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Video- und Audio­bei­trä­ge

[4 Apr 2017 ]

Letz­ten Sonn­tag berich­te­te die ARD im “Bericht aus Ber­lin” über die geplan­te Grund­ge­setz­än­de­rung und Auto­bahn­pri­va­ti­sie­rung. Der kri­ti­sche und sehens­wer­te Bei­trag von Ulla Fie­big fin­det sich hier: http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-274999~_bab-sendung-361.html. Auch GiB kommt zu Wort (ab Minu­te 6:00) gefolgt von SPD-Frak­ti­ons­chef Tho­mas Opper­mann. Sei­ne Aus­sa­gen stel­len eine mas­si­ve Täu­schung der Fern­seh­zu­schaue­rIn­nen dar, des­we­gen haben wir die ein­zel­nen Aus­sa­gen im Fol­gen­den kom­men­tiert:

Opper­mann: „Das Eigen­tum an den Bun­des­au­to­bah­nen bleibt im öffent­li­chen Eigen­tum“, „Der Bund bleibt Eigen­tü­mer.“
Kom­men­tar: Das wird seit Weih­nach­ten stän­dig wie­der­holt und ist auch schon längst nicht mehr Gegen­stand der Aus­ein­an­der­set­zung. Der Satz, dass das Eigen­tum an den Auto­bah­nen im öffent­li­chen Eigen­tum bleibt, schließt aber die zahl­rei­chen Pri­va­ti­sie­rungs­mög­lich­kei­ten wei­ter­hin nicht aus, ins­be­son­de­re nicht die künf­tig schran­ken­lo­sen Öffent­lich-Pri­va­ten Part­ner­schaf­ten (ÖPP), eine Grün­dungs­ver­schul­dung der Infra­struk­tur­ge­sell­schaft und eben­so wenig stil­le Betei­li­gun­gen und ande­re eigen­ka­pi­tal­ähn­li­che Anla­ge­for­men. Die Infra­struk­tur­ge­sell­schaft kann wei­ter­hin das wirt­schaft­li­che Eigen­tum an den Stra­ßen ande­ren über­tra­gen sich zur Erfül­lung ihrer Auf­ga­ben “Drit­ter” bedie­nen. 60 Mil­li­ar­den Euro oder mehr kön­nen jen­seits des Bun­des­haus­halts an ver­steck­ten (und teu­ren) Schul­den auf­ge­nom­men wer­den. An die­ser Stel­le im geplan­ten Gesetz hat sich seit Weih­nach­ten über­haupt nichts geän­dert.

Opper­mann: “Wir haben auch uns dar­auf ver­stän­digt, dass die Unter­ge­sell­schaf­ten im Eigen­tum des Bun­des blei­ben müs­sen. Damit ist eine Pri­va­ti­sie­rung aus­ge­schlos­sen”.
Kom­men­tar: Das schließt zahl­rei­che Pri­va­ti­sie­rungs­mög­lich­kei­ten mit den Toch­ter­ge­sell­schaf­ten wei­ter­hin nicht aus, ins­be­son­de­re nicht stil­le Betei­li­gun­gen und ande­re eigen­ka­pi­tal­ähn­li­che Anla­ge­for­men. Die Toch­ter­ge­sell­schaf­ten, eben­so wie die Mut­ter­ge­sell­schaft, wer­den ÖPP-Pro­jek­te machen dür­fen und das ist die mas­si­ve Pri­va­ti­sie­rungs­form, die nicht ver­hin­dert ist. Schlim­mer noch, Opper­mann ver­schweigt die­se bekannt­lich ange­streb­te Pri­va­ti­sie­rungs­form.

Opper­mann: Auch ein Modell nach dem Vor­bild der Deut­schen Bahn AG sei aus­ge­schlos­sen. Geplant sei eine GmbH, die im allei­ni­gen Eigen­tum des Bun­des blei­be.
Kom­men­tar: Mit dem vor­lie­gen­den Gesetz­ent­wurf wird eine AG ermög­licht, genau wie bei der Deut­schen Bahn AG.

