge­sprä­che füh­ren, die ers­ten Leu­te ein­stel­len. Noch immer ist die neue GmbH weit davon ent­fernt, zu bau­en oder zu sanie­ren. Jetzt müs­sen sich die neu­en Beschäf­tig­ten erst mal ihre Auf­ga­ben anse­hen. Da ist das ers­te Jahr schon locker um. Zum neu­en Jahr (2019) kann man schon mal eine Rating-Agen­tur beauf­tra­gen, die die Kre­dit­wür­dig­keit der neu­en Schul-GmbH bewer­tet. Denn die neue Bau­tä­tig­keit soll die Schul-GmbH ja selbst bzah­len, aber Geld hat sie kei­nes, also muss sie Kre­di­te auf­neh­men. Das alles dau­ert. Dar­über wird es 2020. Gebaut wur­de immer noch nichts. Aber man hat jetzt viel­leicht schon ein paar hun­dert Fach­kräf­te, die anfan­gen zu pla­nen, viel­leicht schon einen Bau­an­trag stel­len. Der ers­te wird 2021 schon bewil­ligt! Damit geht es jetzt zur Bank. Und so wei­ter. Eines ist jeden­falls klar: Die Schul-GmbH wird jah­re­lang nicht bau­en. Als Öster­reich Schul­den in eine pri­vat­recht­li­che Gesell­schaft aus­la­ger­te, dau­er­te es neun Jah­re. Und in Ber­lin? Wenn man das BER-Tem­po anlegt … Übri­gens: die FBB, die den BER baut, ist auch eine aus­ge­la­ger­te GmbH. Hmm …

Ant­wort des Senats: Lei­der kei­ne Ant­wort

17. Dezem­ber: Wird die Mie­te der Bezir­ke umsatz­steu­er­pflich­tig sein müs­sen?

Kom­men­tar GiB: Da ja die Schu­len ins Pri­vat­recht wech­seln, ist es sehr wahr­schein­lich, dass von den Bezir­ken dann Umsatz­steu­er gezahlt wer­den muss. Damit wird alles zunächst ein­mal 19 Pro­zent teu­rer. Zwar bekommt Ber­lin von der Umsatz­steu­er auch etwas wie­der, aber bei wei­tem nicht alles. Das wären wei­te­re Mehr­kos­ten ohne Mehr­wert für Ber­lin.

Ant­wort des Senats: Lei­der kei­ne Ant­wort

16. Dezem­ber: Wie wird ver­hin­dert, dass die Flä­che pro Schü­le­rin und Schü­ler schrumpft?

Kom­men­tar GiB: So war das näm­lich in Ham­burg, als man dort die Schu­len in zwei GmbHs gesteckt hat. 10 Pro­zent weni­ger Flä­che bei leicht stei­gen­den Schü­ler­zah­len – das ist eigen­ar­tig. Aber es ist eben Pri­va­ti­sie­rung, da ist der Umgang mit öffent­li­chen Inter­es­sen meist eigen­ar­tig – min­des­tens.

Ant­wort des Senats: Lei­der kei­ne Ant­wort

15. Dezem­ber: Wie wird ver­hin­dert, dass die Schul-GmbH Öffent­lich-Pri­va­te Part­ner­schaf­ten (ÖPP) ein­geht?

Kom­men­tar GiB: Als vor einem hal­ben Jahr der Auto­bahn­bau pri­va­ti­siert wur­de, setz­te die SPD durch, dass eine ÖPP-Schran­ke ins Grund­ge­setz geschrie­ben wur­de. Dar­über war nie­mand erstaunt, denn alle wuss­ten: Die neue Auto­bahn-GmbH wür­de eigen­stän­dig ÖPPs machen kön­nen. Nun ist die SPD-ÖPP-Schran­ke lei­der weit­ge­hend wir­kungs­los – kein ein­zi­ges der bis­he­ri­gen ÖPP-Pro­jek­te wäre damit ver­hin­dert wor­den, und auch künf­tig kön­nen noch vie­le (und teu­re) ÖPP-Pro­jek­te im Auto­bahn­bau gemacht wer­den. Was aber inter­es­sant ist: Die Schul-GmbH ist genau­so ver­fasst wie die Auto­bahn-GmbH! Aber sie hat bis­her kei­ne ÖPP-Schran­ke, noch nicht ein­mal eine wir­kungs­lo­se.

