Home » GiB-Infobrief, Infrastruktur, Kultur, PPP, Presseschau

GiB-Info­brief: “ÖPP-Ver­schleie­rung: Das Mie­ter-Ver­mie­ter-Modell”

8 Juni 2018

Lie­be Freun­din­nen und Freun­de der Gemein­gü­ter,

die Schul­den­brem­se ist noch gar nicht Pflicht, schon zeigt sie ihre unheil­vol­le Wir­kung: In Ham­burg wur­de jetzt bekannt, dass wert­vol­le Kul­tur­ein­rich­tun­gen in eine GmbH über­führt wer­den sol­len. Damit kann Ham­burg wei­te­re rie­si­ge Schat­ten­haus­hal­te ein­rich­ten – die Kre­di­te der lan­des­ei­ge­nen GmbHs gel­ten als Schul­den der Pri­vat­wirt­schaft. Für die­sen Zweck sol­len das Schau­spiel­haus, das Muse­um für Ham­bur­gi­sche Geschich­te, das Tha­lia Thea­ter, das Kul­tur­zen­trum Kamp­na­gel und 19 wei­te­re Kul­tur­ge­bäu­de einem Mie­ter-Ver­mie­ter-Modell unter­wor­fen wer­den.

Weni­ger bekannt ist: Die Bezeich­nung Mie­ter-Ver­mie­ter-Modell ist nichts ande­res als eine Ver­brä­mung für öffent­lich-pri­va­te Part­ner­schaf­ten (ÖPP). Mit die­ser Umbe­nen­nung ver­such­te man in Dort­mund bereits 2012, die ÖPP-Pro­jek­te für zwei Berufs­kol­legs  zu ver­ste­cken. Damals stritt der Käm­me­rer ab, dass es sich um ÖPP han­del­te. Dumm für ihn war nur, dass die Inves­to­ren Savills und Hoch­tief andern­orts mit den Vor­tei­len von ÖPP an den bei­den Berufs­kol­legs war­ben.

Sol­che Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pan­nen pas­sie­ren heu­te nicht mehr. Der ÖPP-Cha­rak­ter der neu­en Vor­ha­ben wird kon­se­quent geleug­net, sei es beim Schul­bau in Ber­lin oder bei den Thea­tern und Muse­en in Ham­burg. Das ändert jedoch nichts am Sach­ver­halt: Bei dem Mie­ter-Ver­mie­ter-Modell wer­den öffent­li­che Ein­rich­tun­gen erst ins Pri­vat­recht ver­scho­ben, dann mit mil­lio­nen­schwe­ren Schul­den belas­tet und in 15 bis 30 Jah­re lau­fen­de, unkünd­ba­re Ver­trä­ge gezwängt. Letzt­lich wer­den die öffent­li­chen Ein­rich­tun­gen so zu han­del­ba­ren Finanz­pro­duk­ten mit Gewinn­zweck. Pro­fi­teu­re sind vor allem die kre­dit­ge­ben­den Ban­ken, die so höhe­re Zin­sen ver­lan­gen kön­nen als bei Lan­des­an­lei­hen. Und das ohne höhe­res Risi­ko, denn die öffent­li­che Hand garan­tiert die Miet­zah­lun­gen für die gan­ze Ver­trags­lauf­zeit.

Kul­tur­ein­rich­tun­gen droht nun, künf­tig unter dem Zwang zu ste­hen, Gewin­ne abzu­wer­fen. Das Kul­tur­zen­trum Kamp­na­gel hat­te noch 2017 als Gast­ge­ber des Alter­na­tiv­kon­gres­ses zum G20-Gip­fel sei­ne Türen geöff­net. Damit hat­te die Zivil­ge­sell­schaft einen Ort, an dem sie ande­re Wirt­schafts­kon­zep­te dis­ku­tie­ren konn­te als das ewi­ge „Der-Markt-regelt-das“. Mit die­ser Offen­heit ist es künf­tig ver­mut­lich vor­bei: Das Manage­ment der neu­en Ver­mie­ter-GmbH wird „markt­üb­li­che Prei­se“ ver­lan­gen und Initia­ti­ven und Ver­ei­ne auf die­sem Weg aus­sper­ren.

