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Ber­li­ner Schu­len: Sanie­rung – ja, Pri­va­ti­sie­rung – nein! Senat plant Struk­tur zur Schul­pri­va­ti­sie­rung

3 November 2017

GiB: Schul­pri­va­ti­sie­rung in Ber­lin stop­pen!

Pres­se­mit­tei­lung von Gemein­gut in Bür­ge­rIn­nen­hand (GiB) e.V.

Am Mon­tag, den 6. Novem­ber, tref­fen sich der Ber­li­ner Senat und die Bezirks­bür­ger­meis­ter, um über die soge­nann­te “Ber­li­ner Schul­bau­of­fen­si­ve” zu ver­han­deln. Das kom­men­tiert Carl Waß­muth, Spre­cher von Gemein­gut in Bür­ge­rIn­nen­hand (GiB):

Was Senat und Bezir­ke da pla­nen, hat weit­rei­chen­de­re Fol­gen als jedes ande­re Vor­ha­ben von Rot-Rot-Grün. Es wäre nicht weni­ger als der Ein­stieg in die Pri­va­ti­sie­rung der Schu­len. Alle der­zeit ver­han­del­ten Model­le bedeu­ten eine weit­rei­chen­de Pri­va­ti­sie­rung des Schul­baus, der Schul­ge­bäu­de und der zuge­hö­ri­gen Grund­stü­cke. Die zu erwar­ten­den Mehr­kos­ten füh­ren dazu, dass weni­ger saniert wer­den kann. Das alles hat man den Ber­li­ne­rin­nen und Ber­li­nern noch nicht erzählt. Wir for­dern Senat und Bezirks­bürgermeister auf: Kei­ne Vor­ent­schei­dung am Mon­tag, statt­des­sen eine brei­te Debat­te!”

Die vor­ge­schla­ge­ne Über­tra­gung der Ver­ant­wor­tung für wei­te Tei­le des Schul­baus an eine GmbH ent­spricht der for­mel­len Pri­va­ti­sie­rung. Gleich­zei­tig sol­len Gebäu­de und Grund­stü­cke über­tra­gen oder lang­jäh­rig ver­pach­tet wer­den. Die Bezir­ke müs­sen die Schu­len dann zurück­mie­ten. Die­ser Schritt erlaubt es dem Manage­ment der GmbH, Öffent­lich-Pri­va­te Part­ner­schaf­ten ein­zu­ge­hen oder ander­wei­tig Inves­to­ren ein­zu­be­zie­hen. Even­tu­ell kön­nen Schul­grund­stü­cke auch auf­ge­teilt und teil­wei­se ver­kauft wer­den. Gleich­zei­tig ver­fehlt die Schul­bau­of­fen­si­ve das zen­tra­le Pro­blem des Fach­kräf­te­man­gels völ­lig. Dazu Ulrich Scholz, Sekun­dar­schul­leh­rer und Autor einer Kurz­stu­die für GiB:

Nach­ho­len­de Sanie­rung ist drin­gend nötig. Aber die jetzt vor­ge­schla­ge­ne ‘Schul­bau­of­fen­si­ve’ über­for­dert die Ver­wal­tung eben­so wie jede pri­va­te GmbH. Das zeigt unse­re Stu­die glas­klar. Die­ses Jahr wur­den 830 Mil­lio­nen Euro bereit­ge­stellt. Letz­tes Jahr konn­ten nur gut 160 Mil­lio­nen Euro ver­baut wer­den – obwohl das Geld da war. Man gibt also vor, man könn­te die Aus­ga­ben mehr als ver­fünf­fa­chen. Das ist unmög­lich. Bekommt nun eine pri­va­te Schul-GmbH die­se unmög­li­che Auf­ga­be, wird mas­si­ve Pri­va­ti­sie­rung der Aus­weg sein — was man selbst nicht schafft, sol­len dann Gene­ral- oder Total­un­ter­neh­mer machen. Wir for­dern rea­lis­ti­sche Maß­nah­men, bei denen der sen­si­ble Bereich Schu­le voll­stän­dig in öffent­li­cher Hand bleibt.”

