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Das Buch des Schre­ckens

26 April 2018

Das Mos­terbuch der mons­trös lang­dau­ern­den Schul­bau­vor­ha­ben in Ber­lin CC0

Von Carl Waß­muth

Die­sen Diens­tag, am 24. April 2018, stell­ten Bau­se­na­to­rin Kat­rin Lomp­scher, Finanz­se­na­tor Mat­thi­as Kol­latz-Ahnen sowie  Bil­dungs­se­na­to­rin San­dra Schee­res ein dickes Buch vor: Es soll alle Maß­nah­men zur Ber­li­ner Schul­bau­of­fen­si­ve ent­hal­ten. Schon der Titel ist scheuß­lich: „Ber­li­ner Schul­bau­of­fen­si­ve  — Bericht zum Maß­nah­men- und Finanz­con­trol­ling“. Dann ist das Buch auch noch fett: 754 Sei­ten hat es. Aller­dings sind die meis­ten Sei­ten kaum zur Hälf­te gefüllt, net­to sind es also eher 350 Sei­ten, qua­si ein auf­ge­schwemm­tes Buch.  Am gräß­lichs­ten ist aber doch der Inhalt. Man kann dar­aus ent­neh­men, wie lan­ge man sich nun nach Auf­fas­sung des Senats min­des­tens gedul­den soll. Um es kurz zusam­men zufas­sen: lan­ge. Was nicht erwähnt wird, ist, dass die­se Geduld aus zwei sehr spe­zi­el­len Grün­den ein­ge­for­dert wird. Ers­tens, weil frü­he­re Bau­se­na­to­ren, dar­un­ter auch Micha­el Mül­ler, die Bau­ver­wal­tung sehen­den Auges kaputt­ge­spart haben. Und zwei­tens  weil dem Senat auch heu­te zügi­ges Bau­en lan­ge nicht so wich­tig ist wie die Schaf­fung eines kom­ple­xen Ver­trags­kon­strukts zur Umge­hung der Schul­den­brem­se.

Geht man ins Detail, wird der schul­bau­po­li­ti­sche Offen­ba­rungs­eid deut­lich: Die HOWO­GE fängt mit dem Bau­en spät an und wird noch spä­ter damit fer­tig. Wert­vol­le Jah­re gehen ver­lo­ren, in denen die bestehen­den Schu­len immer vol­ler und maro­der wer­den:

  • Bei­spiel Leib­niz-Gym­na­si­um: Die Gesamt­sa­nie­rung durch die HOWO­GE soll erst 2026 begin­nen. War­um?
  • Bei­spiel  Andre­as-Gym­na­si­um: Das tra­di­ti­ons­rei­che Gym­na­si­um in Fried­rich­hain hat wegen einer Quel­le unter dem Kel­ler Feuch­tig­keits­pro­ble­me, der Schul­hof ist seit Jah­ren ein regel­rech­ter Schlamm­spiel­platz, Räu­me im Ober­ge­schoss sind wegen Pla­nungs­feh­lern frü­he­rer Maß­nah­men nicht nutz­bar. Eine Sanie­rung wür­de nach der­zei­ti­ger Schät­zung nur 3,5 Mil­lio­nen Euro kos­ten, soll aber „nach 2026“ star­ten. In die­sem Fall nicht durch die Howo­ge, son­dern durch das Land Ber­lin. Die jet­zi­ge Schü­ler­ge­nera­ti­on wird fak­tisch kom­plett abge­schrie­ben. Ein enga­gier­ter jun­ger Schul­lei­ter hat schon das Wei­te gesucht und ist nach Bran­den­burg gegan­gen.
  • Bei­spiel Neu­bau einer inte­grier­ten Sekun­dar­schu­le in der Hein­ers­dor­fer Str. durch die HOWO­GE. Dort steht unter Bemer­kun­gen nur knapp „Neue Schu­len Pro­gramm, 2. Tran­che; Fer­tig­stel­lung nach 2026“. War­um?
  • Bei­spiel  Mar­tin-Buber-Ober­schu­le: Die Inte­grier­te Sekun­dar­schu­le in Span­dau war­tet noch sechs Jah­re auf den Bau­be­ginn durch die HOWO­GE, 2027 soll die Sanie­rung dann fer­tig sein. Alle heu­ti­gen Schü­le­rIn­nen und Schü­ler haben die Schu­le dann längst ver­las­sen.

Aber es gibt auch Grund­schu­len, deren Fer­tig­stel­lung durch die HOWO­GE nach 2026 lie­gen soll, z.B. in Span­dau. Der frü­hes­te Ter­min einer Fer­tig­stel­lung unter „Amts­hil­fe“ durch die HOWO­GE ist 2023. Die Sanie­rung und Erwei­te­rung der Ernst-Reu­ter-Schu­le durch die HOWO­GE soll zum Bei­spiel vor­aus­sicht­lich 2020 begin­nen, Fer­tig­stel­lung soll frü­hes­tens 2023 sein. Das wäre dann im Jah­re sie­ben nach Amts­be­ginn von Rot-Rot-Grün. Die­se Regie­rung ist dann womög­lich schon seit zwei Jah­ren wie­der abge­wählt. Ver­ste­hen könn­te man es …

Die Kar­te des Schre­ckens zum Buch des Schre­ckens: Wor­auf man auch klickt — bis auf weni­ge bezirk­li­che Maß­nah­men dau­ert es fast über­all 5 bis 10 Jah­re. Quel­le: Goog­le Maps

Quel­le: Goog­le Maps / MAP_Schulbau_Doppler_gelöscht_eineSpalte.xlsx

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