Opper­mann: In den Gre­mi­en die­ser GmbH wer­den die Mit­glie­der des Bun­des­ta­ges auch ein Mit­spra­che­recht haben.
Kom­men­tar: “Mit­glie­der des Bun­des­ta­ges” haben auch heu­te ein Mit­spra­che­recht in einem Gre­mi­um der Deut­schen Bahn AG:
Uwe Beck­mey­er und Kirs­ten Lüh­mann sit­zen im Auf­sichts­rat, bewir­ken aber dort, wie man weiß, so gut wie gar nichts.

Opper­mann: “Nie­mand wird gegen sei­nen Wil­len in ein anders Bun­des­land ver­setzt.”
Kom­men­tar: Der Bund hat die allei­ni­ge Ver­fah­rens­ho­heit und darf sich eini­ge weni­ge Beschäf­tig­te aus­su­chen. Der Bund wird von den genann­ten 11.000 Beschäf­tig­ten ja viel­leicht nur 1.500 über­neh­men! Die Zahl 1.500 steht zumin­dest in der Begrün­dung zum Gesetz­ent­wurf. Die Infra­struk­tur­ge­sell­schaft darf sich zur Erfül­lung ihrer Auf­ga­ben “Drit­ter” bedie­nen, sie braucht nicht so viel eige­nes Per­so­nal. Und die Län­der müs­sen die ande­ren, deren Auf­ga­ben ent­fal­len, dann betriebs­be­dingt kün­di­gen.

Opper­mann: “Die Gewerk­schaf­ten wer­den mit der Infra­struk­tur­ge­sell­schaft einen Über­lei­tungs­ta­rif­ver­trag ver­han­deln.”
Kom­men­tar: Was man braucht, ist die gesetz­li­che Ver­pflich­tung, gene­rell Tarif­ver­trä­ge abzu­schlie­ßen. Nicht nur Über­lei­tungs­ta­rif­ver­trä­ge. Ansons­ten stellt sich die Fra­ge: Was kommt nach 2021? Das ist schon sehr bald.

Opper­mann: Eine mög­li­che Erhö­hung der Maut sei nur mit der Zustim­mung des Bun­des­tags mög­lich.
Kom­men­tar: Mit dem vor­lie­gen­den Gesetz­ent­wurf wird die neue Gesell­schaft Maut­gläu­bi­ge­rin. Der Bun­des­tag hat danach bei einer Erhö­hung der Maut kein Mit­spra­che­recht.

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Ein Blick auf die Kom­men­ta­re zum Bei­trag (http://meta.tagesschau.de/id/121940/angst-vor-autobahn-privatisierung-durch-die-hintertuer macht deut­lich, wie unbe­liebt die geplan­te Auto­bahn­pri­va­ti­sie­rung ist.

[23 Feb 2017 ]

Ist die Auto­bahn­pri­va­ti­sie­rung jetzt vom Tisch? In die­sem Erklär­vi­deo zei­gen wir, was mög­lich wird, wenn die Bun­des­re­gie­rung die­se Grund­ge­setz­än­de­rung durch­be­kommt. Eine Maut wie in Frank­reich? Ein Ver­kehrs­sys­tem, das die Umwelt kaputt macht? Arbeits­platz­ver­nich­tung und Steu­er­mil­li­ar­den für Ver­si­che­rungs­kon­zer­ne? Das alles könn­te kom­men, wenn der Bun­des­tag Ende Mai der Grund­ge­setz­än­de­rung zur Auto­bahn­pri­va­ti­sie­rung zustimmt. Wir haben noch eini­ge Wochen Zeit, um das zu ver­hin­dern. Macht mit: schaut das Video an und wer­det aktiv. Ver­brei­tet das Video in euren Netz­wer­ken und Blogs, nutzt es für Info­ver­an­stal­tun­gen und Kino­aben­de.

