SEZ-Abriss: Moratorium jetzt! E-Mail an die Berliner Abgeordneten

Sehr geehrte Abgeordnete, sehr geehrter Abgeordneter,

dem Sport- und Erholungszentrum an der Landsberger Alle (SEZ) droht akut der Abriss. Ab dem 2. März sollen die Bagger loslegen. Der Abrissplan der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) sieht vor, sofort damit zu beginnen, die Schwimmhalle in der Mitte des Gebäudes zu zerstören. Das SEZ steht in Friedrichshain, weit weg von Steglitz, Spandau, Reinickendorf, Schöneberg, Berlin-Buch oder Köpenick. Aber der Umgang mit dem Bau hat Bedeutung für ganz Berlin, auch für Ihren Wahlkreis.

Das SEZ ist für viele Menschen, die in Ostdeutschland aufgewachsen sind, von großer emotionaler Bedeutung. Etliche bauliche Zeugnisse, die mit ihrer Biographie verbunden waren, wurden bereits zerstört, das SEZ ist fast als letztes, architektonisch einmaliges Bauwerk übrig. Die Bürgerinnen und Bürger fühlen sich übergangen und missachtet.

Bausenator Christian Gaebler hält das Argument „600 Wohnungen“ für ein Trumpf-Ass, das alles sticht. In unserem Brief vom 15. Februar hatten wir Ihnen ausführlich dargelegt, dass viele Themen unserer Stadt vom SEZ berührt werden, nicht nur das respektvolle Miteinander von Ost und West, sondern neben dem Wohnen, auch Schule und Jugend, Familie, Sport, soziale Infrastruktur, Gesundheit, Umwelt, Kultur, öffentliche Finanzen und Bürgerbeteiligung.

Wir halten den Abriss des SEZ für einen schwerwiegenden Fehler und haben Ihnen in unserem Brief vom 15. Februar unsere Argumente vorgetragen. Setzen Sie jetzt ein politisches Zeichen für das SEZ und schreiben Sie Stadtgeschichte.

Wirken Sie auf Ihre Kolleginnen und Kollegen im Ausschuss für Stadtentwicklung ein, kontaktieren Sie Bausenator Christian Gaebler, kontaktieren Sie ihre Spitzenkandidaten mit der Bitte um eine Positionierung.

Mit Ihrem Einsatz für ein Moratorium könnten Sie helfen, einen der virulentesten stadtpolitischen Konflikte dieser Tage zu befrieden. Sie könnten ihre Partei davor bewahren, mit dem Sofortvollzug des Abrisses einen Schritt zu machen, der unumkehrbar ist und von sehr vielen Berlinerinnen und Berlinern als unverzeihlich angesehen würde. Jetzt Bürgerbeteiligung zu ermöglichen ist eine Chance für Sie. Sie können sich den Menschen zuwenden, dazu beitragen, dass Spaltungen überwunden statt vertieft werden.

Seien Sie dabei – mit ihrem Einsatz für ein Moratorium am SEZ, mit Ihrer Stimme für eine breite Bürgerbeteiligung um die Zukunft des Standorts, für eine bessere Qualität des Lebens der Menschen.

Freundlich grüßen

Carl Waßmuth und Katrin Kusche
für Gemeingut in BürgerInnenhand (GiB) e.V.

 

PS: Wir wollen nicht alle unsere Argumente aus dem Brief vom 15. Februar für den Erhalt des SEZ an dieser Stelle wiederholen: Allein schon ein Blick auf die Situation der Sportstätten Berlins zeigt, wie dringend wir das SEZ benötigen. Die Wartelisten für Sportvereine sind gefühlt kilometerlang. Wussten Sie, dass das SEZ schon einmal in nur einem Jahr 4,5 Millionen Besucher hatte? Die Berliner Bäderbetriebe hatten 2023 insgesamt 5,7 Millionen Besucher, Schulschwimmen und Vereinssport bereits inklusive. Warum soll eine so leistungsstarke Einrichtung wie das SEZ zerstört statt saniert werden? Wir fügen unseren Brief noch einmal an, so dass Sie Auszüge daraus einfach zitieren oder  weiterleiten können: https://www.gemeingut.org/brief-an-die-abgeordneten-zum-sez/

PPS: Gegen den Abriss des SEZ gehen die Naturfreunde Berlin juristisch vor. Sofern gegen den Arten- oder Denkmalschutz (oder gegen beides) verstoßen wird, wird das Gericht einen Abriss-Stopp verfügen. Ob das tatsächlich passiert, ist ungewiss. Aber es ist nicht ausgeschlossen. In diesem Zuge könnte das Gericht feststellen, dass das SEZ ein Denkmal ist – für diese Sichtweise sprechen zahlreiche Gutachten und die Aussagen internationaler Experten. Verlassen Sie sich in dieser Frage nicht auf die Aussage von Landeskonservator Dr. Rauhut, der Christian Gaebler unterstellt ist.

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Gemeingüter demokratisieren statt privatisieren! Wir setzen uns für die Gemeingüter ein. Unsere Daseinsvorsorge verfällt zunehmend – wir wollen, dass sie gestärkt und wiederaufgebaut wird. Deswegen engagieren wir uns in verschiedenen Kampagnen und Bündnissen gegen die Privatisierung und für die Demokratisierung öffentlicher Infrastrukturen und Einrichtungen.

Gemeingut in BürgerInnenhand
Weidenweg 37
10249 Berlin
Deutschland

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