14. Dezem­ber: Wie wird rechts­si­cher und dau­er­haft ver­hin­dert, dass Antei­le der Schul-GmbH ver­kauft wer­den?

Kom­men­tar GiB: Die Fra­ge ist span­nend. Bis­her argu­men­tiert der Senat näm­lich, dass alles „hun­dert Pro­zent öffent­lich bleibt“ – weil die HOWO­GE, die als Mut­ter­ge­sell­schaft der Schul-GmbH vor­ge­se­hen ist, dem Land Ber­lin gehört. Das muss aller­dings nicht so blei­ben. Was hat nicht allein die Rot-Rote Lan­des­re­gie­rung alles ver­kauft! Und auch wenn Rot-Rot-Grün dar­an nicht mehr anknüp­fen möch­te – was ist nach den nächs­ten Wah­len? Es wer­den ja mitt­ler­wei­le die denk­wür­digs­ten Farb­kom­bi­na­tio­nen dis­ku­tiert. CDU und die FDP wol­len jeden­falls ger­ne noch mehr pri­va­ti­sie­ren. Mit einer Schul-GmbH wür­den sie alles schon fix und fer­tig vor­fin­den: Sie könn­ten mit den Schul-Aus­ver­kauf sofort begin­nen.

Ant­wort des Senats: Lei­der kei­ne Ant­wort

13. Dezem­ber: Wann wer­den die ers­ten ver­bind­li­chen Beschlüs­se betref­fend der Grün­dung einer „Schul GmbH“ als Toch­ter der HOWO­GE gefasst?

Kom­men­tar GiB: Am Mon­tag hat­ten es die Sena­to­rin­nen Lomp­scher und Schee­res ver­säumt, die­se Fra­ge zu beant­wor­ten. ges­tern sag­te nun Harald Wolf, kom­mis­sa­ri­scher Geschäfts­füh­rer der Links­par­tei, Ex-Sena­tor und “Archi­tekt” der Schul­bau-Ofen­si­ve inner­halb sei­ner Par­tei, eine Podi­ums­dis­kus­si­on ab. Damit ent­zog auch er sich der Beant­wor­tung der wich­ti­gen Fra­ge. Wir doku­men­tie­ren die Fra­ge ent­täusch­ter Bür­ge­rIn­nen — uns hof­fen auf zügi­ge Beant­wor­tung.

Ant­wort des Senats: Lei­der kei­ne Ant­wort

12. Dezem­ber: Am 6. Novem­ber haben sich Senat und Bezirks­bür­ger­meis­ter auf ein Modell geei­nigt. Exe­ku­ti­ve einigt sich mit Exe­ku­ti­ve – soll das Demo­kra­tie sein?

Kom­men­tar GiB: Die Vor­schlä­ge des Senats zum Schul­bau wur­den noch nicht ansatz­wei­se aus­rei­chend dis­ku­tiert. Die Bezirks­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lun­gen haben dar­über noch nicht gespro­chen, die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger wur­den über die Kon­zep­te noch nicht infor­miert. Auch die Abge­ord­ne­ten wur­den noch nicht ange­mes­sen infor­miert. Dabei soll es sich um das größ­te Inves­ti­ti­ons­vor­ha­ben Ber­lins seit Jahr­zehn­ten han­deln. Demo­kra­tie funk­tio­niert aber anders. Oder gel­ten jetzt, unter Rot-Rot-Grün, neue demo­kra­ti­sche Regeln – kei­ne Debat­te mit den Men­schen in der Stadt, kei­ne Betei­li­gung des Par­la­ments? Ein­fach Durch­re­gie­ren bis wir quiet­schen?