Mehr Infor­ma­tio­nen auf unse­rer Mit­mach­sei­te: www.gemeingut.org/aktiv-werden

[25 Jan 2017 ]

Schon in der Wahl­nacht erklär­te Trump: „Wir wer­den unse­re Infra­struk­tur … wie­der­auf­bau­en. Und wir wer­den mit die­sem Wie­der­auf­bau Arbeits­plät­ze für Mil­lio­nen von Men­schen schaf­fen.“ Tat­säch­lich schafft er nur Infra­struk­tur­fonds, die pri­va­ten Anle­gern hohe Ren­di­te für Inves­ti­tio­nen z.B. in Ver­kehrs­we­ge ver­spre­chen — in Zei­ten welt­wei­ter Nied­rig­zin­sen (sie­he auch: https://www.gemeingut.org/trump-und-die-privatisierung-von-autobahnen/).

Robert Reich, Pro­fes­sor an der Ber­ke­ley-Uni­ver­si­tät in Kali­for­ni­en und Arbeits­mi­nis­ter unter Bill Clin­ton, ent­larvt Trumps Inves­ti­ti­ons­po­li­tik in einem Erklär­vi­deo als Murks („Scam“). Er deckt auf, dass die tat­säch­li­chen Inves­ti­tio­nen der pri­va­ten Anle­ger gering sein wer­den, da wei­ter­hin vier Fünf­tel aller Gel­der aus Steu­ern kom­men soll. Zusätz­lich ver­pflich­tet sich der US-ame­ri­ka­ni­sche Staat, den Pri­va­ten ihre Ren­di­te­an­sprü­che zu erfül­len. Die neh­men nicht nur das Steu­er­geld, son­dern bestim­men künf­tig mit, in wel­che Infra­struk­tur inves­tiert wird. Robert Reich ver­mu­tet, dass das dann nicht die not­wen­digs­ten und volks­wirt­schaft­lich sinn­volls­ten Pro­jek­te sein wer­den, son­dern die aus Ren­di­te­sicht lukra­ti­ven Mega­pro­jek­te. Und nicht zuletzt kas­sie­ren Trumps Freun­de aus der Pri­vat­wirts­haft künf­tig auch die Maut und ande­re Gebüh­ren, die die Men­schen dann für die Nut­zung ihrer Infra­struk­tur zah­len müs­sen.

Erklär­vi­deo über Infra­struk­tur­pri­va­ti­sie­rung in USA: “Inves­ti­ti­ons­murks von Trump”

Die Daseins­vor­sor­ge pri­va­ti­sie­ren zuguns­ten gro­ßer Kon­zer­ne und Kapi­tal­an­le­ger – das soll­te hier­zu­lan­de doch unmög­lich sein. Oder? Durch­aus nicht. Die deut­sche Inves­ti­ti­ons­po­li­tik setzt auf haar­ge­nau die­sel­ben Rezep­te wie Trump. Und weil laut unse­rer Ver­fas­sung die Pri­va­ti­sie­rung der meis­ten Berei­che der Daseins­vor­sor­ge bis­her nicht mög­lich ist, soll sie geän­dert wer­den — noch schnell bis Ende März 2017.

Machen Sie was dage­gen, unter­zeich­nen Sie unse­ren Auf­ruf “Kei­ne Fern­stra­ßen­ge­sell­schaft”

[21 Apr 2015 ]

Am 21.4.2015 stell­te die Exper­ten­kom­mis­si­on “Stär­kung von Inves­ti­tio­nen in Deutsch­land” ihren Abschluss­be­richt im Rah­men des Inves­ti­ti­ons­kon­gres­ses im BMWi vor. Gemein­gut in Bür­ge­rIn­nen­hand hat mit einer öffent­lich­keits­wirk­sa­men Akti­on “Gabri­el Ham­pel­mann der Ver­si­che­run­gen und Ban­ken?” gegen die Vor­schlä­ge der Exper­ten­kom­mis­si­on und die Plä­ne von Sig­mar Gabri­el zu mehr Öffent­lich-pri­va­ten Part­ner­schaf­ten pro­tes­tiert.

Die Tages­schau zeig­te unse­re Akti­on in den 12 Uhr-Nach­rich­ten.

