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Macht mit: Vor­be­rei­tung der Anhö­rung zum Schul­bau in Ber­lin

6 Juli 2018

Unter­schrif­ten­über­ga­be im Ber­li­ner Abge­ord­ne­ten­haus am 3.7.2018

Am 3. Juli haben wir 30.402. Unter­stüt­ze­rIn­nen-Unter­schrif­ten für die Volks­in­itia­ti­ve “Unse­re Schu­len” dem Prä­si­den­ten des Ber­li­ner Abge­ord­ne­ten­hau­ses über­reicht. Die gro­ße Anzahl von Unter­schrif­ten ist ein rie­si­ger Erfolg und zeigt, dass vie­le Men­schen in Ber­lin die Pri­va­ti­sie­rung von Schul­ge­bäu­den, –grund­stü­cken und Schul­bau ableh­nen.

Wir dan­ken allen, die unter­schrie­ben und mit­ge­sam­melt haben, die die Volks­in­itia­ti­ve bekann­ter gemacht und dafür gespen­det haben. Nur mit euch war die­ser Erfolg mög­lich!

Wie wei­ter? Mit Schrei­ben vom 6. August hat der Prä­si­dent des Ber­li­ner Abge­ord­ne­ten­hau­ses die Recht­mä­ßig­keit der Volks­in­itia­ti­ve “Unse­re Schu­len” bestä­tigt. 28.070 Unter­schrif­ten wur­den als gül­tig aner­kannt. Jetzt müs­sen wir in den für unser Anlie­gen zustän­di­gen Aus­schüs­sen gehört wer­den.

Wir wer­den dort auf die dro­hen­den Fol­gen des Pri­va­ti­sie­rungs­vor­ha­bens auf­merk­sam machen. Damit das The­ma Schul­pri­va­ti­sie­rung die ver­dien­te Auf­merk­sam­keit bekommt, stre­ben wir eine gan­ze Rei­he von Anhö­run­gen an. Wel­che Aus­schüs­se wir bis­her als betrof­fen anse­hen, haben wir im Antrag auf Aner­ken­nung als Volks­in­itia­ti­ve (s. unten) for­mu­liert. Die Anhö­run­gen wer­den sehr wahr­schein­lich im Oktober/November statt­din­den, und wir haben ab jetzt Zeit, uns dar­auf vor­zu­be­rei­ten. Wenn ihr Inter­es­se an der inhalt­li­chen Mit­ar­beit habt, Quel­len, Fak­ten und ande­res Mate­ri­al zur geplan­ten Schul­bau­of­fen­si­ve des Senats lie­fern könnt, mel­det euch bei uns unter anhoerung@gemeingut.org. Auch eine ver­schlüs­sel­te Kom­mu­ni­ka­ti­on ist mög­lich.

VOLKS­IN­ITIA­TI­VEUNSE­RE SCHU­LEN“: UNTER­SCHRIF­TEN UND ANTRAG

Abge­ord­ne­ten­haus von Ber­lin
Herrn Ralf Wie­land
Nie­der­kirch­ner­stra­ße 5
10117 Ber­lin

03.07.2018

Sehr geehr­ter Herr Wie­land,

wir bean­tra­gen hier­mit die Aner­ken­nung als Volks­in­itia­ti­ve nach Abstim­mungs­ge­setz sowie die Anhö­rung in den zustän­di­gen Aus­schüs­sen des Abge­ord­ne­ten­hau­ses. Trä­ge­rin der Volks­in­itia­ti­ve ist Gemein­gut in Bür­ge­rIn­nen­hand (GiB). Zusam­men mit die­sem Schrei­ben über­ge­ben wir Ihnen Unter­schrif­ten, die unse­re Volks­in­itia­ti­ve gemäß Abstim­mungs­ge­setz unter­stüt­zen. Als Ver­trau­ens­per­so­nen der Volks­in­itia­ti­ve wur­den von uns benannt: Sie­grun Bofin­ger, Doro­thea Här­lin, Ger­lin­de Scher­mer, Carl Waß­muth, Han­ne­lo­re Wei­mar

Die wesent­li­chen Punk­te der Vor­la­ge, zu der wir ver­lan­gen ange­hört zu wer­den, lau­ten:

Schu­len end­lich sanie­ren: JA! Neue Schu­len bau­en: JA! Schu­len in öffent­li­cher Hand: JA!
Über­tra­gung von Schul­im­mo­bi­li­en in das Pri­vat­recht: NEIN! Grün­dung einer Schul-GmbH: NEIN!
Unse­re Schu­len müs­sen öffent­lich blei­ben! Kei­ne Über­tra­gung von Schul­im­mo­bi­li­en in das Pri­vat­recht!