Ant­wort des Senats: Lei­der kei­ne Ant­wort

11. Dezem­ber: Wird am 2. Janu­ar die Schul-GmbH gegrün­det? Oder kurz danach?

Kom­men­tar GiB: Die Sena­to­rin für Stadt­ent­wick­lung, Kat­rin Lomp­scher, hat heu­te gemein­sam mit ihrer Kol­le­gin San­dra Schee­res die Pres­se infor­miert. The­ma: Schul­neu­bau, 10 wun­der­hüb­sche Luft­schlös­ser, der ers­te Bau soll 2019 star­ten. Der RBB berich­te­te schon vor­ab. Was Frau Lomp­scher (bis­her) noch nicht ver­ra­ten hat: Die ihr unter­ste­hen­de Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft HOWO­GE könn­te in den ers­ten Tagen des neu­en Jah­res Fak­ten schaf­fen und die neue Schul-GmbH grün­den, in die dann auch Grund­stü­cke der heu­te vor­ge­stell­ten Neu­bau­ten über­tra­gen wür­den. Das Vor­ha­ben ist an Intrans­pa­renz fast nicht zu über­bie­ten. Nie­mand will die­se Schul­pri­va­ti­sie­rung, aber Frau Lomp­scher lässt schon ein­mal gewäh­ren? Was soll in der Sat­zung ste­hen, was sind die Zie­le der GmbH, was ihr Eigen­ka­pi­tal, etc.? Auch das Abge­ord­ne­ten­haus weiß von alle­dem (angeb­lich) nichts. Wir rufen: HO-HO-HOWO­GE — Frau Sena­to­rin: Sagen Sie uns, was da in der HOWO­GE abläuft!

Ant­wort des Senats: Lei­der kei­ne Ant­wort

10. Dezem­ber: Die aktu­el­le Regie­rung ver­fügt nicht über eine ver­fas­sungs­än­dern­de Mehr­heit. Wer­den mit der „Schul­bau­of­fen­si­ve“ Struk­tu­ren geplant, die spä­te­ren Regie­run­gen leicht Pri­va­ti­sie­run­gen ermög­li­chen?

Kom­men­tar GiB: Für die Schul­bau­ge­sell­schaft wur­de die Fra­ge einer mög­li­chen spä­te­ren Ver­äu­ße­rung vom Abge­ord­ne­ten­haus noch nicht the­ma­ti­siert. Dabei trägt gera­de Ber­lin schwer an den Fol­gen der ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­te mit den umfas­sen­den Pri­va­ti­sie­run­gen und einer Kaputt­spar­po­li­tik im Vor­griff auf die „Schul­den­brem­se“. Zu den Fol­gen die­ser Spa­ren-bis-es-quietscht-Poli­tik gehört auch der aktu­el­le Sanie­rungs­stau bei den Ber­li­ner Schu­len. Es hat sich gezeigt, dass gesetz­li­che Schran­ken vor Pri­va­ti­sie­rung nicht dau­er­haft schüt­zen und daher ein wei­ter­ge­hen­der Schutz erfor­der­lich ist – z.B. durch pri­va­ti­sie­rungs­re­sis­ten­te Orga­ni­sa­ti­ons­mo­del­le. Davon ist aber im poli­ti­schen Raum im Moment kei­ne Rede. Die aktu­el­le Regie­rung ver­fügt auch nicht über eine dazu even­tu­ell erfor­der­lich ver­fas­sungs­än­dern­de Mehr­heit. Wie soll es also gehen?

Ant­wort des Senats: Lei­der kei­ne Ant­wort

9. Dezem­ber: Was will der Senat mit der HOWO­GE-Toch­ter­ge­sell­schaft ver­ein­ba­ren: Vor­aus­set­zun­gen für einen Heim­fall oder für einen Zeit­ab­lauf des Erb­bau­rechts?