[21 Mrz 2015 ]
Anhörung im Finanzausschuss am 16.3. Bild: Erhard Bartels

Anhö­rung im Finanz­aus­schuss am 16.3. Bild: Erhard Bar­tels

Am Mon­tag letz­te Woche fand im Finanz­aus­schuss des Bun­des­tags eine öffent­li­che Anhö­rung zum Ver­kehr­steu­er­än­de­rungs­ge­setz, sprich zur PKW-Maut, statt, zu der Lau­ra Valen­tu­ke­vici­u­te von GiB als Sach­ver­stän­di­ge gela­den war. Sie kri­ti­sier­te das Gesetz als einen wei­te­ren Schritt in Rich­tung Auto­bahn­pri­va­ti­sie­rung (mehr s.u.). Die Aus­schuss­sit­zung wur­de auf­ge­nom­men und kann unter http://dbtg.tv/cvid/4757675 nach­träg­lich geschaut wer­den.

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Fra­gen an GiB und Ant­wor­ten zum Nach­le­sen (kein Wort­pro­to­koll):

Axel Troost (MdB, Die Lin­ke): Kön­nen Sie uns kurz umrei­ßen, inwie­weit eine PKW-Maut Grund­la­ge für eine mög­li­che Pri­va­ti­sie­rung der öffent­li­chen Infra­struk­tur, hier der Auto­bah­nen ist? Und sehen Sie in ande­ren lau­fen­den oder jüngst abge­schlos­se­nen Regu­lie­rungs­in­itia­ti­ven oder Gesetz­ge­bungs­vor­ha­ben Vor­aus­set­zun­gen erfüllt, die für eine mög­li­che Pri­va­ti­sie­rung der Bun­des­au­to­bah­nen erfor­der­lich sind?

Lau­ra Valen­tu­ke­vici­u­te (GiB): Danke. Die Gebüh­ren­fi­nan­zie­rung muss nicht zwangs­läu­fig zur Pri­va­ti­sie­rung füh­ren. Wir ken­nen sie z.B. im Bereich der Abwas­ser­ent­sor­gung. Sie erleich­tert aber nach­fol­gen­de Pri­va­ti­sie­run­gen. Ent­schei­dend ist näm­lich die Fra­ge: wer über­nimmt den Gebüh­ren­ein­zug.

Der vor­lie­gen­de Geset­zes­ent­wurf hängt eng mit dem Geset­zes­ent­wurf zur Ein­füh­rung einer Infra­struk­tur­ab­ga­be für die Benut­zung von Bun­des­fern­stra­ßen“ zusam­men. Dort steht: „Die Errich­tung und der Betrieb des Sys­tems zur Ent­rich­tung der Infra­struk­tur­ab­ga­be soll einem pri­va­ten Betrei­ber über­tra­gen wer­den.“

Erfah­rung mit der Über­tra­gung der Errich­tung und des Betriebs des Maut-Sys­tems gibt es mit Toll Collect. Damit wur­de der Über­gang von der Steu­er­fi­nan­zie­rung zur Nut­zer­fi­nan­zie­rung bei Lkws geschaf­fen. Der Betrei­ber die­ses Maut­sys­tems ist eine pri­va­te Gesell­schaft und das Pro­jekt ist eine Öffent­lich-pri­va­te Part­ner­schaft, die schon viel­fach wegen der enor­men Belas­tung für den Bun­des­haus­halt kri­ti­siert wor­den ist.

Im Geset­zes­ent­wurf zur Infra­struk­tur­ab­ga­be ist die Rede von „Pla­nungs­si­cher­heit für die Finan­zie­rung von Ver­kehrs­in­fra­struk­tur­in­ves­ti­tio­nen“. Das stellt eine lang­fris­ti­ge Zweck­bin­dung von vor­mals nicht zweck­ge­bun­de­nen Steu­er­gel­dern dar. Mit den Mit­teln aus der Infra­struk­tur­ab­ga­be ist offen­sicht­lich vor­ge­se­hen, lang­fris­ti­ge Ver­trä­ge mit pri­va­ten Betrei­bern ein­zu­ge­hen. Der Ent­wurf betont auch die „Unab­hän­gig­keit vom Bun­des­haus­halt“. Das heißt nichts ande­res, als dass das Par­la­ment über die Inves­ti­tio­nen nicht mehr ent­schei­den wird, son­dern pri­va­te Betrei­ber und Kapi­tal­ge­ber.