Wir for­dern:

  • Schu­len öffent­lich bau­en, erhal­ten, betrei­ben und finan­zie­ren statt Über­tra­gung von Schu­len in eine pri­vat­recht­li­che GmbH
  • Aus­bau des Per­so­nals in den Schu­len und Bau­äm­tern in öffent­li­cher Hand statt Spar­dik­tat und Abwer­ben von Fach­kräf­ten durch die GmbH
  • Schul­grund­stü­cke im Eigen­tum der Bezir­ke belas­sen, statt die Bezir­ke zu Mie­tern ihrer Schu­len zu machen

Die Ber­li­ner Schu­len müs­sen im öffent­li­chen Eigen­tum mit öffent­li­chen Gel­dern saniert und aus­ge­baut
wer­den – das ist der schnells­te Weg und auch das sichers­te, güns­tigs­te und demo­kra­tischs­te Vor­ge­hen.

Des Wei­te­ren erhe­ben wir die fol­gen­den For­de­run­gen:

1. Schul­sa­nie­run­gen sofort star­ten statt jah­re­lan­gem Auf­bau einer GmbH und zen­tra­ler Par­al­lel­struk­tur
2. Schul­bau öffent­lich und aus­rei­chend finan­zie­ren statt teu­rer Kapi­tal­markt­kre­di­te im Rah­men einer GmbH, statt Miet­zah­lun­gen der Bezir­ke für die Schu­len und statt Schu­len als Kre­dit­si­cher­hei­ten
3. Per­so­nal in der öffent­li­chen Hand aus­bau­en und bes­ser ent­loh­nen statt Abwer­ben von Fach­kräf­ten von der öffent­li­chen Hand in eine GmbH
4. Betei­li­gung von Schul­lei­tun­gen, inter­es­sier­ten Leh­re­rIn­nen, Eltern, Schü­le­rIn­nen und Bür­ge­rIn­nen am Ent­schei­dungs­pro­zess statt Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­sen bei einer GmbH
5. Schu­len und Turn­hal­len als offe­ne Orte in Ber­lin erhal­ten statt Sport­ver­ei­ne und Nut­ze­rIn­nen durch hohe Miet­zah­lun­gen aus­zu­gren­zen
6. Dezen­tra­le Struk­tu­ren aus­bau­en statt Schul­bau als Groß­pro­jekt à la BER
7. Schul­grund­stü­cke im Eigen­tum der Bezir­ke belas­sen statt die Bezir­ke zu Mie­tern ihrer Schu­len zu machen
8. Schul­bau in eige­ner Regie und mit regio­na­lem Hand­werk und Gewer­be statt Groß­ver­trä­ge mit Bau­kon­zer­nen, Kos­ten­ex­plo­si­on, Lohn­dum­ping
9. Erhalt und öffent­li­che Nut­zung aller Schul­grund­stü­cke und -gebäu­de statt Abriss und Ver­kauf von Schul­ge­bäu­den
10. Schu­le in öffent­li­cher und demo­kra­ti­scher Ver­wal­tung statt Schu­le als Finanz­pro­dukt mit Erb­bau­ver­trä­gen und ande­ren Finanz­kon­struk­ten
11. Erhalt und Pfle­ge des öffent­li­chen Grüns auf den Schul­hö­fen statt Baum­fäl­lun­gen zuguns­ten von Fremd­be­bau­ung
12. Rekom­mu­na­li­sie­rung von Schul­rei­ni­gung und Schu­les­sen statt Out­sour­cing mit der Fol­ge von Schul­schmutz, schlech­tem Essen und Ekel­skan­da­len.

Begrün­dung:

Der Ber­li­ner Senat plant eine soge­nann­te Ber­li­ner Schul­bau­of­fen­si­ve (BSO). Was gut klingt, hat einen hoch­pro­ble­ma­ti­schen Kern: Schul­grund­stü­cke, Schu­len und Schul­bau­auf­trä­ge im Volu­men von 1,5 Mil­li­ar­den Euro oder mehr sol­len in pri­vat­recht­li­che GmbHs aus­ge­la­gert wer­den. Vom Senat für die Aus­la­ge­rung vor­ge­schla­gen wur­den die HoWo­Ge GmbH und die BIM GmbH. Die­se Aus­la­ge­rung öffent­li­cher Auf­ga­ben ins Pri­vat­recht stellt eine for­mel­le Pri­va­ti­sie­rung dar, von der wir nega­ti­ve Fol­ge­rung für die Bevöl­ke­rung von Ber­lin erwar­ten. Alle rele­van­ten Ver­trä­ge wür­den mit der Aus­la­ge­rung eben­falls pri­vat­recht­li­chen Logi­ken unter­wor­fen. Aus­kunfts­rech­te der Bür­ge­rIn­nen könn­ten dann hin­ter Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­sen zurück­ste­hen.
Selbst das öffent­li­che Ver­ga­be­recht stün­de in Fra­ge: Wenn Gene­ral­un­ter­neh­mer oder Gene­ral­über­neh­mer beauf­tragt wer­den, könn­ten die Nach­un­ter­neh­mer aus dem Ver­ga­be­recht her­aus­fal­len. Die Struk­tur des Vor­ha­bens soll nach den bis­he­ri­gen Vor­schlä­gen zudem einer
Öffent­lich-Pri­va­ten Part­ner­schaft (ÖPP) ent­spre­chen – mit Ver­trä­gen, die 25 Jah­re unkünd­bar sind und mit einem auf die Mie­ten geleis­te­ten Ein­re­de­ver­zicht der öffent­li­chen Hand. Die Schul-GmbHs
wären dann die jewei­li­ge ÖPP-Pro­jekt­ge­sell­schaft.

Die BSO wür­de den Ber­li­ner Schul­bau nicht nur für Schu­len betref­fen, die nach der­zei­ti­gem Pla­nungs­stand von der BIM und der HoWo­Ge gebaut bzw. saniert wer­den sol­len. Durch ein­heit­li­che Stan­dards wür­de der bezirk­li­che Schul­bau eben­so wie der Schul­bau durch das Land Bedin­gun­gen
fol­gen, die teil­wei­se oder voll­stän­dig dem Zweck der Aus­la­ge­rung in die pri­vat­recht­li­chen Gesell­schaf­ten die­nen. Gleich­zei­tig ver­zö­gert das War­ten auf die ein­heit­li­chen Stan­dards den Schul­bau lan­des­weit. Zusam­men­ge­fasst befürch­ten wir einen schäd­li­chen Umbau der öffent­li­chen Ver­wal­tung, höhe­re Kos­ten, ver­zö­ger­te Bau­fer­tig­stel­lun­gen, schlech­te­re Qua­li­tät, einen Abbau von
Bür­ger­be­tei­li­gung sowie eine Schwä­chung der demo­kra­tisch legi­ti­mier­ten Steue­rung des betrof­fe­nen Bereichs.

Kon­kret hal­ten wir eine Rei­he von Aus­schüs­sen für zustän­dig, in denen wir begeh­ren, ange­hört zu wer­den:

Wir hal­ten den Haupt­aus­schuss für zustän­dig, denn es geht um die Aus­la­ge­rung von Schul­den aus dem regu­lä­ren Haus­halt und um die Wirt­schaft­lich­keit (oder eben Unwirt­schaft­lich­keit) eines Vor­ha­bens in der Grö­ßen­ord­nung meh­re­rer Mil­li­ar­den Euro.

Zustän­dig ist aus unse­rer Sicht auch der Aus­schuss für Bil­dung, Jugend und Fami­lie, denn es geht um den Schul­bau und –betrieb, um die Betei­li­gung der Schul­gre­mi­en an der Aus­ge­stal­tung von Bau­vor­ha­ben und ins­ge­samt um die Zukunft von Schu­le in Ber­lin.

Der Aus­schuss für Sport ist eben­falls zustän­dig, denn mit der mög­li­chen Über­tra­gung des wirt­schaft­li­chen Eigen­tums an vie­len Sport­hal­len an GmbHs könn­te die bis­her kos­ten­freie Nut­zung der Sport­hal­len für Ver­ei­ne gefähr­det wer­den.

Der Aus­schuss für Stadt­ent­wick­lung und Woh­nen ist zustän­dig, die vor­ge­se­he­nen Bau­vor­ha­ben im Schul­bau sol­len sich zu einem der größ­ten öffent­li­che Inves­ti­ti­ons­pro­jek­te der letz­ten Jah­re sum­mie­ren.

