Das Streitgespräch zum Thema Klinikschließungen ist jetzt online

Anfang September konnten wir einen der zentralen Befürworter von Klinikschließungen, Professor Reinhard Busse, live vor laufender Kamera befragen. Der ehemalige Klinikleiter Klaus Emmerich saß für das Bündnis Klinikrettung auf dem Podium und vertrat gegenüber dem Lobbyisten die Position vieler Menschen aus dem ländlichen Raum und der dort in Kliniken Beschäftigten – unserer Meinung nach hat er das hervorragend gemacht.

In dem Streitgespräch wurde deutlich, wie immens die Kluft zwischen den Positionen ist. Wir begrüßen und wertschätzen es, dass Professor Busse sich auf den Dialog eingelassen hat. Nichtsdestotrotz ist uns bei manchen Aussagen von ihm ein kalter Schauer über den Rücken gelaufen. Kaum verhüllt hat Busse die Leistungen Hunderter kleiner Krankenhäuser in Deutschland schlechtgeredet. Es würde den PatientInnen demnach besser gehen, wenn die dortigen Pflegekräfte und ÄrztInnen mit dem aufhören, was sie seit Jahren machen. Die Krankenhäuser, in denen sie arbeiten, verdienen nach ihm die Bezeichnung Krankenhaus nicht.

Busse präsentierte eine menschenfeindliche Allmachtsphantasie: Statt der derzeit rund 1.900 Kliniken würden bei optimaler Platzierung seiner Ansicht nach sogar 330 Krankenhäuser für Deutschland ausreichen, damit alle BürgerInnen theoretisch in 30 Minuten die nächste Notaufnahme erreichen können. Was Busse nicht sagte: Ein solches Szenario bedeutet, dass die Mehrzahl funktionierender Krankenhäuser aufgegeben wird, gleichzeitig in vielen Fällen neuer Beton an neuen zentralisierten Standorten in die Landschaft gekippt wird und hunderttausende Beschäftigte mit ihren Familien umziehen müssen. Und das alles, um in der schönen neuen Krankenhauswelt die jahresdurchschnittliche Auslastung von derzeit 75 Prozent auf nahe hundert Prozent hochzutreiben. Denn Busse schlägt allen Ernstes vor, dass jedes einzelne Krankenhaus zu jeder Jahres- und Tageszeit viel stärker ausgelastet werden muss. Unvorhergesehenes und jahreszeitliche Schwankungen kommen in diesem radikalen Plan nicht mehr vor. Auch Wartezeiten auf Operationen, die jetzt schon eine Belastung für Kranke darstellen, würden sich ausweiten – sind aber kein Thema für Busse. Seine Pläne haben nicht unsere Gesundheit, sondern Gewinnmaximierung zum Ziel – werden sie umgesetzt, kostet das Menschenleben.

Das Streitgespräch wurde aufgenommen und ist in der Mediathek von Gemeingut in BürgerInnenhand e.V. zu sehen: https://www.gemeingut.org/infothek/audiovideo/

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1 Kommentar

  1. Ein sehr interessantes Streitgespräch, dafür danke. Euer Text dazu wird dem aber überhaupt nicht gerecht und Ihr nehmt reale Widersprüche nicht zur Kenntnis. Viele Argumente von Busse sind m.E. durchaus nicht so einfach von der Hand zu weisen und eine Moralisierung wie Ihr sie hier betreibt ersetzt keine Argumente. Ich bin für mehr Personal und für erreichbare Krankenversorgung in der Fläche, aber es muss hinterfragt werden, ob die gegenwärtige Struktur dafür optimal ist. Und selbstverständlich ist es auch nicht so, dass Geld egal wäre, weil steigende Ausgaben und damit Beitragsätze den Druck erhöhen Leistungen zu kürzen, und es demgegenüber die weitaus bessere Lösung wäre, Mittel so effizient wie möglich einzusetzen für möglichst gute Versorgung. Es gibt auch Ineffizienzen der gegenwärtigen Struktur, die wie von Busse beschrieben mit falschen Anreizen (z.B. unnötige Aufnahmen aus der Notaufnahme) zu tun haben und dann unnötige Arbeit und Kosten machen, ohne dass das für die Patienten besser wäre, oder die faktisch aus Privilegien bestimmter Ärztegruppen resultieren (die in öffentlichen Krankenhäusern oft mehr zugelassen werden als in privaten). Ich bin für rein öffentliches Krankenhauswesen, aber um so mehr muss dann darauf geachtet werden, dass die sinnvoll und auch effizient arbeiten. Es ist eine ernsthafte gemeinsame Diskussion erforderlich, wozu dieses Gespräch ein Beitrag war, um zu für Patienten und Regionen und Gesamtgesellschaft guten Lösungen und Veränderungen zu kommen, nicht um die Strukturen so zu lassen wie sie sind.

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