Neben dem Geset­zes­ent­wurf zur Infra­struk­tur­ab­ga­be gibt es fol­gen­de Initia­ti­ven der Bun­des­re­gie­rung:

  1. Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Sig­mar Gabri­el hat eine Exper­ten­kom­mis­si­on zur Stär­kung der Inves­ti­tio­nen in Deutsch­land ein­be­ru­fen, die klar auf eine Pri­va­ti­sie­rung der Infra­struk­tur zielt. Sie for­dert die Nut­zer­fi­nan­zie­rung, eine Zweck­bin­dung der Nut­zungs­ent­gel­te sowie eine „Bun­des-Auto­bah­nen Infra­struk­tur­ge­sell­schaft (Bau­tIG)“ vor. Die­se Gesell­schaft soll neben der Maut­er­he­bung auch die Auf­trä­ge ver­ge­ben, über­wa­chen und durch­füh­ren sowie wei­te­res Kapi­tal bei insti­tu­tio­nel­len Anle­gern akqui­rie­ren. Der vor­lie­gen­de Gesetz­ent­wurf berei­tet somit zusam­men mit dem zur Infra­struk­tur­ab­ga­be haar­ge­nau den auf Pri­va­ti­sie­rung abzie­len­den Vor­schlag der Gabri­els Kom­mission vor, der bis­her der Öffent­lich­keit noch gar nicht vor­ge­stellt wur­de. Ich zitie­re aus dem Ent­wurf des Zwi­schen­be­richts der Kom­mi­si­on: „Mit der LKW-Maut und der Infra­struk­tur­ab­ga­be für PKW auf Auto­bah­nen sind bereits wich­ti­ge Schrit­te voll­zo­gen.“ Man geht in der Kom­mis­si­on also schon von Fak­ten aus, wäh­rend Sie hier noch die Gesetz­ent­wür­fe bera­ten.
  1. Bun­des­fi­nanz­mis­ter Wolf­gang Schäub­le lässt eine Ände­rung von Arti­kel 90 des Grund­ge­set­zes über Eigen­tum und Ver­wal­tung von Auto­bah­nen und Bun­des­stra­ßen prü­fen, mit dem Ziel, den Län­dern die Auf­trags­ver­wal­tung zu ent­zie­hen.
  1. Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Alex­an­der Dob­rindt berei­tet kon­kret wei­te­re ÖPP-Pro­jek­te im Auto­bahn­bau vor – obwohl der Bun­des­rech­nungs­hof bereits die erheb­li­che Unwirt­schaft­lich­keit sol­cher ÖPP-Pro­jek­te nach­ge­wie­sen hat.
  1. Das Bun­des­ka­bi­nett hat für die als Kapi­tal­ge­ber anvi­sier­ten pri­va­ten Ver­si­che­run­gen eine Auf­lo­cke­rung der Anla­ge­vor­schrif­ten beschlos­sen, damit die­se stär­ker in Infra­struk­tur­pro­jek­te inves­tie­ren kön­nen.

All das sind u. E. Zei­chen, dass es zur Zeit um ver­stärk­te Bemü­hun­gen für eine Pri­va­ti­sie­rung der Infra­struk­tur der Daseins­vor­sor­ge geht.

Richard Pit­ter­le (MdB, Die Lin­ke): Wel­che Risi­ken sehen Sie bei der Ein­füh­rung einer Nut­zer­fi­nan­zie­rung der Fern­stra­ßen und ande­rer Infra­struk­tur­pro­jek­te?

