Geknickte Freileitung

Stromversorgung in den USA ist marode

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Stromversorgung in den USA ist marode

Der Tropensturm in den USA ist deutlich glimpflicher verlaufen als erwartet. So gab es bisher 21 gemeldete Todesopfer. Zum Vergleich: Der Orkan Lothar hatte 1999 in Europa etwa 110 Todesopfer gefordert.Deutlich gravierender wurde jedoch die Energieversorgung betroffen: In unterschiedlichen Gebieten waren zeitweise fast fünf Millionen Haushalte und Unternehmen ohne Strom. (Quelle: Fokus).
Das ist ein gewaltige Summe an Stromausfällen. Ursprünglich sind Energienetze dafür ausgelegt, den maximalen Orkan oder Hurrikan, der statistisch gesehen nur einmal alle 50 jahre auftritt, schadlos zu überstehen. Faktisch überstehen sie nun nicht  einmal relative milde Stürme, also solche, die deutlich häufiger auftreten. Das ist unter anderem eine Folge der fehlenden Nachivestition in die Freileitungsmaste und die zugehörigen Anlagen. Die Energie-Multis haben wenig Interesse an Versorgungssicherheit: Das ist ein ausschliesslich der Allgemeinheit dienender Wert, er steht Renditeinteressen diametral gegenüber.

Was in den USA beobachtet werden kann, steht uns auch in Europa bevor: Die Anlagen sind kaum hier jünger, sie sind zumeist in den Nachkriegsjahren errichtet. Es gab in den letzten Jahren auch bereits massive Ausfälle in Europa. Wir schrieben dazu bereits in unserem Beitrag „Ein Dreamteam“ vom 13.12.2010.

Am 9.11.2010 hat die Internationale Energieagentur der OECD in der Vorstellung ihres Energieberichts beteuert, dass in Deutschland die Versorgung gesichert ist. Das sollte hellhörig machen angesichts der massiven Stromausfälle in den USA 2003 und in Europa 2005 und 2006, die weitestgehend auf überalterte und schlecht gewartete Infrastruktur zurückgeführt wurden und denen keine großangelegten Sanierungs- und Ausbauprogramme folgten. (Quellen: Stromausfall USA 2003, Stromausfall Europa 2006) Die Hochspannungsleitungen in ganz Deutschland sind stark überaltert. Neuinvestitionen gab es zuletzt kaum, das ständige Flicken kommt in absehbarer Zeit an seine Grenzen. Großausfälle wie 2005 im Münsterland (Artikel in Wikipedia), als 250.000 Menschen tagelang ohne Strom auskommen mussten, werden sich häufen.

Dass es bei Sromausfällen nicht nur  darum geht, dass der Fernseher mal eine Zeit ausbleibt, zeigt die Liste unten: Bei einem Stromausfall ist die Versorgung mit Lebensmitteln und Wasser gefährdet, die Zubereitung von Lebensmitteln stark eingeschränkt. Betroffen ist auch die Versorgung z.B.  mit Geld oder Benzin, und natürlich schweigen die Telefone, was Notrufe erschwert. Diese Situation kommentierte Jakob Schlandt von der Berliner Zeitung schon am 30.05.2011: „Die Sicherung der Energieversorgung war schon immer eine hoheitliche Aufgabe, und die Liberalisierung hat weniger den Stromkunden genützt als den Bilanzen der marktdominanten Konzerne“. Versorgungssicherheit kann lebensnotwendig sein. Dieses Gemeingut gehört in öffentliches Eigentum überführt und einer breiten, transparenten demokratischen Kontrolle und Mitbestimmung unterworfen.

Carl Waßmuth, Gemeingut in BürgerInnenhand, 29.08.2011

Folgen von Stromausfällen im privaten Bereich nach Wikipedia

  • Beleuchtung: Elektrisches Licht, Ampeln, Signale fallen aus. Ebenso elektrische Rolladenantriebe.
  • Mobilität: Aufzüge, Skilift, Seilbahn oder Parkhausschranken fallen aus.
  • Wärme: Die Heizung/Lüftung bzw. Klimaanlage fällt aus, Elektroheizungen aber auch Öl- und Gas-Zentralheizungen haben ohne elektrischen Strom keine Steuerung, keinen Zündfunken und keine Umwälzpumpe.
  • Lebensmittel: Lebensmittel werden im Kühlschrank nicht länger gekühlt und können bei einem längeren Stromausfall zum Verzehr nicht mehr geeignet sein.
  • Kochen: Elektroherd, Mikrowelle, Kaffeautomat, Wasserkocher funktionieren ohne den elektrischen Strom nicht.
  • Nachrichten: Rundfunk, Fernsehen und Radio funktionieren nicht.
  • Kommunikation: Mobilfunk, Festnetz sowie Computer und Internet stehen bei längeren Stromausfällen nur eingeschränkt oder gar nicht zur Verfügung.
  • Geld: Hardware und Geldautomaten von Banken sind meistens nicht funktionsfähig.
  • Einkaufen: In Supermärkten gibt es meist Einschränkungen, da weder Kassen, noch die Kühlung der Lebensmittel funktionieren.
  • Treibstoff: Die meisten Tankstellen haben weder einen Stromerzeuger, noch eine Einspeisevorrichtung für einen Stromerzeuger. Ohne Strom lässt sich der Kraftstoff nicht von den unterirdischen Tanks zu den Zapfsäulen pumpen.
  • Wasser: Bei einem längeren Stromausfall fallen Trinkwasseraufbereitung und Abwasserentsorgung aus.

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