Kom­men­tar GiB: Nach 20 bis 25 Jah­ren soll dem Senats­plan zufol­ge bis­her ein „Heim­fall“ der Grund­stü­cke erfol­gen. Damit ist die Eigen­tums­rück­über­tra­gung an die Schul­trä­ger – bis dato die Bezir­ke – gemeint. Die Rück­über­tra­gung kann grund­sätz­lich auf zwei Arten gesche­hen, ent­we­der durch „Zeit­ab­lauf“ (§ 27 Erb­bau­rechts­ge­setz) oder im eigent­li­chen Sin­ne des „Heim­falls“ durch Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen Eigen­tü­mer und Erb­bau­be­rech­tig­tem, „das Erb­bau­recht bei Ein­tre­ten bestimm­ter Vor­aus­set­zun­gen auf den Grund­stücks­ei­gen­tü­mer zu über­tra­gen“ (§ 2 Erb­bau­rechts­ge­setz). Das Gesetz geht von einem „Heim­fall­an­spruch“ aus, wenn der Erb­bau­be­rech­tig­te gegen getrof­fe­ne Ver­ein­ba­run­gen ver­stößt, zum Bei­spiel durch Nich­t­ent­rich­tung des Erb­bau­zin­ses oder Nicht­zah­lung etwai­ger ver­ein­bar­ter Ver­trags­stra­fen. Einen Heim­fall „in 20 bis 25 Jah­ren“ im Vor­aus zu pla­nen ist aller­dings eine womög­lich ver­we­ge­ne Inter­pre­ta­ti­on des Erb­bau­rechts. Zum einen könn­te sich der Erb­bau­be­rech­tig­te dem Heim­fall durch Erfül­lung sei­ner Ver­pflich­tun­gen leicht ent­zie­hen, zum ande­ren ist es gera­de die Inten­ti­on des Erb­bau­rechts­ge­set­zes, den Bestand des Erb­bau­rechts bis zum ver­ein­bar­ten Ter­min zu sichern. „Das Erb­bau­recht kann nicht durch auf­lö­sen­de Bedin­gun­gen beschränkt wer­den. Auf eine Ver­ein­ba­rung, durch die sich der Erb­bau­be­rech­tig­te ver­pflich­tet, beim Ein­tre­ten bestimm­ter Vor­aus­set­zun­gen das Erb­bau­recht auf­zu­ge­ben und sei­ne Löschung im Grund­buch zu bewil­li­gen, kann sich der Grund­stücks­ei­gen­tü­mer nicht beru­fen“ (§ 1 Erb­bau­rechts­ge­setz). Zudem muss der Eigen­tü­mer dem Erb­bau­be­rech­tig­ten beim Heim­fall eine „ange­mes­se­ne Ver­gü­tung für das Erb­bau­recht“ zah­len (§ 32 Erb­bau­rechts­ge­setz), was der Eigen­tü­mer nur durch Ver­län­ge­rung des Erb­bau­rechts ver­mei­den kann (§ 27 Erb­bau­rechts­ge­setz).

Ant­wort des Senats: Lei­der kei­ne Ant­wort

8. Dezem­ber: Woher soll das Geld für die Kre­dit­rück­zah­lung der HOWO­GE kom­men – von den Mie­tern?

Kom­men­tar GiB: Am 7. Dezem­ber (und am 17. Okto­ber) hat­ten wir gefragt, ob die HOWO­GE die Schul­den denn in 10 Jah­ren zurück­zah­len kann. Heu­te fra­gen wir, woher die HOWO­GE die dafür nöti­gen ca. 200 Mio. Euro nimmt. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren hat die HOWO­GE ja über­haupt kei­ne Schul­den getilgt. Streckt sich die Til­gungs­dau­er auf 20 oder sogar 30 Jah­re, nähern sich die Zins­zah­lun­gen sogar der eigent­li­chen Kre­dit­sum­me. Mit ande­ren Wor­ten: Dann müs­sen zukünf­tig bei jeder zwei­ten Schu­le der bau­li­che Unter­halt / Sanie­rung / Neu­bau infol­ge der hohen Zins­kos­ten unter­blei­ben. Oder sol­len die Mie­ter der HOWO­GE die neu­en Belas­tun­gen mit­be­zah­len?

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7. Dezem­ber: Kann die HOWO­GE einen 1,5 Mrd.-Euro-Kredit inner­halb von zehn Jah­ren til­gen?

