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Grie­chi­sche Flug­hä­fen: Fra­port kas­siert – grie­chi­scher Staat zahlt und haf­tet

15 März 2016
Der Athener Flughafen Ellinikon ist ein beliebtes Privatisierungsobjekt - Foto: Wikipedia

Der Athe­ner Flug­ha­fen Elli­ni­kon ist ein belieb­tes Pri­va­ti­sie­rungs­ob­jekt — Foto: Wiki­pe­dia

Pres­se­mit­tei­lung Attac Deutsch­land

Grie­chi­sche Flug­hä­fen: Fra­port kas­siert – grie­chi­scher Staat zahlt und haf­tet

Frank­furt am Main, 14. März 2016

Erlös aus De-fac­to-Pri­va­ti­sie­rung kommt allein Gläu­bi­gern zugu­te

Einen Tag vor Ver­öf­fent­li­chung des Geschäfts­be­richts der Fra­port AG hat Attac die Über­nah­me von 14 grie­chi­schen Flug­hä­fen durch die Betrei­be­rin des Frank­fur­ter Air­ports scharf kri­ti­siert*. Laut dem glo­ba­li­sie­rungs­kri­ti­schen Netz­werk schlägt Fra­port mas­siv Pro­fit aus der Not­la­ge Grie­chen­lands. Dies zei­ge der öffent­lich gewor­de­ne Über­nah­me­ver­trag. “Fra­port kas­siert, der grie­chi­sche Staat zahlt und haf­tet. Auf die­se For­mel lässt sich die gan­ze Ver­ein­ba­rung brin­gen”, sag­te Georg Brzo­s­ka von der Attac-Pro­jekt­grup­pe Euro­kri­se. “Mit ande­ren Wor­ten: Ein deut­sches Staats­un­ter­neh­men beu­tet das ver­arm­te Grie­chen­land aus. Der Ver­trag ist ein Skan­dal.”

So sieht der Ver­trag vor, dass der grie­chi­sche Staat Flug­ha­fen­mit­ar­bei­ter ent­schä­di­gen muss, die Fra­port nicht wei­ter­be­schäf­tigt. Wer­den Beschäf­tig­te bei Arbeits­un­fäl­len ver­letzt oder getö­tet, muss eben­falls der Staat zah­len. Soll­ten durch Geset­zes­än­de­run­gen (etwa im Arbeits­recht) zusätz­li­che Betriebs­kos­ten ent­ste­hen, muss die Regie­rung Fra­port ent­schä­di­gen. Das Unter­neh­men hat auch Anspruch auf Ent­schä­di­gung bei Streiks. Die Kos­ten für Repa­ra­tu­ren oder Ersatz alter Maschi­nen muss wäh­rend der gesam­ten Ver­trags­zeit der Staat tra­gen. Das­sel­be gilt für Schul­den und Bank­kre­di­te bei Ver­trags­en­de. Pla­nungs- und Umbau­kos­ten darf der Kon­zern eben­falls auf den Staat abwäl­zen. Er kann den bis­he­ri­gen Ver­trags­part­nern und Mie­tern in den 14 Flug­hä­fen kün­di­gen und neue Lizen­zen ver­ge­ben – die gekün­dig­ten Fir­men muss wie­der­um der grie­chi­sche Staat ent­schä­di­gen.

Ein­nah­men dür­fen nicht in Grie­chen­land inves­tiert wer­den

Damit nicht genug: Den Men­schen in Grie­chen­land kommt kein Cent vom Aus­ver­kauf der 14 Flug­hä­fen zugu­te. Der Erlös wird kom­plett in die Taschen der Gläu­bi­ger Grie­chen­lands flie­ßen”, stell­te Georg Brzo­s­ka fest. Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäub­le bestand dar­auf, 50 Mil­li­ar­den Euro als Erlös aus den De-fac­to-Pri­va­ti­sie­run­gen anzu­set­zen, wobei die ers­ten 25 Mil­li­ar­den Euro kom­plett in den Schul­den­dienst gehen müs­sen. Nur was dar­über hin­aus­geht, darf zur Hälf­te für Inves­ti­tio­nen im Land ver­wen­det wer­den. Tat­säch­lich jedoch hal­ten die Ver­ant­wort­li­chen selbst Ein­nah­men von mehr als 25 Mil­li­ar­den Euro für unmög­lich. Der IWF etwa hält 500 Mil­lio­nen Euro pro Jahr für rea­lis­tisch.

Fra­port nimmt Bra­si­li­en ins Visier

Das nächs­te Opfer im Visier der Fra­port ist Bra­si­li­en: Das Unter­neh­men will dort vier Flug­hä­fen über­neh­men. Georg Brzo­s­ka: “Wie­der soll die öko­no­mi­sche Schief­la­ge eines Lan­des aus­ge­nutzt wer­den, um bil­lig Pro­fi­te machen zu kön­nen. Wir for­dern die Poli­ti­ke­rin­nen und Poli­ti­ker des Lan­des Hes­sen und der Stadt Frank­furt auf, dem ein Ende zu set­zen.”

*) Am 14. Dezem­ber 2015 schloss die grie­chi­sche Pri­va­ti­sie­rungs­agen­tur HRADF mit der deut­schen Fra­port AG einen Ver­trag über die 40-jäh­ri­ge Ver­pach­tung von 14 lukra­ti­ven grie­chi­schen Flug­hä­fen, dar­un­ter Thes­sa­lo­ni­ki, Rho­dos, San­to­rin, Myko­nos und Kor­fu. Die grie­chi­sche Regie­rung hat­te sich lan­ge gewehrt und der Über­nah­me erst nach poli­ti­schem Druck vor allem durch den hes­si­schen Minis­ter­prä­si­den­ten Vol­ker Bouf­fier zuge­stimmt. Fra­port gehört mehr­heit­lich dem Land Hes­sen und der Stadt Frank­furt. Den dritt­größ­ten Anteil hält die Luft­han­sa.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen:

* Zum Über­nah­me­ver­trag Fra­port-grie­chi­sche Flug­hä­fen: www.rechtsanwalt-griechenland.de/blog/uebernahme-von-14-griechischen-flughaefen-durch-fraport/

* Fra­port plant Kauf bra­si­lia­ni­scher Flug­hä­fen: www.welt.de/print/welt_kompakt/print_wirtschaft/article152748019/Wirtschaft-Kompakt.html

* Attac-Web­sei­te zu Grie­chen­land: http://www.attac.de/griechenland

* Pri­va­ti­sie­run­gen in Grie­chen­land: https://griechenlandsoli.files.wordpress.com/2016/02/mobi-papier-privatisierung.pdf

Für Rück­fra­gen und Inter­views:

* Georg Brzo­s­ka, Attac-Pro­jekt­grup­pe Euro­kri­se, über: Attac-Pres­se­stel­le, Tel. 069 900 281 42 oder 0151 6141 0268

* Mike Nag­ler, Attac-Koor­di­nie­rungs­kreis, Tel. 0179 961 9584

Wei­te­re Bei­trä­ge zum The­ma:

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