Zum Glück regt sich Wider­stand: in Dort­mund, Ham­burg, Ber­lin und anders­wo. Das bun­des­wei­te Tref­fen der „AG Pri­va­ti­sie­rung“ von attac, das am kom­men­den Sams­tag in Frank­furt statt­fin­det, muss­te wegen der zahl­rei­chen Anmel­dun­gen bereits in einen grö­ße­ren Raum ver­legt wer­den. Das Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz sowie Bür­ger­be­geh­ren und Volks­ent­schei­de wer­den immer stär­ker genutzt. Es ist also noch nicht aus­ge­macht, dass Ban­ken und Kapi­tal­an­le­ger unse­re öffent­li­che Daseins­vor­sor­ge bekom­men!

Carl Waß­muth und Kat­rin Kusche
Für das GiB-Team

PS: Im Lun­a­par­k21-Extra­heft „Pri­va­ti­sie­rung“ beleuch­te­te Anne Schul­ze-Allen in ihrem Arti­kel „Ver­steck­spie­len mit dem Bür­ger. Ver­schlei­er­te Pri­va­ti­sie­rung als Geschäfts­mo­dell“ das Mie­ter-Ver­mie­ter-Modell anhand der Ent­wick­lun­gen in Dort­mund. Sie kön­nen das Heft kos­ten­los bei Gemein­gut in Bür­ge­rIn­nen­hand bestel­len.

 

**********************************************************************************

PRES­SE­SCHAU (Aus­wahl!)

Die Mel­dun­gen zum Mie­ter-Ver­mie­ter-Modell in Ham­burg zei­gen, wie gut die ÖPP-Ver­schleie­rung klappt:

24. Mai. Ham­bur­ger Abend­blattFür 300 Mil­lio­nen Euro: Ham­burg saniert
Thea­ter und Muse­en
” von Adre­as Dey

24. Mai. NDRHam­bur­ger Senat saniert Kul­tur­im­mo­bi­li­en

25. Mai. Welt: “Frie­de den Kul­tur­pa­läs­ten” von Ste­fan Grund

ÖPP rech­net sich für die Pri­va­ten:

18. Mai. Kla­ge gegen Auto­bahn­be­trei­ber: Gericht schlägt Ver­gleich vor“. Die Finan­zie­rungs­lü­cke der pri­va­ten Betrei­ber­ge­sell­schaft sol­le aus einer Finanz­sprit­ze gedeckt wer­den, zu der das Kon­sor­ti­um und der Bund je zur Hälf­te bei­tra­gen soll­ten – der Bund soll also die Hälf­te der Ver­lus­te tra­gen, berich­tet die Zeit laut einer dpa-Mel­dung. Das Gericht erwar­tet bis 24. August eine Ent­schei­dung bei­der Sei­ten, ob sie den Ver­gleich akzep­tie­ren. Im Fall der A1 mobil AG spru­del­ten die Gewin­ne nicht wie erwar­tet. Jetzt soll der Bund nach­schie­ßen und damit die Steu­er­zah­le­rIn­nen. Eine typi­sche ÖPP-Ent­wick­lung.

18. Mai. ÖPP als Schatz­kis­te nicht nur für die pri­va­ten Part­ner, son­dern auch für die Juris­ten? Im Fall Toll Collect wur­de die Inbe­trieb­nah­me des Maut­sys­tems um fast 1,5 Jah­re ver­zö­gert. Wegen der ent­gan­ge­nen Ein­nah­men lan­de­ten der Bund und die Toll-Collect-Eigen­tü­mer Tele­kom und Daim­ler vor einem Schieds­ge­richt. Nach 14 Jah­ren Gerichts­ver­fah­ren und 250 Mil­li­ar­den Euro für die Ver­tre­tung vor Gericht bekam der Bund einen Drit­tel der gefor­der­ten Sum­me. Mar­kus Bal­ser kom­men­tiert in der SZ das “Ende einer bizar­ren Ver­an­stal­tung“.

Vie­le Berich­te gab es zum Fort­gang der soge­nann­ten Ber­li­ner Schul­bau­of­fen­si­ve:

4. Juni.Sozia­le Infra­struk­tur gefähr­det. Ber­lin soll wach­sen – aber das Bau-Per­so­nal wächst nicht mit” schreibt Julia Backes in der B.Z. Flo­ri­an Schmidt (Grü­ne), Stadt­rat in Fried­richs­hain-Kreuz­berg, for­dert mehr und bes­ser bezahl­te Stel­len im Hoch-und Tief­bau. Ein Pro­blem, auf das GiB seit mehr als einem Jahr hin­weist und das in die GiB-For­de­run­gen im Rah­men der Volks­in­itia­ti­ve “Unse­re Schu­len” ein­ge­flos­sen ist.