Kom­men­tar GiB: Dass die Schul­den der nach 10 Jah­ren zurück­be­zahlt sein sol­len, geht impli­zit aus den bis­he­ri­gen Senats­plä­nen her­vor. Aber geht das über­haupt?  Die bis­her der HOWO­GE von Ban­ken gewähr­ten Zin­sen lie­gen auch schon ober­halb der Ver­zin­sung von Lan­des­an­lei­hen. Und dabei gel­ten sie für eine Tätig­keit der HOWO­GE als Ver­mie­ter. Wenn die HOWO­GE (oder eine Toch­ter der HOWO­GE) aber vor­wie­gend baut, wer­den die dafür auf­ge­nom­me­nen Kapi­tal­markt­kre­di­te einen noch höhe­ren Zins­satz auf­wei­sen, da Bau­en wegen der mög­li­chen Kos­ten­stei­ge­run­gen gemein­hin als wesent­lich ris­kan­ter gilt. Der Bun­des­rech­nungs­hof geht für ver­gleich­ba­re Pro­jek­te von einem Auf­schlag von 3,2 bis 4 Pro­zent aus. Damit wür­den die Zins­mehr­kos­ten eines 1,5-Mrd. Euro-Schat­ten­kre­dits in einem 10-Jah­res-Zeit­raum sogar 480 bis 600 Mil­lio­nen Euro kos­ten.

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6. Dezem­ber: Die Schul-GmbH soll eige­ne Kre­di­te auf­neh­men, aber wel­che Sicher­hei­ten hin­ter­legt sie dafür bei den Ban­ken?

Kom­men­tar GiB: Das Eigen­tum an Schul­grund­stü­cken und Schu­len sol­le der HOWO­GE oder der Schul-GmbH per Erb­bau über­tra­gen wer­den – bis zu drei­ßig Jah­re lang. Wir wis­sen: Erb­bau­rech­te sind han­del­ba­re Finanz­pro­duk­te. Sie könn­ten also als Sicher­heit die­nen. Es könn­ten aber auch (oder zusätz­lich) die Miet­ver­trä­ge mit den Bezir­ken sein. Die Bezir­ke sol­len näm­lich in den Schu­len, die bis­her öffent­li­ches Eigen­tum sind, Mie­te bezah­len. In einer wach­sen­den Stadt wird aller Vor­aus­sicht nach in Schu­len unter­rich­tet wer­den – Schul-Miet­ver­trä­ge sind also ein siche­res Geschäft und könn­ten eben­falls Ban­ken als Sicher­hei­ten die­nen. Das pikan­te an sol­chen Bank­si­cher­hei­ten ist: geht die Schul-GmbH plei­te – und das ist mög­lich! – fal­len die Sicher­hei­ten an die Bank.

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5. Dezem­ber: Wie hoch wer­den die Mehr­kos­ten sein?

Kom­men­tar GiB: Fin­an­se­na­tor Mat­thi­as Kol­latz-Ahnen äußer­te sich dazu bis­her nicht beson­ders prä­zi­se — er spricht von einem “mini­ma­len Zins­un­ter­schied”. Dabei wird es sich bei der anvi­sier­ten Kre­dit­hö­he (1,2 bis 1,5 Mil­li­ar­den Euro) und Lauf­zeit (min­des­tens zehn Jah­re) um einen Unter­schied han­deln, der vie­le Mil­lio­nen Euro aus­macht — die wir von unse­rem Geld bezah­len sol­len. Und oben­drein fehlt die­ses Geld für (unnö­ti­ge?) Zins­mehr­zah­lun­gen ja dann, um Schu­len zu bau­en oder zu sanie­ren. Hin­ter­grund für die Mehr­kos­ten ist fol­gen­der Umstand: Kre­di­te einer GmbH sind immer teu­rer als Schul­den des Lan­des. Das hängt damit zusam­men, dass man (ver­mut­lich zu Recht) annimmt, dass deut­sche Bun­des­län­der — auch wenn sie ver­schul­det sind wie Ber­lin – nicht insol­vent wer­den kön­nen. Eine GmbH kann hin­ge­gen durch­aus plei­te­ge­hen. Und je nach­dem, was die GmbH so treibt, ist eine Plei­te mehr oder weni­ger wahr­schein­lich. Der Unter­schied wird oft im soge­nann­ten Rating mani­fest, also in der Bewer­tung der Kre­dit­wür­dig­keit. Bau­en ist ris­kant, und zen­tra­li­sier­tes Bau­en in Ber­lin scheint beson­ders anfäl­lig zu sein für Kos­ten­stei­ge­run­gen, sie­he die Staats­oper oder der Flug­ha­fen BER. Ent­spre­chend teu­er wer­den die Kre­dit­zin­sen aus­fal­len. Ham­burg hat schon eine Schul-GmbH, dort muss­te man für die Kre­di­te 2015 noch 7,8 Pro­zent Zin­sen zah­len, und auch 2016 waren die Zin­sen mit 5,3 Pro­zent noch viel teu­rer als ande­re Schul­den des Lan­des Ham­burg. Wir fra­gen: Wie viel Geld müs­sen wir für die “Schul­bau­of­fen­si­ve” zusätz­lich zah­len?