L.V. (GiB): Das zen­tra­le Pro­blem ist die Ver­teue­rung der Infra­struk­tur­fi­nan­zie­rung. Die anvi­sier­ten insti­tu­tio­nel­le Anle­ger erwar­ten einee garan­tier­te Ren­di­te, die sie für die angeb­li­che Risi­ko­über­nah­me bekom­men sol­len. Zumeist geht es um Annui­tä­ten­dar­le­hen, also jedes Jahr einen fes­ten Betrag. Wie Mar­kus Faul­ha­ber, Chef der Alli­anz Lebens­ver­si­che­rung in den Medi­en sag­te: “Wenn wir Eigen­ka­pi­tal ein­set­zen, erwar­ten wir schon etwa sie­ben Pro­zent, bei ris­kan­te­ren Invest­ments auch mehr”.

Ein paar Pro­zent mehr bei den Zin­sen kön­nen bei so lan­gen Lauf­zei­ten eine wesent­li­che Ver­teue­rung zur Fol­ge haben. Wäh­rend für 30-jäh­ri­ge Bun­des­an­lei­hen zuletzt 2,5 % Zin­sen zu zah­len war, wird durch die Betei­li­gung pri­va­ter Ver­si­che­rung 7%-Rendite anfal­len. Bei einem Kre­dit von z.B. 10 Mrd. Euro für 30 Jah­re Lauf­zeit wür­de das fol­gen­de Zins­kos­ten erge­ben: für die öffent­li­che Finan­zie­rung nur 4,3 Mrd. Euro, für die pri­va­te Finan­zie­rung dage­gen 14,2 Mrd. Euro, also mehr als das Drei­fa­che an Zin­sen.

Die hohen Finan­zie­rungs­kos­ten bei ÖPP-Auto­bahn­pro­jek­ten hat bereits der Bun­des­rech­nungs­hof kri­ti­siert. Er hat im Juni 2014 fest­ge­stellt, dass die Zins­dif­fe­renz durch die pri­va­te Finan­zie­rung für 1,9 Mrd. Euro Mehr­kos­ten bei 5 ÖPP-Auto­bah­nen ver­ant­wort­lich sind. Das Urteil des BRH ist: „Der Bun­des­rech­nungs­hof ist der Auf­fas­sung, dass die bis­he­ri­gen ÖPP-Pro­jek­te unwirt­schaft­lich sind.“

Richard Pit­ter­le (MdB, Die Lin­ke): Wel­che Alter­na­ti­ven sehen Sie? Wie soll­te die Finan­zie­rung der öffent­li­chen Infra­struk­tur gestal­tet wer­den?

L.V. (GiB): Die öffent­li­che Infra­struk­tur soll unse­rer Auf­fas­sung nach auch öffent­lich finan­ziert wer­den. Das ver­hin­dert aber jetzt die Schul­den­brem­se, des­we­gen ist unser Vor­schlag, sie neu zu jus­tie­ren und die Inves­ti­tio­nen in die Infra­struk­tur aus der Schul­den­brem­se her­aus­zu­neh­men. Die­sen Vor­schlag teilt auch z.B. die Gewerk­schaft ver.di.

Im Vor­der­grund soll die Über­le­gung ste­hen, ob die Inves­ti­tio­nen volks­wirt­schaft­lich sinn­voll sind, dafür soll­te Ver­schul­dung mög­lich sein. Dafür gab es frü­her die soge­nann­te gol­de­ne Regel. Und eine sol­che Regel brau­chen wir auch heu­te wie­der.

Übri­gens sind bei der heu­ti­gen Schul­den­brem­se Aus­nah­men auch vor­ge­se­hen, z.B. sind Inves­ti­tio­nen nach Natur­ka­ta­stro­phen erlaubt sowie Inves­ti­tio­nen, um kon­junk­tu­rel­le Schwan­kun­gen abzu­fe­dern.

Die wei­te­re Mög­lich­keit ist die Steu­er­ein­nah­men zu erhö­hen: z.B. durch die Ein­füh­rung der Finanz­trans­ak­ti­ons­steu­er, höhe­re Besteue­rung von Kapi­tal­er­trä­gen, die Wie­der­ein­füh­rung der Ver­mö­gens­steu­er oder eine höhe­re Belas­tung der gro­ßen Erb­schaf­ten bei der Reform der Erb­schafts­steu­er.

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Schrift­li­che Stel­lung­nah­me von Gemein­gut in Bür­ge­rIn­nen­hand (GiB)