Besorgniserregende Entwicklung im bayerischen Klinikschließungsprozess

Pressemitteilung der Aktionsgruppe Schluss mit Kliniksterben in Bayern

Die Aktionsgruppe Schluss mit Kliniksterben in Bayern ist tief besorgt um die Zukunft bayerischer Krankenhäuser. In Bayern zeichnen sich in Verbindung mit Klinikschließungen drei Trends ab, die eine ausreichende wohnortnahe klinische Versorgung grundsätzlich in Frage stellen:

1) Versprochene und nicht eingehaltene Anschlussversorgung

Fast immer verspricht der Klinikträger der betroffenen Bevölkerung bei Ankündigung einer Klinikschließung eine gute Anschlussversorgung. Dies geschieht, bevor die Konzepte ausgereift sind beziehungsweise Versorgungsverträge abgeschlossen wurden.

Ziel ist offenbar, den Widerstand der Bevölkerung gegen eine Klinikschließung zu brechen.

Den Verantwortlichen muss der Vorwurf der Fahrlässigkeit oder der bewussten Irreführung gemacht werden.

Klassische Beispiele sind ambulante Gesundheitszentren, die oft die blumigen Namen Gesundheitscampus, MVZ, Integriertes Versorgungszentrum oder Intersektorales Gesundheitszentrum tragen. Oder es wird eine Pflegeeinrichtung anstelle des Krankenhauses versprochen. In beiden Fällen scheitern die Projekte: Das versprochene ambulante Gesundheitszentrum in Hersbruck, Waldsassen, Vohenstrauß und Marktheidenfeld wurde nicht realisiert. Die versprochene Pflegeeinrichtung scheiterte in Ebern und in Parsberg.

Und: Ambulante Gesundheitszentren sowie Pflegeeinrichtungen ersetzen kein Allgemeinkankenhaus!

Die Aktionsgruppe Schluss mit Kliniksterben in Bayern hat dazu eine Liste der falschen Versprechen in Bayern veröffentlicht. Sie ist zu finden unter: https://schlusskliniksterbenbayern.jimdofree.com/hintergr%C3%BCnde/falsche-versprechen/

2) Klinikkonzentration

Gab es in der Vergangenheit oft Schließungen von Klinikstandorten, so zeichnen sich ab 2022 vermehrt Konzentrationsprozesse ab, in denen aus zwei Krankenhäusern ein Zentralkrankenhaus entwickelt werden soll. Im Landkreis Weilheim-Schongau soll dafür ein neues Krankenhausgebäude für 400 bis 500 Millionen Euro errichtet werden. Im Gegenzug werden zwei funktionierende Krankenhausgebäude aufgegeben und dadurch in riesigem Umfang Steuermittel verschwendet.

In jedem Fall führt der Konzentrationsprozess zur Schließung mindestens eines der betroffenen Krankenhäuser mit allen bekannten Folgen:

– Aufgabe der stationären Versorgung

– Aufgabe der Notfallversorgung

– Aufgabe einer Bereitschaftspraxis, sofern am Krankenhaus vorhanden

– Aufgabe der praktischen pflegerischen und ärztlichen Ausbildung

– Verlust an Kaufkraft in der Region

– längere und teilweise unzumutbare Entfernung zum nächstgelegenen Krankenhaus.

Aktuell soll zwischen der Schließung folgender Krankenhäuser entschieden werden:

Kösching oder Eichstätt

Weilheim oder Schongau

Bobingen oder Schwabmünchen.

Die Berichte zu den gefährdeten Standorten finden Sie unter: https://schlusskliniksterbenbayern.jimdofree.com/kliniken-in-not/geplante-klinikschlie%C3%9Fungen/

3) Sicherstellungskrankenhaus

Es gibt Krankenhäuser, die aufgrund ihrer Lage in ländlichen Regionen vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) als „unverzichtbar“ eingestuft werden und jährlich einen Sicherstellungszuschlag von mindestens 400.000 Euro erhalten. Die genauen Regeln dazu sind beschrieben unter: https://neue-kliniken-simulieren.jimdofree.com/unwirksamer-sicherstellungszuschlag/

Mit der SANA Klinik Roding schließt zum 31. März 2022 exakt ein solches Sicherstellungskrankenhaus.

Bürger in Bayern können nicht mehr darauf vertrauen, dass ein für ihre Region als unverzichtbar  eingestuftes Krankenhaus erhalten bleibt. Konkret werden durch die Schließung der SANA Klinik Roding 9.986 Einwohner kein Krankenhaus mehr innerhalb von 30 Fahrzeitminuten erreichen. Dies kann bei eskalierenden Krankenhausverläufen lebensentscheidend sein.

Fazit

In der Corona-Pandemie bestand die Hoffnung, dass Gesundheitspolitiker in Bund und Bundesländern die Einsicht gewinnen, dringend benötigte Vorsorgekapazitäten in Krankenhäusern zu erhalten. Dies bestätigt auch ein vom Bundesinnen- und Bundesforschungsministerium beauftragtes Grünbach 2020: https://klinikkapazitaetencorona.jimdofree.com/

In diesem Fall würde das Kliniksterben gestoppt!

Leider zeichnet sich jetzt der gegenteilige Trend ab: Trotz des Wissens um unzureichende klinische Vorsorgekapazitäten für Pandemien überstürzen sich in Bayern buchstäblich die Fälle angekündigter und vollzogener Klinikschließungen. Seit dem Pandemie-Jahr 2020 sind dies:

– Parsberg

– Vorhenstrauß

– Fürth (Schön-Klinik)

– Marktheidenfeld

– Roding (31. März 2022).

Eine ausreichende wohnortnahe klinische Versorgung der bayerischen Bevölkerung ist offenbar nicht mehr gewollt – sie wird vorrangig wirtschaftlichen Interessen geopfert.

Die Aktionsgruppe Schluss mit Kliniksterben in Bayern verurteilt diese Trends.

Sie kaschieren die unverändert verheerenden Folgen der Klinikschließungen und tragen in keinerlei Weise zu den oft behaupteten verbesserten klinischen Versorgung in den betroffenen Regionen bei. Die Aktionsgruppe wird sich mit aller zur Verfügung stehenden Kraft gegen diese Trends wehren.

  • Wir rufen die bayerische Bevölkerung zu Wachsamkeit und Widerstand gegen Klinikschließungspläne auf.
  • Wir rufen den Bayerischen Staatsminister für Gesundheit und Pflege Klaus Holetschek dazu auf, dem Kliniksterben in Bayern ein Ende zu bereiten.

Wir rufen die Bundesregierung, insbesondere Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach, zu einer verbesserten Krankenhausfinanzierung auf, die Klinikschließungen überflüssig macht.

Mehr Informationen unter: https://schlusskliniksterbenbayern.jimdofree.com/

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