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4. Dezem­ber: Ist es erfor­der­lich, für die Schul­bau­of­fen­si­ve die Ber­li­ner Lan­des­ver­fas­sung zu ändern?

Kom­men­tar GiB: Ob die Lan­des­ver­fas­sung geän­dert wer­den muss, ist mehr als nur aus abs­trak­ten demo­kra­tie­theo­re­ti­schen Erwä­gun­gen inter­es­sant. Die aktu­el­le Lan­des­re­gie­rung hat kei­ne ver­fas­sungs­än­dern­de Mehr­heit, es wären also zusätz­lich Stim­men aus dem Lager der Oppo­si­ti­on erfor­der­lich. Sol­che Stim­men gibt es unse­rer Erfah­rung nach im poli­ti­schen Pro­zess nur im Kuh­han­del gegen Zuge­ständ­nis­se. Es wäre für die Ber­li­ne­rin­nen und Ber­li­ner wich­tig, früh davon zu wis­sen, ob “R2G” wegen der Schul­re­form sol­che Zuge­ständ­nis­se zur Umset­zung der Schul­re­form machen müss­te oder ob bezie­hungs­wei­se unter wel­chen Bedin­gun­gen man frei davon ist. Wir haben die­se wich­ti­ge Fra­ge Herrn Jus­tiz­se­na­tor Dr. Dirk Beh­rendt am 11.09. und 12.10.2017 gesen­det.

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3. Dezem­ber: Kann die geplan­te GmbH nicht einen wach­sen­den Ein­fluss auf zen­tra­le Ent­schei­dun­gen des Schul­baus neh­men? Oder anders her­um gefragt: Wenn nicht, war­um dann wird eine for­mel­le Pri­va­ti­sie­rung über­haupt unter­nom­men?

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Kom­men­tar GiB: Eine for­mel­le (oder Rechtsform-)Privatisierung hat zwar zunächst gerin­ge­re Aus­wir­kun­gen als eine mate­ri­el­le Pri­va­ti­sie­rung. Man­che neh­men eine for­mel­le Pri­va­ti­sie­rung gar nicht als Pri­va­ti­sie­rung im land­läu­fi­gen Sin­ne wahr. Eine for­mel­le Pri­va­ti­sie­rung erfolgt in der Regel expli­zit, um die öffent­li­che Kon­trol­le und Ein­fluss­nah­me zu ver­rin­gern. Wäre dies nicht der Fall, könn­te man ja gleich auf die GmbH ver­zich­ten. Dar­über hin­aus nimmt man eine for­mel­le Pri­va­ti­sie­rung häu­fig vor, um spä­ter Antei­le zu ver­kau­fen, selbst wenn dafür noch­mal Geset­ze geän­dert wer­den müss­ten. So war es bei zahl­rei­chen Pri­va­ti­sie­run­gen in der Ver­gan­gen­heit: Sie alle haben mit einer for­mel­len Pri­va­ti­sie­rung begon­nen und ende­ten bald dar­auf mit dem Aus­ver­kauf.

2. Dezem­ber: Auch die Ber­li­ner Flug­ha­fen­ge­sell­schaft ist eine GmbH. Ist die FBB ein Vor­bild für bes­se­re öffent­li­che Steue­rung und mehr Kos­ten­ef­fi­zi­enz?