3. Juni. Mar­tin Kles­mann berich­tet in der Ber­li­ner Zei­tung von den Sor­gen der Ber­li­ner Künst­le­rIn­nen. Sie fürch­ten, dass bei der geplan­ten Schul­bau­of­fen­si­ve Kunst am Bau nicht mehr die übli­che Rol­le spie­len wird, um Zeit zu spa­ren. Titel des Arti­kels: „Groß­pro­jekt: Ber­li­ner Künst­ler wol­len Schu­len ver­schö­nern“.

31. Mai. Small Talk mit Carl Waß­muth von Gemein­gut in Bür­ge­rIn­nen­hand zum The­ma Ber­li­ner Schul­bau­of­fen­si­ve unter dem Titel: „Enges Kor­sett aus Gleich­gül­tig­keit und Ver­wer­tungs­druck“. Das Gespräch führ­te Phil­ip Idel für jung­le world.

26. Mai. Auf den Nach­denk­sei­ten erläu­tern Mag­da von Gar­rel und Diet­rich Antel­mann die Ber­li­ner Schul­bau­of­fen­si­ve und deren Fol­gen. Titel des Bei­trags: “Wofür steht BSO?

24. Mai. Neu­kölln wird Schnitt­stel­le beim Schul­bau“, das berich­tet Susan­ne Vieth-Ent­us im Tages­spie­gel. Nach­dem sich auch Pan­kow ange­bo­ten hat­te, die zen­tra­le Geschäfts­stel­le für den Schul­bau der Bezir­ke zu über­neh­men, hat sich der Rat der Bezirks­bür­ger­meis­ter auf sei­ner Sit­zung am 24. Mai für Neu­kölln ent­schie­den. Eigent­lich soll­te die Geschäfts­stel­le schon im März arbeits­fä­hig sein.

11. Mai. Ralf Wurz­ba­cher hat für Rubi­kon die Ber­li­ner Schul­pri­va­ti­sie­rung in ihrer bun­des­wei­ten Bedeu­tung aus­ge­mes­sen: Umge­hung der Schul­den­brem­se, Bei­spiel Ham­burg, eine Mes­se namens „Schul­bau“, der Kon­zep­ti­on der Pri­va­ti­sie­rung des Schul­baus von Pri­ce­wa­ter­house Coo­pers bis hin zur För­de­rung von ÖPP im Schul­bau durch die Bun­des­re­gie­rung. Titel des Bei­trags: “Der gro­ße Schul­raub“.

7. Mai. In der Ber­li­ner Mor­gen­post schreibt Andre­as Abel über die Per­so­nal­pro­ble­me im Schul­bau: “Schul­neu­bau wegen Inge­nieurs­man­gel in Gefahr“. Seit etli­chen Mona­ten weist Gemein­gut in Bür­ge­rIn­nen­hand auf die­ses Pro­blem hin. Im Hoch­bau­be­reich ist laut Senat fast jede fünf­te Stel­le nicht besetzt. Haupt­grund sei die schlech­te Bezah­lung. Ein wei­te­rer Bei­trag  von Andre­as Abel erschien eben­falls am 7. Mai in der Ber­li­ner Mor­gen­post unter dem Titel: “Ber­li­ner Schul­bau­of­fen­si­ve droht Ver­zug – man­gels Per­so­nal“.

4. Mai. Aus der zen­tra­len Geschäfts­stel­le der Bezir­ke für den Schul­bau, sie soll­te zunächst in Neu­kölln, dann in Span­dau ange­sie­delt sein, wird es vor­erst nichts, berich­tet Susan­ne Vieth-Ent­us im Tages­spie­gel und nennt par­tei­po­li­ti­sches Geran­gel als Grund dafür: „CDU blo­ckiert Zen­tral­stel­le für den Schul­bau“.

30. April. Inter­view mit Carl Waß­muth zur Volks­in­itia­ti­ve „Unse­re Schu­len“ im rbb-Info­ra­dio. Titel: „Run­der Tisch zur Schul­bau­of­fen­si­ve des Senats“ (lei­der nur 7 Tage nach­hör­bar im rbb-Archiv).

GiB ver­öf­fent­lich­te fol­gen­de Pres­se­mit­tei­lung:

31. Mai. Kri­tik an der Schul­bau­of­fen­si­ve: Insze­nie­ren die Regie­rungs­par­tei­en einen Schein­dia­log?

Kommentar hinterlassen:

Hinterlasse dein Kommentar. Du kannst die Kommentare auch via RSS abonnieren.

Sei freundlich. Bleib beim Thema. Kein Spam.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.