Da auch eine teil­wei­se Beschnei­dung der fak­ti­schen Mit­spra­che der Schul­kon­fe­ren­zen, der Bezirks­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lun­gen, der Bezirks­el­tern- und Leh­rer­aus­schüs­se dro­hen könn­te, hal­ten wir auch den Aus­schuss für Bür­ger­schaft­li­ches Enga­ge­ment und Par­ti­zi­pa­ti­on zustän­dig.

Der Aus­schuss für Inne­res, Sicher­heit und Ord­nung ist unter ande­rem zustän­dig für Infor­ma­ti­ons­frei­heit. Da das Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz nicht für GmbHs gilt, ist der Zustän­dig­keits­be­reich die­ses Aus­schus­ses eben­falls betrof­fen.

Der Aus­schuss für Umwelt, Ver­kehr und Kli­ma­schutz ist zustän­dig, da es mit der Sanie­rung und dem Neu- und Aus­bau von Dut­zen­den Schu­len und Sport­hal­len um die Chan­ce auf eine öko­lo­gi­sche Bau­wei­se sowie einen ener­ge­tisch sinn­vol­len anschlie­ßen­den Betrieb geht. Von der Aus­la­ge­rung über Erb­bau­recht oder ande­re For­men der Abga­be des wirt­schaft­li­chen Eigen­tums an Schu­len und Schul­grund­stü­cken wäre zudem der viel­fach alte Baum­be­stand auf den Schul­hö­fen betrof­fen, ein Teil der grü­nen Lun­ge Ber­lins.

Da es mit der BSO um erheb­li­che Ver­schie­bun­gen in den Zustän­dig­kei­ten gehen soll (jetzt Bezir­ke, spä­ter auch das Land Ber­lin oder die BIM oder HoWo­Ge), ist auch der Aus­schuss für Ver­fas­sungs- und Rechts­an­ge­le­gen­hei­ten zustän­dig. Bis­her im Wesent­li­chen in der Schul­trä­ger­schaft ent­hal­te­ne Auf­ga­ben sol­len auf­ge­spal­ten wer­den in eine Bedarfs-, eine Auf­ga­ben- und eine Bau­trä­ger­schaft.

Der Haupt­aus­schuss hat zudem noch Unter­aus­schüs­se, die wir eben­falls für zustän­dig hal­ten: Der Unter­aus­schuss Betei­li­gungs­ma­nage­ment und –con­tro­ling ist zustän­dig, denn es sol­len 25-Jah­res­ver­trä­ge geschlos­sen wer­den, die nicht künd­bar sind und deren Ver­trags­con­trol­ling sowohl die Betei­li­gun­gen des Lan­des als auch das Land selbst betref­fen. Der Unter­aus­schuss Bezir­ke ist zustän­dig, denn die Bezir­ke sol­len einer­seits in gro­ßem Umfang das Land um Amts­hil­fe ersu­chen, gleich­zei­tig sol­len die Bezir­ke umfang­rei­che Ver­trä­ge abschlie­ßen und erheb­li­che Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen ein­ge­hen, die in ihrer Höhe heu­te noch nicht bekannt sind. Der Unter­aus­schuss Haus­halts­kon­trol­le ist aus unse­rer Sicht zustän­dig, denn die Haus­halts­wahr­heit und -klar­heit könn­te durch die Abwan­de­rung ins
Pri­vat­recht gestört wer­den, dar­auf wei­sen auch jün­ge­re Prüf­an­mer­kun­gen des Lan­des­rech­nungs­ho­fes hin. Der Unter­aus­schuss Per­so­nal und Ver­wal­tung sowie Pro­dukt­haus­halt und Per­so­nal­wirt­schaft ist zustän­dig, denn es sol­len statt eines Per­so­nal­auf­baus in öffent­li­cher Hand nur weni­ge Stel­len in der pri­vat­recht­li­chen HOWO­GE geschaf­fen wer­den, das Gros der Pla­nung, Ver­ga­be und Steue­rung erfolgt dem­nach von Pri­vat­fir­men, die damit erheb­li­ches der­zeit öffent­li­ches Know­how über­tra­gen bekom­men. Der Unter­aus­schuss Ver­mö­gens­ver­wal­tung ist zustän­dig, denn durch die Erb­bau­ver­trä­ge, die geplan­ten Stun­dun­gen sowie die Deckungs­zu­sa­gen für die Schul­mie­ten der Bezir­ke wären die Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de des Lan­des betrof­fen.

Mit freund­li­chen Grü­ßen
Sie­grun Bofin­ger, Doro­thea Här­lin, Ger­lin­de Scher­mer, Carl Waß­muth und Han­ne­lo­re Wei­mar

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