Kom­men­tar GiB: Es gibt eini­ge GmbHs in öffent­li­chem Eigen­tum, die in der Ver­gan­gen­heit wegen ver­schwen­de­ri­scher Aus­ga­ben kri­ti­siert wur­den – war­um soll­te das bei der neu­en Schul-GmbH anders sein? Mana­ger von Ber­li­ner GmbHs ver­die­nen heu­te schon mehr als die Bun­des­kanz­le­rin, Kos­ten für (100 Pro­zent öffent­li­che) Ber­li­ner GmbH- und AG-Vor­stän­de und Auf­sichts­rä­te gehen in die Mil­lio­nen Euro – jähr­lich. Durch die for­mel­le Pri­va­ti­sie­rung wird ein Teil der Kon­trol­le an die Geschäfts­füh­rung der GmbH abge­ge­ben. Öffent­li­che Anfor­de­run­gen wer­den nur noch ver­mit­telt oder gar nicht mehr erfüllt. Trans­pa­renz wird nicht aus­rei­chend her­ge­stellt, obwohl man sich im öffent­li­chen Recht bewegt und sich die­sem (eigent­lich) auch dann nicht ent­zie­hen darf, wenn man sich pri­va­ter Unter­neh­men bedient. Auch der Wunsch nach mehr Effi­zi­enz ist kei­nes­wegs garan­tiert, sie­he BER.

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1. Dezem­ber: Sol­len Ber­li­ner Schu­len in einen Infra­struk­tur­fonds von pri­va­ten Anle­gern ein­ge­glie­dert wer­den?

Kom­men­tar GiB: Ber­lin hat mit der Ban­ken­ge­sell­schaft in Sachen Insol­venz und mit den Was­ser­be­trie­ben in Sachen Pri­va­ti­sie­rung und ÖPP schon teu­re Erfah­run­gen gemacht. Die geplan­te Schul-Infra­struk­tur­ge­sell­schaft droht das nächs­te Aben­teu­er in die­ser Kate­go­rie zu wer­den. Die Wirt­schafts­prü­fer von Pri­ce­wa­ter­house­Co­o­pers emp­fah­len schon 2016 genau eine sol­che Lösung wie jetzt vom Senat vor­ge­schla­gen. Dabei stellt die staat­li­che Infra­struk­tur­ge­sell­schaft die not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung für Kapi­tal­an­la­gen pri­va­ter Inves­to­ren in öffent­li­che Infra­struk­tu­ren nach einem eigens ent­wi­ckel­ten “Fonds­mo­dell” dar:

Eine Inves­ti­ti­on in Eigen­ka­pi­tal setzt vor­aus, dass die jewei­li­ge Ein­rich­tung von einem Unter­neh­men betrie­ben und bewirt­schaf­tet wird. Eine sol­che Bewirt­schaf­tung ist auch bei steu­er­fi­nan­zier­ten Infra­struk­tur­ein­rich­tun­gen mög­lich. In die­sem Fall zahlt der Staat Ent­gel­te für die Nut­zung oder die Bereit­stel­lung aus Haus­halts­mit­teln, etwa in Gestalt einer Miet- oder Ver­füg­bar­keits­zah­lung für die Nut­zung eines Ver­wal­tungs- oder Schul­ge­bäu­des oder einer regel­mä­ßi­gen Zah­lung für die Errich­tung und Bereit­stel­lung einer öffent­li­chen Stra­ße durch ein pri­va­tes Unter­neh­men (typi­sche Gestal­tung bei ÖPP-Pro­jek­ten). Ein sol­ches Infra­struk­tur­pro­jekt ist also nur mit­tel­bar steu­er­fi­nan­ziert. Die unmit­tel­ba­re Finan­zie­rung erfolgt durch die betref­fen­de Pro­jekt­ge­sell­schaft.”

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So geht das nicht! Wir blei­ben aber dran. Die­se Fra­gen müs­sen beant­wor­tet wer­den! Dazu dem­nächst mehr — hier und anders­wo …

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