Abschied von Elinor Ostrom

Elinor Ostrom, Bild: wikipedia

Elinor Ostrom, Bild: wikipedia

13.06.2012, von Laura Valentukeviciute

Am Morgen amerikanischer Zeit ist die wohl bekannteste Gemeingüter-Forscherin Elinor Ostrom gestorben. Im Alter von 78 Jahren starb sie an Krebs – wie die Indiana University in Bloomington meldete, wo Elinor Ostrom zuletzt gelehrt hat.

Elinor Ostrom bekam 2009 als erste Frau den Wirtschaftsnobelpreis für ihre Arbeit zu Commons (Gemeingüter). Ostrom beschäftigte sich in ihrer Forschung unter anderem mit Wasserversorgung, Fischerei, Holzeinschlag, der Nutzung von Weideland oder Jagdrevier in diversen Ländern der Welt.

Mit ihren Forschungsergebnissen widerlegte sie eindrücklich den US-amerikanischen Biologen Garrett Hardin mit seinem Aufsatz “Tragik der Allmende.“ Hardins Ansatz hatte seit den 60ern als in vielen wirtschaftswissenschaftlichen Lehrbüchern als Beleg dafür gegolten, dass gemeinschaftliche Nutzung von Gemeingütern unweigerlich zum deren Übernutzung und Zerstörung führen muss.

Wie Ostrom zeigte, war die bei Hardin beschriebene Schafweide keine Allmende, sondern ein recht- und kommunikationsloses Niemandsland. (1)

Elinor Ostrom ist es gelungen, das verbreitete Bild vom Menschen als einem bloßen Nutzenmaximierer fundiert zu entkräften. Ostrom entdeckte auf ihren Besuchen in den örtlichen Gemeinden, dass die Menschen mit einander ständig kommunizieren und revolutionierte damit die Vorstellung von Herdenbesitzern, die kein Wort mit einander reden. Tatsächlich tauschen sich die Menschen, die die Ressourcen gemeinsam bewirtschaften und nutzen, ständig aus – zum Vorteil der Gemeinschaft und der Gemeingüter.

Mit Elinor Ostrom ist den Gemeingütern die bedeutendste Fürsprecherin verloren gegangen. Ihr geistiges Erbe anzutreten bedeutet dabei aber ohnehin, sich nicht auf wenige Einzelne zu stützen, sondern auf das gemeinschaftliche Wirken vieler.

(1)   Hardin hat einige Jahre später seinen Fehler akzeptiert und ein neues Essay “Tragik der unverwalteten Allmende” veröffentlicht – diese Korrektur allerdings fand keinen Eingang mehr in Lehrbücher – sie passte nicht in das Bild einer Welt, in der nur Eigennutzmaximierung als ökonomisches Prinzip akzeptiert wird.

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