Die Pri­va­ti­sie­rung von Schul­bau und Schul­ge­bäu­den könn­te schnell gra­vie­ren­de Fol­gen auch für den Schul­be­trieb ver­ur­sa­chen. Dazu Han­ne­lo­re Wei­mar, lang­jäh­ri­ge Schul­lei­te­rin und Spre­che­rin der AG Bil­dung von GiB:

Hier geht es um viel mehr als um tech­ni­sche und finan­zi­el­le Fra­gen des Schul­baus. Mit die­ser Schul­bau­of­fen­si­ve wür­de sich der All­tag in den Schu­len erheb­lich ver­än­dern — über­wie­gend zum Schlech­te­ren. Wel­che Schu­le saniert wird, hängt dann womög­lich davon ab, ob die Schu­le einen Gegen­wert zu bie­ten hat: zum Bei­spiel attrak­ti­ve Schul­hof­be­rei­che, die ver­kauft und bebaut wer­den kön­nen, Gebäu­de­tei­le oder Park­plät­ze, die an Drit­te ver­mie­tet wer­den kön­nen. Die Bezir­ke bestim­men fast nur noch über die Möbel.”

 

Im Nach­gang zu der Pres­se­kon­fe­renz gabe es die fol­gen­den Berich­te:

03.11.2017, Tages­spie­gel: Ber­li­ner Schul­bau: Pri­va­ti­sie­rungs­of­fen­si­ve des Senats im Visier, von Ralf Schön­ball
http://www.tagesspiegel.de/berlin/berliner-schulbau-privatisierungsoffensive-des-senats-im-visier/20540314.html

4.11.2017, Ber­li­ner Zei­tung: Maro­de Schu­len in Ber­lin Das dubio­se Mil­li­ar­den­ver­spre­chen, von Fre­de­rik Bom­bosch, Gabrie­la Kel­ler, Mar­tin Kles­mann, Kai Schlie­ter
https://www.berliner-zeitung.de/berlin/marode-schulen-in-berlin-das-dubiose-milliardenversprechen–28763958

4.11.2017, Ber­li­ner Mor­gen­post: Drin­gen­de Sanie­run­gen: FDP legt Kon­zept für Tur­bo-Schul­bau in Ber­lin vor, von Flo­ren­ti­ne Anders
https://www.morgenpost.de/berlin/article212437147/FDP-legt-Konzept-fuer-Turbo-Schulbau-in-Berlin-vor.html

4.11.2017, TV-Ber­lin: Sor­ge vor Pri­va­ti­sie­rung der Ber­li­ner Schulen/Nahaufnahme
https://www.youtube.com/watch?v=0dIsy7w-NyI

4.11.2017, Neu­es Deutsch­land: Kri­tik am Kon­zept für Schul­bau, von Mar­tin Krö­ger
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1069001.kritik-am-konzept-fuer-schulbau.html

4.11.2017, Jun­ge Welt: Lek­ti­on vom Klas­sen­feind: Hin­ter der »Schul­bau­of­fen­si­ve« für Ber­lin ver­steckt sich ein Mas­ter­plan zur Pri­va­ti­sie­rung. Links­par­tei macht mit. Ver­ei­ne star­ten Kam­pa­gne dage­gen, von Ralf Wurz­ba­cher
https://www.jungewelt.de/artikel/321130.lektion-vom-klassenfeind.html

 

GiB-Flug­blatt gegen Schul­pri­va­ti­sie­rung in Ber­lin.

Bil­der der Pres­se­kon­fe­renz: (alle Fotos: Klaus Ihlau)

 

Carl Waß­muth auf der Pres­se­kon­fe­renz am 3. Novem­ber 2017, Foto: Klaus Ihlau

Ulrich Scholz und Han­ne­lo­re Wei­mar auf der Pres­se­kon­fe­renz am 3. Novem­ber 2017, Foto: Klaus Ihlau

Carl Waß­muth und Ger­lin­de Scher­mer auf der Pres­se­kon­fe­renz am 3. Novem­ber 2017, Foto: Klaus Ihlau

Han­ne­lo­re Wei­mar auf der Pres­se­kon­fe­renz am 3. Novem­ber 2017, Foto: Klaus Ihlau

Ulrich Scholz auf der Pres­se­kon­fe­renz am 3. Novem­ber 2017, Foto: Klaus Ihlau

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