GiB-Aufruf: Keine Krankenhausschließungen

Krankenhäuser schließen? Fotomontage: GiB

Liebe Freundinnen und Freunde der Gemeingüter,

niemand wird bestreiten, dass Krankenhausversorgung zur Daseinsvorsorge gehört. Dennoch verpflichtet der Gesetzgeber die Krankenhäuser, gewinnorientiert zu wirtschaften. Dieser Widerspruch besteht schon länger, aber das ist kein Grund, ihn hinzunehmen. Wegen der Möglichkeit, mit Krankenhäusern Profite zu machen, hat sich der Anteil der privaten Krankenhäuser in den letzten Jahren verdoppelt, die Zahl der öffentlichen Krankenhäuser ist um 40 Prozent zurückgegangen. In den öffentlichen Einrichtungen verschlechtert sich die Versorgung: Die Bettenanzahl geht zurück, Abteilungen werden geschlossen. Das verquere Fallpauschalensystem bewirkt, dass bestimmte teure Leistungen immer häufiger vorgenommen werden. So ist die Zahl der Kaiserschnitte von 1996 bis 2017 um 65 Prozent angestiegen. Kliniken spezialisieren sich auf lukrative PatientInnen und Segmente.

Was schlecht ist, kann noch schlimmer werden. Krankenhausversorgung besteht nicht nur aus Betten, Pflegepersonal und Ärzten. Auch die Zahl und Lage der Krankenhäuser selbst ist wichtig. In Deutschland wohnen 56 Prozent der Menschen in ländlichen Räumen. Es macht einen Unterschied, ob das nächste Krankenhaus 10, 25 oder 50 Kilometer weit entfernt liegt. In vielen Fällen kann eine kurze Distanz lebensrettend sein, zum Beispiel bei Schlaganfällen.

Nun fordern Beraterfirmen eine drastische Reduktion der Zahl unserer Krankenhäuser. Aktuell lässt die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen die Zahl seiner Kliniken überprüfen. Gutachter empfehlen, die Zahl der Kliniken im Krankenhausplan des Landes um bis zu 60 Prozent zu senken. Angeblich liegen „für weite Teile von Nordrhein-Westfalen Anzeichen für eine stationäre Überversorgung vor“. Extremszenarien für das gesamte Bundesgebiet sprechen sogar von einer Reduktion auf nur 330 Akutkliniken – bundesweit gibt es derzeit noch circa 1900 Krankenhäuser.

Zum Thema Corona ist womöglich vieles dem Medienhype geschuldet. Aber der Virus zeigt dennoch, dass wir für Epidemien und Katastrophen mehr Kapazitäten an Betten, Räumen und Personal vorhalten müssen, als die Berater in ihren Schönwetterprognosen ausrechnen. Wir brauchen unsere Krankenhäuser, und zwar alle! Gemeinsam mit der Initiative „Regionale Krankenhausinfrastruktur erhalten“ haben wir einen Aufruf gestartet, in dem wir den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet auffordern, Pläne für Krankenhausschließungen sofort zu stoppen.

Unterstützen Sie den Aufruf mit Ihrer Unterschrift. Dabei geht es um weit mehr als um Nordrhein-Westfalen. Dieses Bundesland dient als Pilotprojekt. Macht das Beispiel der Schließungen dort Schule, wird die Krankenhausversorgung in ganz Deutschland gefährdet.

Hier kann man den Aufruf unterschreiben.
Hier kann man den Aufruf finanziell unterstützen.

Mit herzlichen Grüßen
Laura Valentukeviciute und Carl Waßmuth
für die Aktiven von GiB

PS: Wenn Sie lieber auf Papier unterschreiben oder in der Nachbarschaft Unterschriften sammeln möchten, laden Sie einfach den offenen Brief der Initiative „Regionale Krankenhausinfrastruktur erhalten“ herunter.

PPS: Unter den Gutachtern, die Nordrhein-Westfalen Krankenhausschließungen empfehlen, ist neben der Bertelsmann-Stiftung auch die Partnerschaft Deutschland GmbH. Wir hatten erst vor sechs Wochen dazu aufgerufen, diese Lobby-Agentur des Bundes zu schließen. Tausende haben den Aufruf bis jetzt unterzeichnet:  https://www.gemeingut.org/ppp-lobby-stoppen

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